Wie Tiroler Unternehmen von den Megatrends profitieren

Die Gesellschaft wird sich durch neue Technologien in wenigen Jahren völlig verändert haben, so der Tenor bei der Veranstaltung “Internationale Technologie Trends & Perspektiven für Tirol” von Wirtschaftskammer Tirol, Außenwirtschaft Austria und Standortagentur Tirol in Mils bei Hall. Tiroler Unternehmen sollten und können sich aktiv und frühzeitig in Zukunftstrends einhängen.

“Wird in fünf oder zehn Jahren die komplette Produktion in Mitteleuropa umgestellt sein?”, stellte Gregor Leitner, Chef der Außenwirtschaft in der Tiroler Wirtschaftskammer, eine rhetorische Frage, und die Technologiebeauftragten der österreichischen AußenwirtschaftsCenter in Los Angeles, London, Tokio und München ließen keinen Zweifel: Die Industrie 4.0 wird als einer der Megatrends der Zukunft kommen, also die weitere Digitalisierung und Vernetzung aller firmeninternen Produktionsprozesse, aber auch die Vernetzung von Lieferanten mit Endfertigern.

Für Tirol eröffnet sich jetzt eine ganz spezielle Möglichkeit, sich hier einzuklinken. Die Forschungs-Förderungsgesellschaft FFG fördert drei Pilot-Fabriken zum Thema “Industrie 4.0” und veröffentlicht Ende Oktober/Anfang November die Ausschreibung dazu.

Eine dieser drei Fabriken ist für die Initiative “Silicon Austria ” reserviert, die auf der Achse Klagenfurt-Graz die Produktion der Zukunft vorantreiben soll. Aber die zwei anderen Pilot-Fabriken werden in anderen Bundesländern entstehen.

Tirol will hier dabei sein und hat schon von 30 potenziellen Wissenschafts- und Wirtschaftspartnern Letters of Intend (Interessensbekundungen) gesammelt, wie Birgit Weihs-Dopfer von der Standortagentur berichtete. Es können sich noch interessierte Tiroler Unternehmen daran beteiligen, aus allen möglichen Bereichen und Branchen. Am 11. November findet dazu eine Informationsveranstaltung der FFG in Aspern statt.

Trendscouts in den AußenwirtschaftsCentern

Etliche Tiroler Firmen bereiten sich schon sehr konkret auf die Zukunftstrends vor. Ein Beispiel dafür ist die Alpex Technologies in Mils bei Hall. Das Unternehmen, das Formen und Werkzeuge für die Fertigung von Carbonteilen in der Auto- und Luftfahrtindustrie erzeugt, hat u. a. die Werkzeuglagerung automatisiert – mit einem System, das u. a. alle Fräswerkzeuge verwaltet und benötigte Werkzeuge automatisch nachbestellt. Dazu kommt ein durchgängiges PLM-System, d. h. vom Produktdatenmanagement über das Projektmanagement bis hin zu Marketing, Vertrieb und AfterSales stehen alle Prozesse in direkter Verbindung – alles Dinge, die für Tiroler KMU zunehmend wichtig werden.

Marcel Klautzsch und Hermann Fohringer (v. l.), von Alpex Technologies beliefern unter anderem Airbus mit Hightech aus Tirol.

Marcel Klautzsch und Hermann Fohringer (v. l.), von Alpex Technologies beliefern unter anderem Airbus mit Hightech aus Tirol.

Bei D. Swarovksi beschäftigt man sich intensiv mit Zukunftsthemen wie 3D-Druck oder „Additivem Manufactoring“ (ein Verfahren zur schnellen und kostengünstigen Fertigung von Modellen, Mustern, Prototypen, Werkzeugen und Endprodukten auf Basis interner Datenmodelle) aber auch mit “Augmented Reality“ (die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung).

Es ist Zeit für Tiroler Unternehmen, sich dafür zu interessieren, denn „künstliche Intelligenz wird die Gesellschaft von Grund auf verändern“, kündigt Anton Emsenhuber, Technologiebeauftragter am österreichischen AußenwirtschaftsCenter Los Angeles an. Das US-Beispiel Pizza Hut zeigt, wohin es gehen kann: Die weltgrößte Pizzakette hat einen “Chatbot“ entwickelt, eine Technologie, die es Kunden erlaubt, Pizzen via Facebook oder Twitter zu bestellen und sich über Produktneuheiten zu informieren. Man rechnet, dass die Innovation Tausenden der 16.000 Mitarbeitern den Job kosten könnte, gleichzeitig die Marktanteile von Pizza Hut weiter steigern soll.

Der Megatrend hat aber auch eine Kehrseite: Die Hälfte aller Jobs ist in Gefahr, zitiert Emsenhuber einschlägige Studien, Künstliche Intelligenz wird sogar standardisierte Arbeiten von Software-Ingenieuren, Rechtsanwälten, Steuerberatern und Online-Vermarktern übernehmen können.

Megatrends richtig vermarkten

Wie hilft man sich angesichts dieser Entwicklung? Möglichst vorne in der Entwicklung dabei sein, raten die Technologiebeauftragten. Tiroler Unternehmen sind in einigen Zukunftsfeldern durchaus technisch führend, vom Verkehrsmanagement über Medizintechnik, Mechatronik. Das ist eine gute Basis. Was in Österreich leider oft noch fehlt, ist die Fähigkeit, eine Innovation auch erfolgreich zu vermarkten, sagt Emsenhuber. Die Wirtschaftskammer mit ihren weltweiten AußenwirtschaftsCentern kann hier wertvolle Kontakte herstellen und Hilfestellung leisten.

 

» Veranstaltungshinweis: “Industrie 4.0 als unternehmerische Gestaltungsaufgabe”, Dienstag 22. November 2016, 18 Uhr, Wirtschaftskammer Tirol, Innsbruck

» Weitere Informationen: Sie wollen auf neuen Märkten aktiv werden? Beratung und Service erhalten Sie bei der Außenwirtschaft Austria

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