Kalte Progression: Keine lauwarmen Lösungen

Die Abschaffung der kalten Progression war längst versprochen. Stattdessen sollen halbherzige Modelle kommen. WK-Präsident Jürgen Bodenseer fordert eine faire Lösung für die Arbeitnehmer. Ein Nachbarland könnte mit seinem Erfolgsmodell Pate stehen.

Die kalte Progression klingt kompliziert – ist aber ein ganz simpler und unfairer Steuertrick. Sie entsteht dadurch, dass zwar die Löhne alljährlich an die Inflation angepasst werden – aber der Staat ungeniert zur Steuerkassa bittet, weil die Steuerstufen nicht um diese laufende Geldentwertung korrigiert werden. Anders gesprochen: Die Steuerzahler verdienen zwar real nicht mehr, müssen aber ständig mehr an den Fiskus abliefern.

Falsche Entwicklung

Ein Beispiel: Ein Arbeitnehmer mit einem Verdienst von 30.000 Euro brutto jährlich zahlt derzeit rund 2530 Euro an Lohnsteuer. Wird sein Lohn laufend um die Inflation angehoben, zahlt er in fünf Jahren um fast 700 Euro mehr Steuer als heute – obwohl er sich von seinem Lohn nicht mehr kaufen kann als heute. „Das ist genau die falsche Entwicklung: Österreich ist bereits jetzt ein Hochsteuerland und dreht durch die kalte Progression weiter an der Steuerschraube“, kritisiert WK-Präsident Jürgen Bodenseer.

Die Bundespolitik hat versprochen, diese Aufwärtsspirale abzustellen, aber offenbar ist die Versuchung, auf diese Weise zusätzliche Milliarden ins Budget zu spülen, zu groß. Beide Koalitionsparteien haben Modelle vorgelegt – die sich darin ähneln, dass die Tarife erst korrigiert werden, wenn die Inflation fünf Prozent erreicht hat. Die SPÖ will zudem die Situation nutzen, um weitere Umverteilung zu betreiben.

Bis die Modelle greifen, würde der Staat weiter zulangen: 2,8 Milliarden alleine in den nächsten drei Jahren, wie die Innsbrucker Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung berechnet hat.

Die WK verlangt, die Ankündigungen ohne weitere Tricks umzusetzen und einen Schlussstrich unter die kalte Progression zu setzen. Etwa mit dem Schweizer Modell, bei dem die Steuerstufen automatisch an die Inflation angepasst werden. Ohne politische Dauerdiskussionen und ohne doppelten Boden. „Das ist fair und orientiert sich an den realen Einkommen – das Einzige, was für die Bürger wirklich zählt. Es wird Zeit, dass auch in Österreich diesem Einkommensfresser der Garaus gemacht wird“, so Jürgen Bodenseer.

» Mehr Details dazu bei der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftsforschung (GAW)

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