Wirtschaftsparlament: Sich am Riemen reißen!

Christoph Badeltund Christoph Leitl

WIFO-Chef Christoph Badelt (l.), der die Festrede beim Wirtschaftsparlament hielt, und WKÖ-Präsident Christoph Leitl. Foto: WKÖ/Leitner.

Wie tickt Österreich und wie kann es wirtschaftlich wieder durchstarten? Diese Frage stand im Zentrum des Wirtschaftsparlaments der WKÖ.

Festredner der Sitzung war Professor Christoph Badelt, Chef des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO), der konstatierte, dass sich die Situation der österreichischen Wirtschaft zwiespältig darstellt: „Auf der einen Seite gibt es nach wie vor starke positive Botschaften: Österreich ist noch immer eines der reichsten Länder der Welt. In den letzten Jahren haben wir zwar geschwächelt, aber in den nächsten Jahren gleichen wir uns mit einem Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent wieder Deutschland und dem Durchschnitt der EU an“, so Badelt.

Auf der anderen Seite zeigen diverse internationale Rankings ein differenziertes Bild. „Da kommen die traditionellen Probleme Österreichs – Strukturprobleme, die hohe Steuer- und Abgabenbelastung, ein nur langsamer Rückgang der Staatsschulden – heraus“, so der WIFO-Chef.Um wirtschaftlich wieder durchzustarten, brauche Österreich die richtigen Rahmenbedingungen. Hier habe die Regierung in den vergangenen Monaten, „ein paar Zeichen in die richtige Richtung gesetzt“. Notwendig sei zudem eine andere Erwartungshaltung – bei den Unternehmen wie in der Bevölkerung: „Glauben wir wirklich daran, dass wir es zurück zur Spitze schaffen können? Da muss sich jeder auch selbst am Riemen reißen.“

Es braucht Reformen

WKÖ-Präsident Christoph Leitl zeigte mehrere Ansatzpunkte auf, „um Österreich zurück an die Spitze zu bringen“ – von Investitionsimpulsen bis zu notwendige Entlastungen der Wirtschaft. Auch dürfe man den Prozess der Digitalisierung nicht ängstlich abwarten, sondern müsse die Betriebe kompetent begleiten.

Dies gelte auch bei Änderungen in der Wirtschaftskammer-Organisation, betonte der WKÖ-Präsident. Was die Entlastung von Mitgliedsbetrieben betrifft, sei etwa die Einbeziehung von Investitionen bei der Berechnung der Kammer-Umlage 1 zu überdenken, wenn die WKO selbst eine weitergehende Investitionsoffensive von der Politik verlange. Und wer eine Senkung von Lohnnebenkosten fordere, müsse dies auch bei einer Neugestaltung der Kammer-Umlage 2 berücksichtigen. Die Fachorganisationen wiederum seien von einer Reduktion der Grundumlagen infolge der Gewerbeordnungsreform betroffen. Und nicht zuletzt gelte es Großbeitragszahler zu entlasten. Leitl: „Über diese Eckpunkte wollen wir im ersten Quartal 2017 mit den wahlwerbenden Gruppen in der Wirtschaftskammer reden und einen gemeinsamen Vorschlag erarbeiten.“

Stimmen zur Gewerbeordnung

Auch die anstehende Reform der Gewerbeordnung wurde thematisiert. Aus der Sicht des Sprechers der Grünen Wirtschaft, Volker Plass, wäre eine Freigabe jener Gewerbe, in denen aktuell keine Lehrlingsausbildung stattfindet, ein ebenso sinnvoller Schritt gewesen, wie die Schaffung eines Universalgewerbescheins, der den heimischen Unternehmen etwa 40.000 Verwaltungsverfahren erspart hätte.

Matthias Krenn, Bundesobmann der Freiheitlichen Wirtschaft (FW), sieht in der Gewerbeordnung ein „Symbol einer überregulierten Wirtschaft“. Die Reform reduziere zwar die Kosten für die Gewerbeanmeldung, alles andere bleibe aber beim Alten. Alexander Safferthal als Vertreter des sozialdemokratischen Wirtschaftsverbandes (SWV) drängte – nach dem „Reförmchen der Gewerbeordnung“ – ebenfalls auf eine Reform in der Wirtschaftskammer.

Rahmenbedingungen verbessern

Um den zahlreichen Herausforderungen der Zukunft gewachsen zu sein, bräuchte es die Beseitigung von innovationsfeindlicher Bürokratie, Investitionsförderungen auf breiter Ebene, eine Arbeitszeitflexibiliserung sowie Bildung, unterstrich Sigi Menz, Sprecher der Liste Industrie. „Wichtig ist es, gesamthaft Rahmenbedingungen zu schaffen, um die Unternehmer zu entlasten und zu unterstützen. Wir brauchen weniger Staat und mehr Flexibilisierung, dann können wir durchstarten! Dafür stehen wir als WKO“, fasste es Alexander Klacska als Vertreter des Österreichischen Wirtschaftsbundes zusammen.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!