Meister und Bachelor am selben Niveau

Die gleichwertige Einstufung der Meisterprüfung mit dem Titel eines Bachelors ist in vollem Gang. Damit wird die Durchlässigkeit vom Meister zum Master immer mehr zur Realität.

Bei der Diskussion über die Novelle der Gewerbeordnung stand vor allem die Zahl regulierter Gewerbe im medialen Fokus. Am Rande wurde noch über Vereinfachungen bei den Betriebsanlagengenehmigungen berichtet. Weitgehend unbeachtet blieb, dass in der neuen Gewerbeordnung ein klares Bekenntnis zu Lehre und Meisterprüfung abgegeben wurde. Eine wichtige Weichenstellung erfolgte durch den gesetzlich verankerten den Auftrag, dass Meister- und Befähigungsprüfungen dem Niveau 6 des Europäischen Qualifikationsrahmens zuzuordnen sind.

Was recht sperrig klingt, hat handfeste praktische Auswirkungen: Die Bundespolitik hat klar festgelegt, dass Meister- und Befähigungsprüfungen auf derselben Ebene stehen wie beispielsweise ein Bachelor-Titel und somit als gleichwertig zu betrachten sind. “Das ist eine enorme Aufwertung für das duale System und ein Meilenstein für das Image der Lehre”, erklärt der Leiter der WK-Bildungsabteilung Johannes Huber, “selbst wenn mit der Feststellung der Gleichwertigkeit noch keine Berechtigungen abzuleiten sind, wird mit dieser Entwicklung ein wesentlicher Schritt gesetzt. Die lange geforderte Durchlässigkeit der Lehre Richtung Hochschule wird sich in Zukunft kaum mehr aufhalten lassen – selbst wenn es dazu noch einiger gesetzlicher Änderungen bedarf.”

Voraussetzungen für die Einordnung schaffen

Wie geht es im Detail weiter? Jetzt gilt es, die gesetzlichen Vorgaben in konkrete Zuordnungen umzusetzen. Heimische Bildungsexperten sind gerade dabei, die Vorgaben des Europäischen Qualifikationsrahmens in den Nationalen Qualifikationsrahmen zu “übersetzen” und damit die Voraussetzungen für die Einordnung zu schaffen. Im Kern geht es darum Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen verschiedener Ausbildungen den jeweiligen Niveaus zuzuordnen. “Es ist klar, dass zum Beispiel eine AHS-Matura und eine Lehrabschlussprüfung völlig andere Inhalte vermitteln und daher nicht gleichartig sind. Entscheidend ist jedoch die Gleichwertigkeit, also die Zuordnung auf gleichem Niveau, auch wenn sich die Ausbildungen in Inhalten, Umfängen und Titeln unterscheiden”, so Johannes Huber. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass nach diesem System eine AHS-Matura und eine Lehrabschlussprüfung gleichwertig auf Niveau 4 eingeordnet werden.

Diese Vergleichbarkeit der Ausbildungen führt letztlich zur angepeilten Durchlässigkeit im Bildungssystem. Deutschland ist in diesem Prozess schon weiter, dort ist der Weg vom Meister zum Master bereits in der Realisierung. “Auch in Österreich ist diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten und wird der Lehre auch formal endlich den Platz im Bildungssystem zuweisen, den sie verdient”, erklärt Huber.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!