Versicherungsmakler: 2025 alles digital?

„Die Digitalisierung wird auch die Versicherungsbranche kräftig durcheinander wirbeln. Onlinepolizzen, Vergleichsportale und neuartige Service-Apps werden auf die Arbeit der Versicherungsmakler ihre Auswirkungen haben“, so Thomas Tiefenbrunner, Fachgruppenobmann der Versicherungsmakler der WK Tirol.

Aktuell spielt das Internet für den Versicherungskunden eine sehr große Rolle, dient allerdings primär noch zur Information über Produkte und Leistungen. Die persönliche Beratung wird aber beim Versicherungsabschluss nach wie vor bevorzugt. So werden Versicherungen doppelt so häufig abgeschlossen, wenn zuvor persönlich mit einem Berater gesprochen wurde, als wenn man sich zuerst im Internet informiert hat.

Bei den Versicherungsprodukten ist der Online- und Offline-Anteil je nach Produktgruppe verschieden. So würden 53,6 Prozent der Befragten deutschen Haushalte die KFZ/Motorrad-Versicherung online abschließen. Bei der privaten Krankenversicherung sinkt der Online-Anteil auf 41,2 Prozent, bei der Pflegeversicherung auf 38,5 Prozent und bei einer Berufsunfähigkeitsversicherung auf 35,2 Prozent. (Quelle: Statista.de; Befragung von 882 Haushalten in Deutschland).

Abschluss offline, Betreuung online

Je individueller ein Produkt auszugestalten ist, umso mehr findet die Beratung offline statt. Das zieht sich durch alle Altersgruppen in der Gesellschaft. Selbst die Jahrgänge 1990 bis 2000 werden zwar durch neue Medien stärker angesprochen, suchen aber stärker den persönlichen als den Online-Abschluss. Erst die Folgebetreuung findet hier mehr und mehr online statt.

Auch Versicherer werden im Internet aktiver und lassen Prozesse online und zum Teil mobil über Apps laufen. „Meldungen von Versicherungsschäden oder Kundenstammdaten lassen sich online sehr schlank abwickeln. Dadurch stehen nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch der Kunde direkt als Beteiligter im Fokus“, weiß Fachgruppenobmann Thomas Tiefenbrunner. Kunden werden einbezogen, übernehmen Aufgaben, die früher Mitarbeiter von Versicherern übernommen haben. Ähnlich den Fluggesellschaften, bei denen Kunden ihre Tickets auch selbst ausdrucken.

Aktionsradius wird immer größer

Aufgrund des stetigen Wandels und immer besserer Technologien (hohe Geschwindigkeit technologischer Entwicklungen, Normierung von Prozessen und Technologie, Verfügbarkeit neuer Anwendungen für Makler), neuer Geschäftsmodelle und Konkurrenz durch InsurTechs (günstige und einfach Onlineversicherungen) sowie dem veränderten Kundenverhalten und der demografischen Entwicklung wird sich das Geschäftsfeld des Versicherungsmaklers bis 2025 stark verändern.

Videoberatungen lassen den Aktionsradius größer werden und sparen Wege und Zeit. Die Endkunden werden in Prozesse stärker eingebunden (elektronische Versicherungsordner, Robo-Adviser, teilautomatisierte Beratung). Der Versicherungsmakler muss es auch schaffen, den hybriden Kunden durch die Nutzung der Technologien besser an sich zu binden.

Tiroler Versicherungsmakler stellen sich auf Trends ein

Die Digitalisierung wird auch zu einer veränderten Produktlandschaft führen, denn die Produkte sollen einerseits für den Kunden transparenter werden und andererseits steigt die Komplexität in der Beratung. Weiter wird die Prävention von Versicherern immer mehr gefördert. Beispiele sind Kooperationen von Versicherungen mit Unternehmen zum Thema „Smart home“. Hier stellt die Versicherung Sensoren für Glasbruch, Wassereintritt, Bewegungen sowie Innenraumsirenen gegen eine monatliche Prämie zur Verfügung. Bei einem trotzdem auftretenden Schadensfall ist dieser natürlich auch versichert. Dies führt zu einer höheren Schadenvermeidung und einer Reduktion der Schadenhöhen.

„Auf all diese Trends müssen sich Versicherungsmakler einstellen, um auch in zehn Jahren noch erfolgreich zu sein. Für Einzelkämpfer wird es zunehmend schwieriger, während Kooperationen oder größere Betriebe bessere Wachstumschancen ermöglichen“, malt Fachgruppenobmann Thomas Tiefenbrunner abschließend ein Bild für die Branche.

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