Wieshofermühle: Die Kunst des Mahlens

In sechster Generation wird in der Wieshofermühle heimisches Korn zu Mehl und Futtermittel verarbeitet. Um bestehen zu können, setzt der St. Johanner Familienbetrieb auf Produkt- und Service-Qualität sowie Nischenmärkte.

„Mahlen, sieben, mahlen, sieben. Das Korn in seine Bestandteile zerlegen. Das ist eigentlich der Hauptprozess der Müllerei”, sagt Lukas Krainz. Die Walzenstühle in der Wieshofermühle in St. Johann mahlen auf Hochtouren – unter den gestrengen Augen des Chefs. Doch was aus dem Mund des Experten einfach klingen mag, erfordert viel Know-how, Erfahrung und vor allem Passion. Diese wurde Lukas und seiner Schwerster Caroline schon in die Wiege gelegt. Sie führen den Betrieb nach dem Tod ihres Vaters in sechster Generation. „Unser Vater war ein begnadeter Müller. Auch wir Kinder tragen dieses Mühlenvirus in uns”, sagen die beiden, die ihre Kindheit und Jugend im Betrieb verbracht haben, mit einem Lächeln.

Tradition und Innovation

Seit dem 13. Jahrhundert wird am Oberhofenweg 2 in St. Johann in Tirol Mehl gemahlen. Seit 1857 von der Familie Wieshofer, heute Krainz. „Im Mühlenbetrieb verarbeiten wir Weizen und Roggen zu Mehl, Vollkornprodukten, Kleie, Weizenkeimen und sonstigen Nebenerzeugnissen”, erklärt Lukas Krainz, während er ein Stockwerk höher in den Sichterboden führt (hier wird das Korn gesiebt), der zusammen mit dem Walzenboden das Herzstück der Mühle bildet.

Mehr als 200 Siebe sorgen dafür, dass die richtigen Bestandteile zur richtigen Zeit an den richtigen Platz kommen. „Nur ein vertauschtes Sieb wäre eine Katastrophe”, weiß der Profi, der die Mühlenproduktion in Eigenregie führt.

Im Mischfutterwerk werden verschiedenste Produkte für Nutztiere erzeugt, von Hühnern, über Rinder, Schweine und Pferde bis hin zu Wild. Die Produkte beider Sparten werden mit dem eigenen Fuhrpark geliefert, oder direkt im kleinen Mühlenladen in St. Johann abgeholt. „Rund 10.000 Tonnen Getreide verarbeiten wir im Jahr. Das Korn für die Mühle kommt ausschließlich aus Österreich, vorwiegend aus Niederösterreich. Der Kundenkreis reicht von Dornbirn bis ins Salzburger Pinzgau. Geliefert wird an größere Produktionsbetriebe bis hin zu kleinen, privaten Bäckern.”

Wieshofermühle

In sechster Generation verarbeiten Lukas und Caroline Krainz in der Wieshofermühle in St. Johann Korn zu Mehl und Futtermittel. Foto: Wieshofermühle/Hannes Dabernig

Qualität und Know-how zählen auch beim Mehl

Um am Markt bestehen zu können, setzt das Familienunternehmen auf hohe Produkt- und Servicequalität. Ein Beispiel hierfür sind die Sondermischungen für Landwirte, die individuell zusammengestellt und zu flexiblen Zeiten frei Stall geliefert werden.

Aber auch beim Mehl zählen Qualität und Know-how. „Wir verwenden zu einem guten Drittel unbehandelte Mehle. Mit modernen Untersuchungsmethoden, hoher Transparenz und gescheiten Weizenmischungen kann der Bäcker auf Zusätze verzichten. Für mich als Müller geht darum, die Schwächen des einen Weizens mit den Stärken des anderen auszugleichen und so eine konstante Qualität zu garantieren”, sagt der 32-jährige Tiroler Jungunternehmer. Deshalb sei ein transparentes, langjähriges Netz an Lieferanten auch so wichtig.

Das Mehl wird auf fünf Etagen und insgesamt 800 Quadratmetern Fläche produziert. Von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr am Abend laufen die Maschinen – ausgestattet mit moderner Überwachung. „Störmeldungen bekomme ich direkt aufs Handy. Wenn das passiert, werde ich meistens dreckig”, erzählt Krainz mit breitem Grinsen.

So wenig Chemie wie möglich

Die Kombination von Tradition und Moderne spiegelt sich aber nicht nur im Maschinenpark und den Gebäuden wider, sondern auch in der Philosophie des jungen Müllers. „Die große Herausforderung besteht darin, aus einem Naturprodukt, mit so wenig Chemie wie möglich, das Beste und Geschmackvollste herauszuholen.” An seinem Beruf liebt er die Abwechslung, das Tüfteln und Experimentieren. „Ohne Leidenschaft für dieses Handwerk geht es nicht. Denn wer in der heutigen Zeit mit einer Mühle viel Geld verdienen will, muss die Branche wechseln”, sagt Krainz nüchtern.

Die stark schwankenden Getreidepreise und Spekulationen erschweren es kleinen und mittleren Mühlen zunehmend, am Markt zu bestehen. „Doch wer das Mühlenvirus in sich trägt, der kann nicht anders”, meint Krainz und blickt lächelnd auf die Walzenstühle, die unbeirrt weiterlärmen und das Korn in seine Bestandteile zerlegen.

» Mehr Informationen über den Betrieb und seine Produkte erfahren Sie auf der Homepage der Wieshofermühle.

 

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