Lehre für Asylwerber: “Arbeit und viel Menschlichkeit gefunden”

Radi Hamami aus Syrien und Akramullah Haidar aus Afghanistan sind zwei besondere Lehrlinge. Sie sind Asylwerber und haben in Tirol die Chance bekommen, sich mit einer Lehre eine neue Zukunft aufbauen zu können.

„Radi ist immer fröhlich, lächelt und steckt andere mit seiner guten Laune an – diese unglaublich positive Art bewundere ich sehr“, erzählt Luisa Fath von der Team- und Mitarbeiterentwicklung des Posthotels Achenkirch. Radi ist 20 Jahre jung und absolviert seit August diesen Jahres eine Lehre zum Restaurantfachmann. Vor 15 Monaten ist der junge Asylwerber aus der zurzeit gefährlichsten Stadt der Welt, Aleppo in Syrien, nach Österreich geflüchtet. Über die Türkei mit einem Schlepperboot nach Griechenland, Mazedonien und Ungarn ist er schließlich im Tiroler Unterland gelandet. „In Achenkirch waren einige junge Männer aus Syrien. Wer wollte, konnte bei uns im Hotel einfach mal schnuppern. Radi hat schließlich im Service angefangen. Und Ahmad, ein anderer Flüchtling, absolviert jetzt eine Kochlehre“, so Luisa Fath begeistert.

20161207_fluechtlingealslehrlinge-3

Radi Hamami beim Eindecken der Restauranttische im Posthotel. – Foto: WKT

Eine neue Zukunft bekommen

Anfängliche Hürden wie Deutschkenntnisse und Skepsis unter den Mitarbeitern waren binnen kürzester Zeit aus dem Weg geräumt: „Wir haben Radi und Ahmad bewusst in zwei verschiedene Bereiche gesteckt, damit sie Deutsch reden müssen. Und das klappt wunderbar“, so die Personalentwicklerin vom Posthotel Achenkirch. Buffet aufbauen, die Gäste bedienen, Besteck polieren – die Aufgaben von Radi sind vielfältig. „Die täglich wechselnden Menüs zu lernen war anfangs für mich sehr schwer, aber das wird immer besser. Nur der italienische Abend ist noch ein kleiner Holperstein“, erzählt Radi schmunzelnd.

Das Asylverfahren von Radi läuft noch, doch es sind alle zuversichtlich. „In Aleppo habe ich Maschinenbau studiert. Meine Eltern und Schwestern leben noch dort, doch es ist alles zerstört. Ich möchte meine Lehre bestmöglich abschließen – und dann gebe ich allen, die mir geholfen haben, etwas zurück. Hier habe ich eine neue Zukunft bekommen“, so Radi glücklich.

Im Team mit Andrea Pühringer (l.) und Gustl Karrer (r.) fühlt sich der Lehrling im Posthotel wie in einer Familie. „Die beiden waren sehr geduldig, haben mir immer geholfen und mich unterstützt“, so Radi.

Im Team mit Andrea Pühringer (l.) und Gustl Karrer (r.) fühlt sich der Lehrling im Posthotel wie in einer Familie. „Die beiden waren sehr geduldig, haben mir immer geholfen und mich unterstützt“, so Radi. – Foto: WKT

Bürokratische Hürden

Bei der Firma DBM-Installationstechnik GmbH in Strass im Zillertal absolviert seit Juni 2016 Akramullah Haidar aus Afghanistan eine Lehre zum Installations- und Gebäudetechniker. In seiner Heimat hat Akramullah eine zwölfjährige Schulausbildung genossen und wollte ein Studium beginnen, als er vor dem Krieg flüchten musste. Zwölf Monate war er zu Fuß durch Europa unterwegs als er schließlich im Flüchtlingsheim Landhaus St. Gertraudi aufgenommen wurde.

„Wir sind durch das AMS auf Akramullah aufmerksam geworden“, erzählt Firmeninhaber Franz Eberharter über seinen Neuzugang. „Trotz anfänglicher Bedenken sind wir froh, diesen Schritt gesetzt zu haben. Akramullah konnte schon recht gut Deutsch reden, so war die Kommunikation kein Problem. Er ist ein wirklich fleißiger und lernfreudiger Lehrling.“

20161207_fluechtlingealslehrlinge-1

DBM-Firmenchef Franz Eberharter (l.) hat Akramullah im Juni als Lehrling in die Firma aufgenommen. „Wir sind stolz darauf und mögen Akramullah sehr. Er ist Teil des Teams“, so Eberharter. – Foto: WKT

Dienstag und Mittwoch besucht Akramullah einen Deutschkurs, einmal monatlich gibt es für alle Lehrlinge der Firma DBM einen Lehrlingstag. Hier werden Probleme besprochen und es wird individuell auf die jungen Menschen eingegangen. „Für mich bedeutet diese Lehre ein ganz neues Leben. Ich mag meine Arbeit und ich mag meine Kollegen. Auch das Zillertalerisch verstehe ich schon“, erzählt der Lehrling lachend. „Zu meinen täglichen Aufgaben gehören derzeit Badewannen und Duschkabinen fugen, Lagerarbeiten und vieles mehr. Je nachdem welchem Monteur ich zugeteilt bin und welcher Baustelle.“ Im Mai 2017 wird Akramullah erstmals die Berufsschule besuchen, bis dahin sollten auch die schriftlichen Deutschkenntnisse ausreichen.

Lehre für Asylwerber ein Zukunftsmodell?

Für den DBM-Firmenchef Franz Eberharter ist diese Art von Lehrverhältnis ein Zukunftsmodell: „Wir haben immer größere Probleme, Lehrlinge zu finden. Der Fachkräftemangel ist nicht zu leugnen. Ich kann nur jedem Unternehmer empfehlen das Modell „Lehre für Asylwerber“ zu forcieren. Wir haben mit Akramullah nur positive Erfahrungen gemacht.“

In weiter Zukunft soll es für den afghanischen Lehrling möglich sein, in eine eigene Wohnung zu ziehen und auf eigenen Füßen zu stehen. „Ich glaube, das wäre für ihn und sein Leben sehr wichtig. Akramullah wird seinen Weg ganz bestimmt machen “, so Franz Eberharter zuversichtlich.

20161207_fluechtlingealslehrlinge-2

Akramullah Haidar ist bereit für die nächste Baustelle. Foto: WKT

 

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!