TOP Tirol Konjunkturbarometer: Postiver Ausblick auf 2017

Im aktuellen TOP Tirol Konjunkturbarometer wird die aktuelle Wirtschaftslage von 53 Prozent der Tiroler Leitbetriebe als gut bewertet, nur 2 Prozent sind mit der wirtschaftlichen Lage ihres Betriebes unzufrieden.

„2017 gibt durchaus Anlass für Optimismus. Der Aufschwung ist in allen Branchen angekommen“, berichtet Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik in der WK Tirol. Am besten wird die wirtschaftliche Lage von den Leitbetrieben der Sparte Information und Consulting (68 %) und der Tiroler Verkehrswirtschaft (66 %) beurteilt. Am zurückhaltendsten ist der Tiroler Handel (trotz insgesamt guter Performance im Weihnachtsgeschäft). Aber auch hier bewerten immerhin 41 % die wirtschaftliche Lage als gut; 57 % als befriedigend/normal und nur 2 % als schlecht.

Die herrschende Wachstumsphase sollte auch für die Zukunft stabil sein. „Es gibt kaum Unterschiede zwischen Produzenten und Dienstleistungsunternehmen. Das ist ein Beleg für Stabilität“, so Garbislander. 53 % der Produktionsunternehmen und 52 % der Dienstleistungsunternehmen bewerten die wirtschaftliche Lage als gut.

„Hand in Hand“ mit der guten Wirtschaftslage wird auch die aktuelle Auftrags- bzw. Buchungslage bewertet: 39 % berichten von einer guten Auftragslage; nur 4 % sind unzufrieden. Zum Vergleich: Zum Jahreswechsel 2015/2016 meldeten 31 % der Betriebe eine gute Auftragslage. Auch hier ist die Tiroler Verkehrswirtschaft in einer führenden Position: 54 % berichten von einer guten aktuellen Auftragslage; gefolgt von der Sparte Information und Consulting (46 %) und dem Tiroler Gewerbe (44 %). Gerade am Beispiel des Tiroler Gewerbes wird die verbesserte Wirtschaftslage deutlich: Noch vor einem Jahr informierten „nur“ 27 % von einer guten Auftragssituation, aktuell sind es um ganze 17 Prozentpunkte mehr! Der Tourismus war von der Steuerreform im Vorjahr besonders stark betroffen. „Die Branche scheint die Auswirkungen halbwegs verdaut zu haben und zeigt sich ebenfalls optimistisch“, so Garbislander weiter.

Eine stabil gute Auftragslage gibt es auch in der Tiroler Industrie: Aktuell berichten 42 % von einer guten Auftragslage; zum Jahreswechsel 2015/2016 waren es 37 % und zur Jahresmitte 38 %.

auftragslage

Starke Tiroler Exportwirtschaft als Wachstumstreiber

Hauptverantwortlich für die starke Performance der Tiroler Industrie dürfte die erfolgreiche Exportentwicklung des Jahres 2016 sein. Die vorliegenden Halbjahreszahlen belegen dies eindrucksvoll: Im ersten Halbjahr 2016 konnte die Tiroler Wirtschaft ihre Warenexporte um rund € 500 Millionen (um 8,7 %!) gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres steigern: insgesamt wurden in den Monaten Jänner bis Juni 2016 Waren im Wert von € 5,9 Milliarden exportiert. „Das ist schlicht und einfach enorm! Zum Vergleich: Österreichweit stiegen die Exporte nur um 1,8 % und in keinem anderen Bundesland gab es eine derartige Steigerung wie in Tirol“, weiß Studienautor Stefan Garbislander. Hinter Tirol liegen Salzburg mit einem Plus von 4,5 %, Wien mit einem Plus von 3,2 % und Vorarlberg mit einem Plus von 2,7 %. Im zweiten Halbjahr dürften die hohen Wachstumsraten für die Tiroler Exportwirtschaft nicht mehr ganz zu halten gewesen sein. Insgesamt wird mit einem Plus von rund 5 % für das gesamte Jahr 2016 gerechnet. Damit würden die Exporte Tirols 2016 auf rund € 12 Milliarden angestiegen sein.

Optimistisch bleiben die Tiroler Exporteure auch für das erste Quartal 2017: Rund drei Viertel der befragten Exportunternehmen erwarten eine stabile Exportnachfrage: 15 % kalkulieren sogar mit einer (weiteren) Zunahme; 9 % mit einer Abnahme der Exportnachfrage. Insgesamt kann davon ausgegangen werden, dass die Tiroler Exportwirtschaft 2017 nominell um 5 % wachsen wird. Damit würde sich das Volumen der Warenexporte auf rund
€ 12,6 Milliarden erhöhen.

Positive Erwartungen für das erste Quartal 2017

Auch die Erwartungen zur wirtschaftlichen Lage der Betriebe sind mehrheitlich positiv. Insgesamt erwarten sich 42 % der befragten Top-Betriebe eine gute Entwicklung des Geschäftsganges. Nur 5 % gehen von einer negativen Entwicklung aus. Besonders positiv gestimmt sind die Tourismusbetriebe: Hier erwarten 56 % der Befragten einen guten Verlauf der Wintersaison 2017. Im Verkehr sind es immerhin 53 %, welche von einer guten Geschäftsentwicklung ausgehen. Die Bauwirtschaft bildet saisonbedingt eine Ausnahme: Hier gehen 17 % von einer Verschlechterung der Geschäftslage aus. 14 % erwarten eine Verbesserung und der Großteil von 69 % geht von einer gleichbleibenden Wirtschaftslage aus.

Heterogener sind die Erwartungen bezüglich der Auftragsentwicklung für das kommende Quartal: insgesamt rechnen 17 % mit einer weiteren Verbesserung der Auftragssituation, 10 % mit einer Verschlechterung und 73 % mit einer stabilen Auftragsentwicklung. Während der Tourismus (41 %) und die Verkehrswirtschaft (40 %) auch saisonbedingt positiv auf das kommende Quartal blicken, ist in der Tiroler Industrie eine gewisse Zurückhaltung spürbar: 84 % gehen von einer gleichbleibenden Entwicklung aus; dieser hoher Wert ist Ausdruck einer Unsicherheit, wie sich das wirtschaftspolitische Umfeld in den kommenden Monaten entwickeln wird (zum Beispiel Handelspolitik der neuen US-Regierung, Zinspolitik der EZB, Start der BREXIT-Verhandlungen etc.)

Bei den Investitionen zeichnet sich eine Trendwende ab

Eine wesentliche Wachstumsbremse der vergangenen Jahre waren die mangelnden Investitionen. „Auch hier scheint sich – endlich – eine Trendwende abzuzeichnen: 29 % der Leitbetriebe wollen in den kommenden sechs Monaten mehr investieren als zuletzt, nur
14 % weniger“, zitiert Garbislander aus dem TOP Tirol Konjunkturbarometer. Der Standort ist auf Investitionen angewiesen, denn „die Investitionen von heute sind das Wachstum von morgen.“

Überdurchschnittlich ist die Investitionsneigung in der Tiroler Verkehrswirtschaft ausgeprägt: Hier planen 48 % der Leitbetriebe, ihr Investitionsniveau zu steigern; im Tiroler Handel sind es 34 % und in Industrie sind es 30 %. Besonders erfreulich: Auch im Tiroler Tourismus kehrt die Investitionsfreude zurück: Noch zum Jahreswechsel 2015/16 gaben 58 % der befragten Leitbetriebe an, ihr Investitionsniveau zu reduzieren; zur Jahresmitte waren es 40 %. Nun plant jeder vierte Leitbetrieb im Tiroler Tourismus, sein Investitionsniveau zu erhöhen; 17 % wollen reduzieren.

Wermutstropfen dieser Entwicklung: Im Vordergrund stehen nach wie vor Ersatzinvestitionen, weniger die kapazitätserweiternden und damit wachstumsfördernden Neuinvestitionen. Dies wird auch durch eine Befragung der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ-Wirtschaftsbarometer November 2017) belegt: 57 % der österreichischen Unternehmen planen für die kommenden zwölf Monate überwiegend Ersatzinvestitionen.

Die neue KMU-Investitionszuwachsprämie für die Jahre 2017 und 2018 in Höhe von 15 % (für Betriebe bis 49 Mitarbeiter) und 10 % (für Betriebe von 50 bis 249 Mitarbeitern) ist in diesem Zusammenhang das richtige Signal der Bundesregierung, um auch wachstumsfördernde Investitionen anzukurbeln.

Investitionen

34 % der Leitbetriebe haben negative Erfahrungen mit Betriebsanlageverfahren

Im Rahmen des TOP Tirol Konjunkturbarometers wurden die Unternehmen auch nach ihren Erfahrungen mit Betriebsanlageverfahren gefragt. Garbislander zum Ergebnis: „Obwohl es in den vergangenen Jahren zweifellos zu Verbesserungen bei den Betriebsanlageverfahren in Tirol gekommen ist, zum Beispiel Verkürzung der durchschnittlichen Verfahrensdauer von 68 Tagen im Jahr 2008 auf nunmehr 55 Tage, melden immerhin 34 % der Tiroler Leitbetriebe negative Erfahrungen mit der Zeit-und Kostenintensität dieser Verfahren.“

Besonders kritisch werden die Betriebsanlageverfahren von Unternehmen der Bauwirtschaft (56 %), des Tourismus und der Sparte Information und Consulting (jeweils 51 %) gesehen. Anders stellt sich das Bild in der Industrie dar: Hier melden nur 21 % negative Erfahrungen mit den Betriebsanlageverfahren in Tirol; immerhin 14 % geben an, positive Erfahrungen zu haben.

WK-Wirtschaftsprognose Tirol 2016/2017

„2016 ist Tirols Wirtschaft real um beachtliche 2,0 % gewachsen. Eine starke Leistung unserer Betriebe. Zum Vergleich: das Wachstum in Österreich betrug rund 1,5 %“, zieht WK-Präsident Bodenseer Bilanz. Hauptverantwortlich hierfür waren die robuste Entwicklung im Produktionssektor (insbesondere die hohen Zuwächse der Tiroler Exportwirtschaft), aber auch die starke Performance des Dienstleistungssektors (insbesondere Tourismus, aber auch Verkehrswirtschaft sowie Information und Consulting).

Positiv dürfte laut Experten Stefan Garbislander auch das Konjunkturpaket des Landes („Impulspaket“) gewirkt haben: Das Programm mit einem Volumen von € 135 Millionen hat seine Hauptwirkung im Jahr 2016 entfaltet und beinhaltete insbesondere Investitionsanreize für Kleinstbetriebe („Wachstumsoffensive“) und Maßnahmen zur Belebung der Bauwirtschaft (Wohnungsneubau). „Für 2017 muss aber damit gerechnet werden, dass das relativ hohe Wachstumsniveau des Jahres 2016 nicht gehalten werden kann und ein Rückgang auf real + 1,8 % erfolgen wird“, werfen Bodenseer und Garbislander einen Blick voraus.

Die relativ starke wirtschaftliche Entwicklung in Kombination mit der Tatsache, dass Tirol nicht so sehr vom Arbeitskräftezuzug aus Ost- und Mitteleuropa betroffen ist, hat dazu geführt, dass die Arbeitslosenquote 2016 mit 6,4 % um 0,6 Prozentpunkte niedriger war als im Jahr 2015 (7,0 %). Damit hat sich der Tiroler Arbeitsmarkt gänzlich anders entwickelt als im Österreich-Durchschnitt: Hier stieg die Arbeitslosenquote von 9,1 % (2015) auf 9,3 % (2016).
Weiter steigen wird die Zahl der Beschäftigten. „2017 wird für Tirol ein weiteres Plus von rund 1,8 % bringen: Im Jahresdurchschnitt werden im neuen Jahr rund 329.000 Menschen unselbstständig beschäftigt sein“, hat der WK-Präsident noch eine weitere gute Nachricht für den Standort. 2017 wird sich das Arbeitskräfteangebot durch die genehmigten Asylverfahren weiter stark erhöhen ― was zur Folge haben wird, dass die Arbeitslosigkeit trotz positiver Wirtschaftsentwicklung bei 6,5 % verharren dürfte.

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