Soziale Verantwortung: Unternehmer sein bedeutet mehr

Wirtschaft und soziale Verantwortung hängen eng zusammen – zumindest in Tirol. Wirtschaft.tirol bat Caritas-Direktor Georg Schärmer und WK-Präsident Jürgen Bodenseer um ein Statement.

INTERVIEW

Jürgen Bodenseer: “Wir stehen zu unserer Verantwortung”

wirtschaft.tirol: Wirtschaft und soziale Verantwortung hängen eng zusammen. Sehen das die Unternehmer selbst auch so?

Jürgen Bodenseer: Ganz klar: ja! Der Begriff der „Corporate Social Responsibility“, also der sozialen Verantwortung von Unternehmen, ist relativ neu – aber die heimischen Betriebe handeln seit Jahrzehnten danach. Das zeigt sich auch am hohen Interesse beim Trigos, dem von der WK ausgelobten Preis für soziale Verantwortung.

Und wie sieht die Politik das Thema soziale Verantwortung?

Die traut den Unternehmern offenbar immer noch zu wenig soziales Handeln zu. Schade – das ist eine vertane Chance.

Strengere Zumutbarkeitsbestimmungen werden oft als soziale Kälte kritisiert. Ist das richtig?

Wenn es jede Menge freie Stellen, aber auch viele Arbeitslose gibt, stimmt etwas nicht. Selbstverständlich braucht es Hilfe für alle, die es nötig haben. Das Sozialsystem soll auffangen und nicht als soziale Hängematte zum Liegenbleiben einladen.

Was unterscheidet internationale Konzerne von heimischen Kleinbetrieben?

Apple, Google und Co drücken sich um Steuern und praktizieren Hire & Fire. Mittelständische Unternehmen stehen zu ihrer Verantwortung.

Verteilen ist gerade in der Weihnachtszeit ein zentrales Schlagwort. Umverteilen auch?

Die Umverteilung ist bereits jetzt überdurchschnittlich. Wer hier weiter an der Schraube dreht, riskiert, dass Leistung nicht mehr erbracht wird.

Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen wünschenswert?

Das können nur Leute fordern, die Arbeit als reinen Frondienst sehen. Doch eine Beschäftigung bringt Sinn, Perspektiven und Chancen zur Weiterentwicklung.

Damit 2017 ein gutes Jahr wird – was muss passieren? (Und was nicht?)

Die unheilvolle Populismus-Spirale muss gestoppt werden. Wir brauchen mehr Mut zur Eigenverantwortung. Menschen haben so viele unternehmerische Energien – wir müssen diese nur zulassen!


Georg Schärmer: “Unternehmer sind mutig, bitte weiter so”

wirtschaft.tirol: „Wirtschaft sind wir alle“ heißt der aktuelle Slogan der WK Tirol. Wie interpretieren Sie dieses Motto?

Georg Schärmer: Vorerst möchte ich anmerken, dass mir der Slogan gut gefällt, weil er eine Tatsache benennt: Wir alle sind Teil von Wirtschaftskreisläufen. Auch der ärmste Mensch ist Nutzer lokaler Wirtschaft. Sozialbetriebe sind „Musterschüler“ in der Beauftragung lokaler Wirtschaftstreibender.

Wo liegen die Unterschiede zwischen Apple, Amazon, Google & Co gegenüber Tiroler Familienbetrieben?

Ihre Wertschöpfung und Steuerleistungen bleiben im eigenen Land. Durch die enge Kundenbeziehung wird hohe Qualität gehalten.

Wieso wird, wenn es um Beschäftigung geht, immer zuerst die Politik bemüht, anstatt den Unternehmern selbst zuzutrauen, Jobs zu schaffen?

Politik muss für gute Rahmenbedingungen sorgen und hat eine Schutzfunktion einzunehmen. Ein wesentlicher Anteil der Wirtschaftspolitik ist es, Bildung, Forschung und Entwicklung auf hohem Niveau zu halten.

Ist ein bedingungsloses Grundeinkommen wünschenswert?

Etwas zu leisten, wirksam zu sein, eine sinnvolle Beschäftigung zu haben, ist ein Grundbedürfnis der Menschen. Dies dürfen wir nicht untergraben. Wer Menschen verwöhnt, entwöhnt sie – sich selbst und der Gemeinschaft.

Welche Wünsche haben Sie an die heimische Wirtschaft?

Dass sie den Mut und den langen Atem nicht verliert. Lassen wir uns weder von unlauterer Konkurrenz, noch der Bürokratie, noch durch Krisen von unserem Weg abbringen, gutes Leben für alle mitzugestalten.

Und welche an die Politik?

Raus aus der Kampfarena und der populistischen Kurzatmigkeit! Brücken bauen, Verbindlichkeiten schaffen und Entwicklung zu fördern.

Damit 2017 ein gutes Jahr wird – was muss passieren? (Und was nicht?)

Ein breites Bewusstsein, dass das WIR größer als das ICH, der Mut größer als die Angst ist. Unternehmer sind mutig. Bitte weiter so!

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