“Werbung darf nicht anstößig sein”

Werbung erhitzt, erregt und bewegt die Gemüter. Vor allem, wenn die Werbung an die ethischen Grenzen geht. Immer wieder werden fragwürdige Werbebotschaften konstruiert, nur um die Blicke auf sich zu ziehen. Michael Straberger ist Präsident des Österreichischen Werberates. Er kennt die skurrilsten Werbefälle und erklärt im Interview mit wirtschaft.tirol, was in der Werbung vertretbar ist und was nicht.

INTERVIEW

Ganz grundsätzlich zur Erklärung: Was ist der Werberat?

Der Werberat ist ein unabhängiges Vereinsorgan. Wir wollen nichts zensurieren, verhindern oder verbieten. Wenn sich jemand durch eine Werbemaßnahme unangenehm berührt fühlt, dann kann er per E-Mail oder Telefon Beschwerde einbringen. Die Beschwerde wird dann innerhalb von sechs Tagen durch ein Gremium von über 200 Fachleuten beurteilt. Das Ergebnis kann unterschiedlich ausfallen: keine Einschreitung, eine Sensibilisierung bei der nächsten Werbemaßnahme oder sogar ein Werbestopp.

Aus Ihren Erfahrungen, was geht bei Konsumenten in Punkto Werbung gar nicht?

Die größte Zahl der Beschwerden gibt es bezüglich Geschlechterdiskriminierung. Zum Beispiel Sexismus, bei dem Frauen und/oder Männer in einer sexualisierten Darstellung ohne Zusammenhang zum Produkt dargestellt werden. Aber auch Stereotypen, wie Frauen am Herd, beim Putzen und vor allem Gewalt – das wird sofort gestoppt.

Muss Werbung provozieren um gut zu sein?

Werbung muss auffallen. Sie kann auch provozieren, sie muss auf jeden Fall ungewöhnliche Effekte haben. Aber man muss gut aufpassen, dass Menschen nicht unangenehm berührt werden. Heute sehen Kunden Werbung viel kritischer als noch vor fünf Jahren.

Sind die Menschen einfach sensibler geworden?

Es ist so, dass die Sensibilisierung zum Beispiel im Hinblick auf Magermodels, überzogene Bildbearbeitung oder gesundheitsgefährdende Retuschen in der heutigen Zeit einfach nicht mehr tragbar sind. Genauso will man sexualisierte Darstellungen, eigentlich nicht sehen.

Würde die Wirtschaft ohne Werbung funktionieren?

Niemals! Gute Werbung hat einen Kommunikationseffekt und Kunden sprechen darüber. Sie ist aus dem wirtschaftlichen Blickwinkel nicht wegzudenken. Wirtschaftswerbung unterhält nicht nur, sondern ist für die Information der Konsumenten unerlässlich. Werbung ist der Wirtschaftsmotor.

» Nähere Informationen: www.werberat.at

Bild oben: Fachgruppen-Geschäftsführer Kurt Lorbek (l.) und FG-Obmann Stellvertreter Thomas Pichler (r.) holten sich bei Michael Straberger, Präsident des Österreichischen Werberates, informativen Input.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!