Gewerbeordnung: Reform als Gefahr für die Qualität

Noch im Herbst soll ein Entwurf für eine Reform der Gewerbeordnung vorliegen. „Der Vorschlag von Seiten der SPÖ, die Zahl der reglementierten Gewerbe zu halbieren, gefährdet massiv die duale Ausbildung und vernichtet die Qualität in vielen Gewerben“, sagt Georg Steixner. Der Tiroler Gewerbeobmann warnt mit Blick auf die Gewerbeliberalisierung in Deutschland vor den negativen Folgen.

„Hier wird in der Regierung offenbar ein Kuhhandel betrieben – auf dem Rücken der österreichischen Handwerks- und Gewerbebetriebe, die seit Generationen für Qualität stehen und die der Garant für eine fundierte Ausbildung der Lehrlinge sind – um die uns so viele Staaten beneiden“, so der Obmann, der in der Debatte um die Gewerbeliberalisierung vor allem die Fakten vermisst: „Anscheinend hat sich niemand ernsthaft mit den Folgen auseinandergesetzt.“

Ohne einen Meister würden rund 50.000 Jugendliche die Chance auf eine gute Ausbildung verlieren. Das duale Modell ist seit Generationen der Erfolgsgarant für eine erfolgreiche Zukunft als gefragte Fachkraft. „Warum also ein gut funktionierendes System zu Fall bringen wollen? Die Leidtragenden sind schlussendlich auch die Konsumenten. Die Politik gefährdet mit ihrem Vorgehen das Image der österreichischen Betriebe als verlässliche Partner“, ist sich Steixner sicher.

Deutschland will Rückkehr zu qualifiziertem Zugang

Ein Blick zu unseren deutschen Nachbarn zeigt, wie man es nicht machen soll. Dort wurden im Jahr 2004 von 92 Handwerksberufen 51 Berufe „freigestellt“ und die Handwerksordnung weist seither nur mehr 41 Handwerke mit Meisterprüfung oder Altgesellenqualifikation auf. Inzwischen gestehen selbst die damaligen Initiatoren und Verfechter dieser Reform, dass sie ein Fehler war. So gab es anfangs eine große Zahl an neuen Anmeldungen in „freigestellten“ Gewerben, zumeist als EPU. Nach wenigen Jahren blieben davon nur 40 Prozent über und die Lehrlingszahl ist in diesen freigegeben Branchen um 50 Prozent zurückgegangen. Weiters ergaben deutsche Studien, dass die hohe Anzahl unqualifizierter Anbieter zu einem starken Anstieg von Mängeln und Bauschäden geführt hat.

Qualität halten anstatt zu riskieren

„Die Situation in Deutschland ist gekennzeichnet durch Qualitätsverlust und fehlendem Nachwuchs. Und während man in Österreich, ohne nach links und nach rechts zu schauen, die Liberalisierung mit Biegen und Brechen herbeiführen will, denkt man in Deutschland bereits an eine Rückkehr zum qualifiziertem Berufszugang in mehr Branchen als bisher“, berichtet Steixner. Der Gewerbeobmann fordert eine Reform mit Augenmaß, basierend auf Fakten. „Für eine Reform mit dem Vorschlaghammer und einem Kahlschlag bei unserem bewährten Erfolgsmodell sind wir sicher nicht zu haben. Ziel ist es, Qualitätsstandards, für die Österreich international bekannt ist, zu halten – und nicht zu riskieren.“

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