Küchenausbildung macht Flüchtlinge zu den Fachkräften von morgen

Die Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer Tirol hat gemeinsam mit dem AMS und dem WIFI eine zweimonatige Gastronomieschulung für Flüchtlinge initiiert. Asylberechtigte werden dabei zu Küchengehilfen ausgebildet und in Tiroler Gastronomie- und Tourismusbetriebe vermittelt.

In der Lehrküche des WIFI hängt der Geruch von Bratenfett in der Luft. Am letzten Tag des Trainingsprogramms, das Flüchtlinge zu Küchenhilfen ausbildet, wird groß aufgekocht. Adan trägt zwei leere Teller zu seinem Platz. „In Somalia haben immer die Frauen, Schwestern oder Mütter gekocht“, erklärt der 26-Jährige. In Österreich steht er nun selbst vor dem Herd, um Arbeit zu finden. Schana kommt aus Tschetschenien. Auch sie brauche einen Beruf. Die Ausbildung, die sie in ihrer Heimat gemacht habe, gelte hier nicht. Ihr großes Ziel: Nach dem Kurs will sie die Lehrabschlussprüfung nachmachen und in einer Konditorei arbeiten.

In zwei Monaten zur Küchenhilfe

Zehn Flüchtlinge bekommen seit Dezember eine durch das AMS finanzierte, vom WIFI umgesetzte Ausbildung, damit sie künftig in heimischen Tourismus- und Gastronomiebetrieben arbeiten können. Die Ausbildung besteht aus einem auf das in der Gastronomie benötigte Vokabular konzentrierten Sprach- und einem vierwöchigen Kochkurs. Küchentrainer Julian Reinisch stellt im Kochkurs die wichtigsten Arbeitsbereiche einer Hilfskraft in Hotels oder Restaurants in den Vordergrund. So wurde ein Tag dem Frühstück – von Palatschinken braten bis zum Brot backen – , ein anderer dem Salatbuffet gewidmet. Nach dem Kurs könne nach genügend Praxis in einem Betrieb sogar die Lehrabschlussprüfung Koch nachgeholt werden, ein Ziel, dem Küchentrainer Reinisch optimistisch gegenübersteht. „Ich glaube, dass jeder von ihnen nach eineinhalb Jahren Praxis die Kochprüfung absolvieren kann.“

Kulinarische und kulturelle Unterschiede

„Ich bin vom ersten Tag an positiv überrascht“, freut sich Küchenmeister Reinisch über seine Auszubildenden. Alle hätten ein gutes Gespür für Hygiene, Salz und Pfeffer, drei wesentliche Dinge in der Küche. Kulturelle Unterschiede gebe es zur Genüge. Vor allem die Wertigkeit der Lebensmittel sei für die Kursteilnehmer eine andere: „Jedes Stück, das zubereitet wird, wird gegessen oder mit nach Hause genommen. Nichts landet im Müll.“ Unter den Teilnehmern zeigte sich schon am ersten Tag, an dem es als Aufgabe galt, eine Spezialität aus der Heimat zu bereiten, dass Geschmäcker und Essensgewohnheiten so verschieden sind wie die Menschen selbst. „Der Iraner mag scharfes Essen gerne, während es der Pakistani überhaupt nicht mag“, erklärt Reinisch schmunzelnd. Dass in Afrika auch manchmal ein Affe auf dem Tisch lande, fänden andere Teilnehmer wiederum eigenartig.

Von der Idee zur Umsetzung

Die Kooperation zwischen der Fachgruppe Gastronomie der WKO und dem AMS soll nicht nur die Ausbildung anbieten und finanzieren , sondern die Teilnehmer wirklich in den Arbeitsmarkt integrieren. Von rund dreißig Bewerbern wurden durch Sprachtests und Vorstellungsgespräche die zehn Teilnehmer ausgewählt, die den Kurs alle vollständig absolviert haben. Ob das Projekt auch in Zukunft weitergeführt wird, hängt vom Ausgang des Pilotprojektes ab. „Von Erfolg würde ich sprechen, wenn wir sie alle untergebracht haben und sie nach einem halben Jahr auch noch ihren Job haben“, meint Norbert Schöpf, Bildungsmanager des WIFI Tirol. Die Küchentrainer versuchen am Ende des Kurses, die Teilnehmer an Betriebe zu vermitteln. Laut Küchentrainer Reinisch seien viele Betriebe dazu bereit, die Nachfrage nach Fachkräften im Gastronomie- und Tourismussektor ist groß.

 

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