„Lebenslanges Lernen ist Pflicht, nicht Kür“

Bis zu 50 Prozent der heutigen Berufe wird es durch Strukturwandel und technischen Fortschritt in 20 Jahren nicht mehr geben, sagen Experten. Trotzdem ist lebenslanges Lernen in Österreich noch lange nicht Usus. WIFI-Kurator Markus Raml analysiert den Handlungsbedarf.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Sie haben bereits bei mehreren Anlässen die Förderung des lebenslangen Lernens als wesentliches Ziel definiert. Wo hapert’s?

Raml: Lebenslanges Lernen ist Pflicht, nicht Kür. Dies in den Köpfen zu verankern, ist ein Prozess, bei dem wir erst am Anfang stehen. Laut Strukturindikator liegt die Weiterbildungsbeteiligung in Österreich derzeit nicht einmal bei 15 Prozent. Zielquote bis 2020 sind 20 Prozent.

Was sind die Hürden?

Erstens die mangelnde Bildungsdurchlässigkeit, die es etwa Lehrabsolventen erschwert, weiterführende Ausbildungen zu absolvieren. Hier gibt es schon vielversprechende Lösungen wie Universitätslehrgänge auch für Personen ohne Matura oder Berufsakademien, die jedenfalls weiter ausgebaut werden müssen. Zweitens wünschen sich – wie eine aktuelle Erhebung zeigt – Weiterbildungswillige und Betriebe mehr und auch einheitlichere Förderungen, die es erleichtern, Beruf und Weiterbildung zu verbinden.

Das sind Rahmenbedingungen, die die Politik schaffen muss. Was können Sie als WIFI tun?

Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass Erwachsene Kompetenzen am besten mit beruflichen Fallbeispielen und selbst erarbeiteten Lösungen für das eigene Umfeld aufbauen. Daher wahren wir im WIFI den Grundsatz „Aus der Praxis für die Praxis” mit erfahrenen und kompetenten Trainern, die nach unserem Lernmodell LENA unseren Teilnehmern als Lernbegleiter zur Seite stehen. Und mit dem WIFI Unternehmerservice sind wir direkt am Puls der Zeit und können dort Bildungsangebote platzieren, wo gerade wichtige Themenbereiche entstehen, Stichwort neue Technologien.

Wie stehen Österreichs Betriebe in puncto Weiterbildung im internationalen Vergleich da?

Sehr gut! Was die betriebliche Ebene betrifft, sind wir beim lebenslangen Lernen europaweit im Spitzenfeld: 71 Prozent der Unternehmen bieten Weiterbildungskurse an, was deutlich über dem EU-15-Schnitt liegt und den sechsten Platz im Länderranking ausmacht. Wie eine Makam-Studie ergab, investieren Österreichs Betriebe verstärkt in Weiterbildung, um die eigene Konkurrenzfähigkeit zu steigern und sich für den nächsten Wirtschaftsaufschwung zu rüsten. Das macht durchaus Sinn: Immerhin hängen laut Experten 40 Prozent des Erfolgs eines Unternehmens an der Personalarbeit. Eine Schweizer Führungskräfte-Studie ergab sogar, dass man mit Weiterbildung pro Jahr eine Rendite von 12,6 Prozent erwirtschaften kann.

Ihre Forderungen an die Politik?

Generell brauchen wir taugliche Anreizsysteme. Wichtige Begleitmaßnahmen wären die überfällige Einführung eines bundesweit einheitlichen Bildungskontos, aber auch die Wiedereinführung des Bildungsfreibetrags bzw. einer Bildungsprämie für Unternehmen.

 

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