Tourismus-Mitarbeiter: Hohe Investitionen, viele Zangen

Die Zeiten- und Regelzange erschwert den Hoteliers Investitionen in die Mitarbeiter. „Sie sind unser wichtigstes Gut, doch die Regeln laufen komplett an ihnen vorbei“, weiß Hotelier-Obmann Mario Gerber.

Hotellerieobmann Mario Gerber weiß, wie wichtig es ist, in Mitarbeiter zu investieren.

Hotelier-Obmann Mario Gerber: „Gewerkschaft und AK fahren an der Realität und an den Mitarbeitern vorbei. Bild: Köll.

„Herr Zangerl würde überrascht sein“, ist Mario Gerber überzeugt. Es ist die Vorstellung, gemeinsam mit dem Tiroler AK-Präsidenten in einem Raum mit vielen Mitarbeitern aus Tourismusbetrieben zu sitzen, sie zu befragen und sie zu hören, die den Obmann der Tiroler Hotellerie zu dieser deutlichen Feststellung verleitet. „Ich bin der Meinung, dass die Gewerkschaft und auch die AK an der Realität und an den Mitarbeitern vorbeifahren“, so Gerber. Mit dieser Überzeugung ist der Hotelier-Obmann, der nicht nur als Funktionär sondern vor dem Hintergrund der Gerber Hotels im Kühtai vor allem aus der Praxis spricht, nicht allein.

„In den Diskussionen werden immer die schwarzen Schafe herausgegriffen. Man sollte aber mal langjährige Mitarbeiter von Betrieben fragen, was sie schätzen und was sie wollen. Das wird vergessen“, sagt etwa Alois Seyrling, Chef des 5-Sterne-Traditionshauses Klosterbräu und Obmann des TVB Olympiaregion Seefeld. Beide halten fest, dass vieles, was im Zusammenhang mit der Personalpolitik der Tiroler Tourismusunternehmen berichtet wird, nicht der Realität entspricht. In kaum einer Branche ist die irreale Übermacht der schwarzen Schafe derart groß. Kaum eine Branche muss derart mit den Folgen kämpfen.

Überbordende Regeln und Kontrollen

„Das Hauptproblem ist, geeignete Mitarbeiter zu finden. Wenn man sie dann hat, sind Arbeits- und Ruhezeiten ein Problem sowie die überbordenden Kontrollen. Und an dritter Stelle steht schon das Image“, hält Peter Trost, Spartengeschäftsführer Tourismus und Freizeitwirtschaft in der WK Tirol, fest. Eine grobe Reihung der Anliegen zu erstellen, mit denen seine Abteilung tagtäglich konfrontiert wird, fällt ihm nicht leicht.

Die Bandbreite der Fragen entspricht wohl der enormen Fülle an Normen und Gesetzen, mit denen die Arbeitswelt im Tourismus geregelt ist. Will ein Mitarbeiter beispielsweise in einem anderen Rhythmus oder einfach mehr arbeiten, um mehr Geld zu verdienen, darf er das nicht. Happige Strafen verhindern jegliches Entgegenkommen durch den Arbeitgeber. Schlicht als lebensfremd bezeichnet Seyrling diesen Rahmen und meint: „Jeder sollte bis zu einem gewissen Maß selbst entscheiden dürfen. Die Auflagen gehören auch mit den Mitarbeitern diskutiert und es dürfen nicht die schwarzen Schafe als Vorlage genommen werden, um das über alle drüber zu stülpen. Das ist wie in der Schule, wo einer einen Blödsinn macht und alle müssen nachsitzen.“

Realitätsfremde Klischees

Das überspitzte Bild des Mitarbeiters, der 1000 Euro pro Monat verdient, bis zum Umfallen arbeitet und im Keller wohnt, mag als triste Vorlage für die strengen Schutzregeln überlebt haben. Mit der Realität hat das nichts zu tun. „Der würde sagen, herzlichen Dank Herr Gerber, ich gehe zum XY“, weiß der Hotelier-Obmann, der in dem Zusammenhang gerne ein Plädoyer für die Vorteile eines touristischen Arbeitsplatzes hält: „Wo gehen ich denn auf die Straße und habe in fünf Minuten einen neuen Job? In welcher Branche gibt es keine Arbeitslosigkeit? Wo verdiene ich, wenn ich mir die Hörner abgestoßen habe, ein überdurchschnittliches Gehalt und bekomme gratis Verpflegung und Unterkunft?“ Hoteliers, die dem Personal weder Respekt noch Wertschätzung entgegenbringen, kommen nicht mehr weit. Gerber: „Bauen kann ich alles – das schönste Haus, die schönste Bar – ohne motivierte Mitarbeiter habe ich ein großes Problem. Sie sind eine der wichtigsten Säulen im Betrieb.“
Motivation ist ein Schlüsselwort. Um sie zu fördern, gehen die Unternehmen längst so engagierte wie investitionsintensive Wege.

Viele Benefits für Mitarbeiter

Alois Seyrling im Gespräch über starre Regeln im Tourismus.

Hotelier und TVB-Obmann Alois Seyerling: „In der Diskussion werden immer die schwarzen Schafe herausgegriffen“. Foto: Köll

„Wir versuchen, den Mitarbeitern möglichst viele Benefits zu geben, um das Arbeitsleben und das Umfeld bestmöglich zu gestalten“, sagt Alois Seyrling. So können die Klosterbräu-Angestellten beispielsweise drei Mal pro Woche den Schwimm- und Wellnessbereich des Hotels kostenlos nutzen, Skyfernsehen und schnelles Internet im Mitarbeiter-Haus gehören genauso „dazu“, wie Teambuilding-Maßnahmen, Ausflüge oder Veranstaltungen. „Und dann ist plötzlich das Zimmer zu groß und Sachbezug wird fällig und wir müssten ihnen kleinere Zimmer geben oder mehr in ein Zimmer pferchen. Dann werden die Nummerntafeln ausländischer Mitarbeiter aufgeschrieben, weil man ihnen nachweisen möchte, dass sie sich vielleicht zu lange in Österreich aufhalten, um Nova und anderes zu kassieren. Es ist ein irrer Kreislauf. Du möchtest jemandem etwas Gutes tun und bekommst es zweimal an den Kopf geschmissen“, so Seyrling weiter.

Die Sachbezugsthematik ist wie ein Damoklesschwert. Dabei musste die seit 1. Jänner 2013 gültige Verordnung für Personalunterkünfte schon als Fortschritt gefeiert werden. Die Verordnung regelt, dass Unterkünfte bis 30 Quadratmeter – unabhängig von ihrer Ausstattung – abgabenfrei sind. Im Hinblick auf die Saisonbetriebe kommt für Wohnräume zwischen 30 und 40 Quadratmetern ein Abschlag vom Sachbezug, für die typischerweise saisonale Unterkünfte in Höhe von 35 Prozent zur Anwendung.

„Es ist natürlich ein Problem, weil sich die Unternehmer bemühen, adäquate Unterkünfte zur Verfügung zu stellen und dann gleich an die Grenzen stoßen, wenn sie zu viele Quadratmeter haben und sie gleich voll in der Besteuerung kommen“, weiß Spartengeschäftsführer Peter Trost und hält weiter fest: „Die Investitionskosten sind ja nicht ohne. Das ist nach außen alles selbstverständlich, ist es aber nicht, weil das Kosten sind, die die Unternehmen stemmen müssen. Es ist nicht nachvollziehbar, wenn einem Mitarbeiter eine schöne Wohnung zur Verfügung gestellt wird, der Unternehmer dann doppelt besteuert wird.“

Investitionen in Mitarbeiter lohnen sich

Es wirkt wie ein Spießrutenlauf, den positiv Denkende wohl als Slalomlauf bezeichnen würden. „Wir müssen in Zukunft viel mehr Geld in die Mitarbeiter investieren. Werbung, Infrastruktur, Unterkünfte, Schulungsräume, Bonusprogramme und Benefits vor Ort – das alles kostet Geld und das muss schlussendlich jemand bezahlen, damit die Wertschöpfungskette wieder stimmt. Wenn er gute Qualität bekommt und motivierte Mitarbeiter erlebt, ist der Gast bereit dazu“, spricht Mario Gerber die auch aufgrund dieser Investitionen wachsende Notwendigkeit an, an der Preisschraube zu drehen, um die Qualität entsprechend abgegolten zu bekommen.

Die Gerber Hotels haben im Kühtai diesbezüglich starke Zeichen gesetzt, ist es doch das moderne Mitarbeiter-Hotel – das Staff Resort – welches gleich am Ortseingang ins Auge sticht. Auch damit wird um Mitarbeiter geworben. „Wir haben ein eigenes Mitarbeiter-Prospekt und einen Imagefilm, in dem wir darauf aufmerksam machen, was wir den Mitarbeitern bieten“, so Gerber. Dazu zählen nicht nur die Nutzung von Einrichtungen, Ermäßigungen vor Ort oder der Gratis-Skikurs. Großer Wert wird auch auf Schulungen gelegt, die „Gerber Academy“ wird gerade umgesetzt und an einem umfassenden Treueprogramm gearbeitet. Ziel ist, die Mitarbeiter an das Unternehmen zu binden, sie zu motivieren und ihre Rolle im Gastgeber-Kreislauf zu stärken.

Kompetenz der Mitarbeiter erfolgsentscheidend

Bewertungen werden auch für Sterne- und Superior-Häuser immer wichtiger. „Da spielen die Freundlichkeit und Kompetenz der Mitarbeiter eine große Rolle“, betont Gerber das leicht Nachvollziehbare, das in kleinen Betrieben nicht minder über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. „Die Motivation der Mitarbeiter kann auch ein kleines Unternehmen fördern. Der Respekt gegenüber den Mitarbeitern muss auf einem hohen Level sein. Der Betrieb, der das nicht verstanden hat, wird á la longue sowieso ein Problem haben – unabhängig von der Größe, egal ob ein Mitarbeiter oder 500“, so Gerber, der abschließend festhält: „Der Großteil hat längst umgedacht. Das ewige Schlechtmachen stimmt vorne und hinten nicht. Da schütteln nicht zuletzt die Mitarbeiter den Kopf.“

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