Digitale Müllabfuhr: Die smarte Entsorgung hat längst begonnen

wirtschaft.tirol REPORTAGE

In den „digitalisierten“ DAKA-Gemeinden wird nur für den Müll bezahlt, der wirklich anfällt. „Die direkte Kommunikation mit der Mülltonne ist der nächste Schritt“, weiß DAKA-Prokurist Martin Klingler.

Der Vergleich macht sie sicher. So alt der Siemens-Werbeslogan auch sein mag, so treffend bleibt er – für viele Situationen und auch für den Müll. Den Müll im digitalen Zeitalter, um genau zu sein. Wird Abfall nämlich smart „behandelt“ sind die Auswirkungen enorm. Intelligente Systeme machen vor keinem Bereich des Alltagslebens halt. Und sie zeigen in ihren best-practice-Beispielen, welche Möglichkeiten sich da auftun. In jenen Gemeinden etwa, für deren Abfallentsorgung das Schwazer Unternehmen DAKA verantwortlich zeichnet.

Relativ spät ist das Unternehmen „in die Müllabfuhr“ eingestiegen. „Das war zu Beginn der 2000er Jahre und wenn man spät einsteigt und besetzte Märkte hat, dann muss man etwas machen, was andere nicht machen“, erklärt Prokurist Martin Klingler. Das Etwas, von dem er spricht, betrifft das spezielle Verwiege-System, mit dem die Müllsammelfahrzeuge des Unternehmens ausgerüstet sind.

Auf der anderen Seite sind die Mülltonnen der einzelnen Haushalte mit einem Chip ausgestattet und wenn nun das Müllauto kommt und die Tonne leert, kann exakt erfasst werden, wie viel Müll der Haushalt verursacht hat. „Diese Daten werden direkt an die Gemeinden übermittelt, wo am Quartalsende nur noch auf die Enter-Taste gedrückt werden muss, um die Rechnung des einzelnen Bürgers zu erstellen“, erklärt Klingler die simple Verwaltung. Bezahlt wird nur, was in der Tonne gelandet ist, wobei die Müll-App, die rechtzeitig übers Smartphone daran erinnert, die Tonne rauszustellen, ein praktisches digitales Zuckerl ist.

30 Prozent weniger Restmüll

Die verursachergerechte Erfassung und Abrechnung hat nicht nur den Vorteil der Gerechtigkeit, sondern wirkt sich auch direkt auf das Abfall-Verhalten der einzelnen Bürger aus. Müll-Trennung ist in dem Zusammenhang das Stichwort. Die Entsorgung von einer Tonne Restmüll kostet zwischen drei und viermal mehr als beispielsweise die Entsorgung einer Tonne Biomüll. Der Unterschied ist groß und animiert im Bewusstsein, dass sich dies am Ende nicht nur für die Umwelt bezahlt macht, durchaus dazu, Müll exakt zu trennen. „Wer sauber trennt, verursacht bis zu 30 Prozent weniger Restmüll und muss dementsprechend weniger Restmüllgebühr zahlen“, so Klingler.

In den 56 Tiroler Gemeinden, in denen jede Art Müll verwogen wird, zeigt sich, wie das digitale System zur Bewusstseinsbildung beigetragen hat. So wurden in der von DAKA „entsorgten“ Gemeinde Münster im Jahr 2014 beispielsweise 69,04 Tonnen Restmüll pro Einwohner registriert. Im Vergleich dazu sind in der Marktgemeinde Jenbach, wo kein verursachergerechtes Gebührensystem Anwendung findet, 113,77 Tonnen Restmüll pro Einwohner (ohne GE Jenbacher) angefallen.

Dieser Vergleich ist es, der sicher macht, dass Digitalisierung wirkt – auch in der Abfallwirtschaft. Dabei ist das erst die Spitze des Eisbergs. „Da kommt in naher Zukunft noch Vieles“, denkt Klingler etwa an die Mülltonne, die meldet, wenn sie voll respektive zu entleeren ist. Denkt er noch weiter und noch größer, dann landet er unweigerlich bei der Rohstoffbewirtschaftung, die der logische Schluss des von der EU eingeschlagenen Weges der „Circular Economy“ ist.

Ressourcenfrage neu denken

„Das so genannte Circular Economy-Paket der EU ist vorbildlich. Europa ist wahrscheinlich der einzige Kontinent, der sich um die Frage kümmert, wo wir mit der Ressourcenentwicklung hingehen“, sagt Klingler. Hintergrund dieser angestrebten Kreislaufwirtschaft sind die angesichts des Bevölkerungswachstums weltweit knapper werdenden oder gar zur Neige gehenden Ressourcen. Klingler: „Wir müssen das ganze Thema neu denken. Da geht es um Produktion und Konsumation und darum, wie wir vom Abfall zur Ressource kommen.“

Vom Abfall zur Ressource. Das ist das Ziel, das die Europäische Kommission verfolgt, wobei sie von knackigen Zahlen unterstützt wird. Im Jahr 2014 haben die EU-28 1.534 Millionen Tonnen so genannte Roh-Materialien aus dem Rest der Welt importiert. Dazu zählen etwa Biomasse, fossile Energieträger, Metalle oder nicht-metallische Mineralien. Der Export betrug im gleichen Zeitraum lediglich 640 Millionen Tonnen, was nicht nur den hohen Verbrauch der Europäer sondern auch ihre Import-Abhängigkeit unterstreicht.

Ziel der Circular Economy ist es, die Wertschöpfung, die auf etwa 600 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt wird, in Europa zu halten respektive zu behalten. Darin, den gesamten Kreislauf neu zu denken, stecken gigantische Chancen und Martin Klingler hält fest: „Es geht um 170.000 neue Jobs in der Recyclingwirtschaft in Europa bis 2035.“

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