Lagebericht Tiroler Wirtschaft: Investitionsquote im freien Fall

Industrie, Gewerbe und Tourismus sind in den ersten acht Monaten teils deutlich im Plus. Achillesferse bleiben weiter die fehlenden Investitionen. Dabei ließe sich die Investitionsschwäche einfach bekämpfen – wenn die Politik nur endlich wollte, kritisiert WK-Präsident Jürgen Bodenseer.

Die Industrieproduktion lag im ersten Halbjahr 2016 in Tirol im Durchschnitt um 1,62 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Insgesamt wurden Waren im Wert von 4,89 Milliarden Euro abgesetzt. „Wir haben uns damit deutlich besser entwickelt als Österreich gesamt“, verweist WK-Präsident Jürgen Bodenseer auf die aktuellen Zahlen. Österreichweit lag die Industrie-Produktion um 1,6 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres.

Ebenfalls im Plus ist das Tiroler Gewerbe und Handwerk. Die abgesetzte Produktion lag hier in den ersten sechs Monaten in Tirol bei 1,91 Milliarden Euro (2015:1,72 Milliarden Euro).

Steigende Nächtigungen

Bekannt positiv verlief das Jahr bisher für den Tourismus. In den ersten acht Monaten stieg die Zahl der Nächtigungen um 1,7 Millionen im Vergleich zum Vorjahr auf nunmehr 37 Millionen. „Die Auswirkungen des BREXIT sind bislang nur marginal“, weiß der WK-Präsident. Während noch im Juli die Nächtigungen aus dem Vereinigten Königreich um 7 Prozent zurückgegangen sind, blieben die Nächtigungen im August konstant, „wobei die Pfund-Abwertung hier ebenfalls eine Rolle spielen dürfte“.

Ebenfalls erfreulich und gegen den Österreich-Trend ist die Entwicklung am Tiroler Arbeitsmarkt: Im Zeitraum Jänner bis September lag die Arbeitslosenquote in Tirol im Durchschnitt bei 6,2 Prozent (AMS-Berechnungsmethode). Im Vergleichszeitraum des Vorjahres lag die der Arbeitslosigkeit um 0,5 Prozentpunkte höher (6,7 Prozent). „Hier gilt es den Unternehmen zu danken, die trotz schwierigen Umfelds neue Jobs schaffen und damit wesentlich zur Entwicklung unseres Landes beitragen.“

Investitionsanreize für den Standort

Achilles-Ferse der Entwicklung bleiben weiterhin Investitionen. „Obwohl das Investitionsniveau insgesamt heuer leicht höher ist als im Vorjahr, fallen rund zwei Drittel der Neuinvestitionen auf Ersatzinvestitionen“, berichtet Bodenseer. „Viel wichtiger für das Wachstum und den Standort wären aber Kapazitätserweiterungen, die in vielen Fällen aber nach wie vor ausbleiben. Die Marschrichtung in der Bundesregierung kann nur lauten, Investitionsanreize zu setzen“, sagt Bodenseer und ruft seine Forderung nach einer degressiven Abschreibung oder einer spürbaren Investitionszuwachsprämie bzw. einer Erhöhung bei der sofortigen Abschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter in Erinnerung.

Die Investitionen anzukurbeln würde Österreich auch bei einem anderen Problem helfen: der Netto-Investitionsquote (Bruttoinvestitionen abzüglich Abschreibungen). Stefan Garbislander, Leiter der Abteilung Strategie und Wirtschaftspolitik, beobachtet die sinkende Investitionsquote schon über längere Zeit und mit großer Sorge. „Im Zeitraum 2000 – 2014 ist die Netto-Investitionsquote in Österreich um 60 Prozent (!) zurückgegangen. Die Ursachen dafür sind fehlende steuerliche Anreize sowie kosten- und zeitintensive Bewilligungsverfahren“, erklärt Garbislander. „Die Ursachen könnten aber ebenfalls ganz einfach anhand unserer Vorschläge schnell bekämpft werden – wenn die Bundesregierung nur endlich will“, hält Präsident Bodenseer abschließend fest.

Von Produktion bis Inflation – der Lagebericht in Bildern:

 

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