Holzprofi Theurl: Krise wurde zur großen Chance

Die Krisenjahre stellten auch die Brüder Theurl GmbH vor extreme Herausforderungen. Heute ist die Welt für die Holzprofis aus Osttirol größer denn je. „Wir sind gestärkt aus der schwierigen Zeit heraus gekommen“, sagt Stefan Theurl.

„Es braucht ein gewisses unternehmerisches Bauchgefühl. Das zeichnet unsere beiden Geschäftsführer aus. Das macht ihnen so schnell keiner nach“, zieht Elisabeth Kreuzer, Assistentin der Geschäftsführung in der Brüder Theurl GmbH im Osttiroler Assling, verbal den Hut. Was sie damit anspricht, mag im Allgemeinen die oft entscheidende Essenz einer erfolgreichen Unternehmensführung sein, in diesem ganz speziellen Fall ist es aber die Entwicklung des Unternehmens in den vergangenen 10 Jahren, die Kreuzer anspricht. Für den Holzriesen war dieses Jahrzehnt gespickt mit unternehmerischen Höhen und Tiefen, was die Tatsache, dass das Unternehmen heute stabiler dasteht, als je zuvor, nicht nur sehenswert macht, sondern die Hintergründe auch berichtenswert.

Kirse brachte extremen Preisverfall

„Nachdem das zweite Werk in Betrieb gegangen ist, ist mit der Wirtschaftskrise ein extremer Preisverfall gekommen. Das war schon eine sehr harte Zeit“, sagt Stefan Theurl, der gemeinsam mit seinem Cousin Hannes Theurl die Geschäfte des gleichnamigen Familienunternehmens führt. Mit diesem zweiten Werk, dem Brettschichtholzwerk, hatten sie in ihre über die Jahre gewachsene Überzeugung investiert, dass die Weiterverarbeitung des Rohstoffes Holz ein zukunftsträchtiges Standbein darstellt. Ein für den nachhaltigen Erfolg entscheidendes.

2006 wurde das BSH-Werk in Betrieb genommen, das Sägewerk war bereits zu einem der modernsten in Europa ausgebaut worden, die Hochkonjunktur hatte Steigerungsraten im zweistelligen Prozentbereich gebracht – und dann kam die Krise. In der Holzbranche setzte sie schon 2007 ein und für die Brüder Theurl GmbH zeigte sie ihre scharfen Zähne nicht nur im extremen Preisverfall, sondern auch dadurch, dass mit Italien das wichtigste Exportland regelrecht einknickte. „Vor 10 Jahren waren wir noch zu 95 Prozent italienlastig“, hält Hannes Theurl fest. Die Herausforderung war klar: Neue Märkte mussten her. Das schreibt sich leicht, doch hinter dem Umstand, dass die Welt für das Unternehmen zwischenzeitlich richtig groß geworden ist, steckt viel Arbeit. So schwere wie spannende.

Neue Märkte finden

Intensive Recherche stand am Anfang dieses plötzlich notwendig gewordenen Aufbaus neuer Märkte. „Es ging darum, welche Sortimente mit den Anlagen produziert werden können, was wirtschaftlich von der Produktion her Sinn macht und wo es sichere Märkte gibt“, weiß Elisabeth Kreuzer. Länder bzw. Regionen, in denen der Rohstoff Holz Mangelware ist – in Nordafrika etwa, dem arabischen Raum oder Asien – wurden ins Visier genommen. Mit Hilfe spezialisierter Agenturen, die mit diesen Ländern zusammen arbeiten und die ökonomischen wie kulturellen Feinheiten kennen, konnten Kunden gefunden werden.

„Dann hieß es, in Vorleistung zu gehen“, umschreibt Kreuzer den nächsten Schritt des vorsichtigen Herantastens. Die speziellen Anforderungen der Kunden und die Frage, wie diese in Assling erfüllt werden können, galt es herauszufinden und zu beantworten. Die Vorleistung bestand darin, mit Probelieferungen nicht nur einen Fuß in die Tür zu bekommen, sondern auch die Zusammenarbeit mit den Firmen zu testen, die Strukturen der Geschäftsprozesse kennen zu lernen und abzuklären, ob die Konditionen passen. „Man nähert sich Schritt für Schritt an und muss mit viel persönlichem Einsatz langfristige Geschäftsbeziehungen aufbauen“, weiß die Assistentin der Geschäftsführung und sie weiß auch: „Das ist gelungen.“

Zwar ist Italien nach wie vor das wichtigste Exportland für die Produkte der Theurl-Gruppe, doch ist die Marktverteilung mit Geschäftspartnern in den Ländern der Levante (arabischer Raum, Nordafrika) sowie in Korea oder Pakistan eine gänzlich andere geworden. „Für die Stabilität des Unternehmens ist das wichtig. Es war aber auch notwendig, um wachsen zu können“, so Kreuzer

Spannungsfelder im Auge behalten

In die „neuen Länder“ liefert die Theurl-Gruppe über die Mittelmeerhäfen Koper und Triest hauptsächlich Schnittholzprodukte, die vor allem am Bau gefragt sind. Die weiterverarbeiteten, hochwertigen Produkte finden ihre Abnehmer zum Großteil am Heimatmarkt und das Spannungsfeld zwischen „der großen“ und „der kleineren“ Welt ist die Arena, in der es für das Unternehmen gilt, Mengen richtig zu platzieren, Kapazitäten auszuloten und dabei die Rohstoffversorgung so langfristig wie geschickt im Auge zu behalten.

„Entscheidend ist einerseits das Knowhow in der Produktion und andererseits das Wissen darum, was man liefern kann und dass es auch Grenzen gibt. Was auf diesen neuen Märkten sehr geschätzt wird, ist die gute persönliche Zusammenarbeit und das stabile Qualitätsverständnis“, so Kreuzer. Daraus, dass weiterhin neue Märkte angestrebt werden, macht sie keinen Hehl, sagt auf neugierige geografische Nachfrage aber: „Die behalten wir für uns.“

Fix ist, dass es lebendig bleibt für die Holzprofis aus Osttirol und fix ist auch, dass die Krisenjahre das Unternehmen geschärft haben. So hält Stefan Theurl fest: „Wir haben in den Jahren viel gelernt, die Firma sehr optimiert und wir sind gestärkt aus der schwierigen Zeit heraus gekommen.“

Tirols bestes Familienunternehmen
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!