Haya Molcho: Von der Hobbyköchin zum Gastroimperium ‘Neni’

In Tel Aviv geboren, als Kind mit den Eltern nach Bremen gezogen. Mit ihrem Mann Samy, dem berühmten Pantomimen, lebt Haya Molcho sieben Jahre ein Leben als Hippie und Weltenbummlerin, bevor die beiden in Wien sesshaft werden. Heute ist sie Stargastronomin und betreibt die Restaurantkette Neni. Haya Molcho ist ein Multitalent und ihre Familie eine Marke.

„Ich liebe Tirol“, so startet Haya Molcho (im Bild oben mit FiW-Obfrau Martina Entner) euphorisch in das Interview mit wirtschaft.tirol. „Die Tiroler sind alle auf du und du, das ist wie im hebräischen. Das mag ich.“ Neni – das sind die Anfangsbuchstaben ihrer Söhne Nuriel, Elior, Nadiv und Ilan. Drei von ihnen sind Hayas Geschäftspartner, einer ist Schauspieler. „Jeder hat bei uns seinen eigenen Bereich: Ich bin die Köchin, die anderen machen das Controlling, Marketing und Produktionskontrolle. Gemeinsam ergeben wir einen Tisch mit vier Beinen“, so die gebürtige Israelin. Was vor einigen Jahren als Catering begann, ist heute eine Gastronomiekette mit über 100 Mitarbeitern wo Nahost-Küche aufgetischt wird.

Haya bedeutet „das Leben“ und das versprüht die Gastronomin auch. Ihre Augen strahlen, wenn sie über ihre Anfänge als Unternehmerin spricht: „Mein Mann Samy hat mich gefragt: Was machst du wirklich gerne? Die Antwort war leicht. Es war immer das Kochen. Dann hat mich eine Freundin gebeten, das Catering für ihr Fest zu machen. Ich wollte ihr das natürlich schenken. Aber sie meinte: Haya, wenn du kein Geld willst, nehme ich Do&Co. Du weißt nicht, was du kannst. Es muss dir was wert sein. Es war dann so ein Erfolg, ein Selbstläufer von Anfang an.“

Haya Molcho machte Hobby zum Beruf

Woher der Bezug zum Kochen kommt? “Mein Vater war Zahnarzt und hat vom Handel gelebt. Er ist mit seinem Zahnbohrer von einem Dorf zum anderen gefahren und hat die Leute vor Ort behandelt. Als Bezahlung gab es Lebensmittel und wir haben teilweise 80 Kilo Melanzani und mehr bekommen. Wenn Sie mich jetzt fragen – ich kann Ihnen aus dem Stand über 100 Rezepte mit Melanzani sagen. Natürlich war es immer viel zu viel und wir haben für die ganze Familie aufgekocht. Wie ein Fest. Wir arbeiten 80 Prozent unseres Lebens, dafür braucht es Leidenschaft. Für mich war ganz klar, wenn ich arbeite, dann was ich will. Und das war das Kochen und Vorbereiten für viele Gäste. Familienfeiern sind die beste Übung dafür.”

Doch mit 45 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen, war auch für die Frau des Star-Pantomimen kein Katzensprung: “Kein Mensch lebt ohne Ängste. Aber wenn du Ängste annimmst und Lösungen findest, ist es positiv. Sonst bleibst du stehen und du wirst nie aus dem Loch rauskommen. Auch mir passieren Fehler. Egal. Kurskorrektur und weitermachen.”

Und so wurde aus dem Hobby schließlich ein Catering-Geheimtipp: ” 20 bis 30 Leute waren täglich in unserem Haus, ich habe das geliebt. Und ob du 30 Leute oder 100 bewirtest, das ist kaum ein Unterschied. Denn eine Frau kann 100 Sachen auf einmal machen, das ist unsere Stärke. Wir müssen nur gut organisiert sein. Mein Catering wurde  einfach wegen dem Ungewöhnlichem geschätzt: Bunte Farben, eklektische Küche, große Tische – etwas, das noch nie da gewesen ist.”

Neni ist ein Familienbetrieb durch und durch

Food-sharing, gemeinsam an großen Tischen sitzen und sich unterhalten – am Wiener Naschmarkt hat mit dem Neni-Konzept etwas komplett Neues Einzug gehalten. Mann Samy coacht als Körperspracheexperte das Personal im Umgang mit den Gästen, drei von vier Söhnen arbeiten mit im Familienbetrieb – Neni ist eine Marke, die für Familie steht und sich auch so vermarktet.

Aber auch die Molchos haben mit Rückschlägen zu kämpfen. Erst kürzlich gab es eine Rückrufaktion von Spar wegen verunreinigten Lebensmitteln. Krisenkommunikation wird im Familienunternehmen sehr ernst genommen: “Man muss sich das so vorstellen: Wir machen Humus und da kommen die Kichererbsen als Rohware in Säcken angeliefert. Und Plötzlich entdeckst du bei einer Charge ein Stück Plastik und hast aber schon zig Becher abgefüllt. Dann gab es sofort eine Krisensitzung und es heißt reagieren. Sofort Spar und den Kunden Bescheid sagen, sofort Pressearbeit, sofort Rückholkation. Schlimm wäre es zu verheimlichen und jemand kommt drauf. Es können immer Fehler passieren – aber man muss dazu stehen, egal was es kostet. Jetzt produzieren wir schon wieder und das Leben geht weiter.”

Kritik nicht persönlich nehmen

Haya Molcho ist erfolgreiche Unternehmerin, Kochbuchautorin und Köchin aus Leidenschaft. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg? „Ich habe Kritik nie persönlich genommen, ich bin neugierig, liebe das Leben und die Menschen, und ich habe nie meine Visionen verloren.“ Aus den Visionen wurde ein Gastroimperium: Heute werden mehr als 1600 Spar-Filialen mit Neni beliefert sowie die Hotelkette 25 Hours in ganz Europa. Die Molchos besitzen Lokale in Wien, Zürich, Berlin und Hamburg. Als nächstes kommen München, Amsterdam, Paris und Köln.

Haya Molcho erzählt über die Geschichte ihres Unternehmens Neni

Ein Wirbelwind: Haya Molcho erzählte von ihrem spannenden und erfolgreichen Leben. Foto: WKT

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