Vorbild Stasto: So gelingt die perfekte Betriebsübergabe

5.900 Unternehmen werden pro Jahr in Österreich übergeben. Leider nicht immer mit Erfolg. Das Beispiel Unternehmerfamilie Stocker (Stasto) zeigt die wichtigsten Erfolgsfaktoren für das Gelingen der perfekten Betriebsübergabe.

“Für mich ist das Bild des Staffellaufes passend. Die Phase, als das Holz übergeben wurde, war eine große Herausforderung. Seither schaue ich zu – und ich muss sagen: Es ist einfach toll, wie sie laufen”, sagt Gerhard Stocker. In der Feststellung des Gründers der “STASTO Ing. Stocker KG” schwingt Vieles mit.

Der Stolz des Vaters etwa, der sich 2003 aus der Geschäftsführung des auf Handel und Dienstleistung in der Automation spezialisierten Unternehmens zurück gezogen hat. Auch das Wissen, dass die Übergabe des Familienunternehmens an die zweite Generation kein Honiglecken war, steckt in dem Satz und letztlich fasst er mit den paar Worten das zusammen, was Familienunternehmen ein Anliegen ist: Die Betriebsübergabe respektvoll zu meistern und in Bewegung zu bleiben. “Mittlerweile fragen die Söhne ganz normal und angstfrei. Angstfrei in dem Sinn, dass da keine Erwartungshaltung meinerseits dahinter ist, dass sie es dann auch so machen müssen”, gelingt es dem Seniorchef neuerlich, einen Knackpunkt zu treffen, der familiengeführte von anderen Unternehmen unterscheidet.

Chance für die nächste Generation

5.900 Unternehmern werden jährlich in Österreich übergeben. Der wichtigste Rat, den die Betriebsübernahme- und Nachfolgeexperte der Wirtschaftskammer potenziellen Übergebern und Übernehmern geben ist der, sich rechtzeitig um die Nachfolge zu kümmern. “Zwei bis drei Jahre sollten dafür mindestens eingeplant werden”, weiß Stefan Scholze vom Gründerzentrum der Wirtschaftskammer Tirol. Bis das “Lebenswerk Unternehmen” übergeben bzw. übernommen werden kann, gilt es nämlich einiges zu klären: Die Bandbreite reicht von der Ermittlung des Unternehmenswertes über Fragen des Mietrechts, der steuerlichen Situation, Haftungsfragen, Rechtsformen und der Gültigkeit von Verträgen bis hin zu erbschaftsrechtlichen Themen. “Jeder Fall ist ein Einzelfall. Darum empfehlen wir Übergebern und Übernehmern immer zu uns, zu einer persönlichen Beratung zu kommen”, sagt Scholze.

Bei familiengeführten Unternehmen kommt zu den oben genannten Aspekten noch einer dazu: die Rolle von Übergeber und Übernehmer. “Die Verzahnung der zwei so unterschiedlichen Systeme Familie und Unternehmen bietet auf der einen Seite wesentliche Vorteile für diese Unternehmensform, jedoch auch signifikante Schwächen und Nachteile”, erklärt Petra Rudigier, die im Rahmen ihrer Masterarbeit am Zentrum Familienunternehmen (MCI) familiäre Rollenverhältnisse am Fallspiel Stocker analysiert hat. “Durch die Einnahme von unterschiedlichen Rollen der Familienmitglieder in den Familienunternehmen entstehen auch Erwartungshaltungen und Rollenverhalten untereinander. Mit der Auseinandersetzung dieser Thematik können Familienunternehmen diese potenzielle Schwäche nutzen und zu einem klaren Vorteil umwandeln.”

Extrem mit Betriebsübergabe beschäftigt

“Wir haben uns extrem mit der Betriebsübergabe beschäftigt”, erinnert sich Gerhard Stocker, der keinen Hehl daraus macht, dass ihm der Abschied aus der Geschäftsführung nicht leicht gefallen ist. “Schwer ist aber der falsche Terminus”, meint er, “Es war notwendig, der nächsten Generation die Chance zu geben. Wir mussten uns abkoppeln – von unserem physischen Lebenszyklus hin zum Lebenszyklus einer Firma. Die muss ewig jung bleiben.”

Ein Hoch auf die gelungene Betriebsübergabe und 40 Jahre Stasto: Dieter, Gerhard und Christof Stocker.

Ein Hoch auf die gelungene Betriebsübernahme und 40 Jahre Stasto: Dieter, Gerhard und Christof Stocker.

Auch mit 200 Jahren solle die Firma Stasto noch jung sein, meint der Seniorchef weiter. Der temporäre Bogen, den er vor Augen hatte, als er sich dazu entschloss, seine Rolle neu zu definieren und seinen Söhnen Christof und Dieter Stocker den Stab in die Hand zu geben, dürfte wohl eine nicht zu verachtende Triebfeder gewesen sein, diesen wichtigen Schritt in die Zukunft zu setzen. Langfristiges Denken und Planen ist schließlich eines der herausragendsten Merkmale familiengeführter Unternehmen. “Da muss man ganz nüchtern sagen, okay, wenn die Kinder das schon machen wollen, muss man sie auch früh genug lassen”, so Stocker.

Radikaler Schnitt nach der Übergabe

Vater, Gründer, Alpha, Chef. Die Worte, die mit der früheren Rolle Gerhard Stockers in der Familie wie im Unternehmen verbunden werden können, klingen – auch ganz unwissenschaftlich betrachtet – allesamt groß. Und schwer. “Es waren in keinster Weise leichte Momente, als die Söhne feststellen mussten, dass ich das schon ernst meinte und ihnen nicht dreinreden will”, erinnert sich Gerhard Stocker etwa an einen Fall, “wo ich bei einer Sache sagte: aufpassen! Dann haben sie es trotzdem gemacht und es ist in die Hose gegangen. Ich hatte keine Gaudi damit, dass das in die Hose gegangen ist und da ist man ein bissl ungehalten gewesen. Da sagte ich, ist ja egal, sind wir doch froh, dass wir uns das leisten können, es ist Lehrgeld, der Fall ist erledigt und abgehakt.”

Auch gegenüber den Mitarbeitern sei es wichtig gewesen, aufzupassen und “ganz radikal” zu sagen, dass nun die Söhne “dran” sind. Stocker: “Es gab eine Phase, da hatte ich noch ein Büro in der Firma. Die Mitarbeiter sind immer zu mir gekommen und ich musste ihnen klar machen, dass meine Söhne am Werk sind und sie sich das mit denen ausmachen müssen. Das Büro habe ich dann rasch nach Hause verlegt.”

Rund drei Jahre habe der intensive Prozess der Betriebsübernahme gedauert, in denen die Familienmitglieder lernten, im Rahmen der neuen Vorzeichen miteinander umzugehen und angstfrei zu diskutieren, auch gemeinsam Spaß zu haben und nicht immer nur über die Firma zu reden. Es dauerte seine Zeit, bis alles rund lief und Gerhard Stocker betont: “Ich habe mich extrem zurückgehalten und halte mich auch heute noch absolut zurück.”

 

Tipps für die optimale Betriebsnachfolge

 

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