Elektromobilität: Tiroler stehen “noch” zu wenig unter Strom

wirtschaft.tirol REPORTAGE

Noch stehen die Tiroler Konsumenten in puncto Elektromobilität auf der Bremse. Doch Steuervorteile, Gratisparken, Zwänge und Innovationen ebnen mehr und mehr den Weg zum CO2-freien Fahren.

Tiefgaragenbetreiber tun es. M-Preis tut es immer öfter. Auch Hotels bieten Ladestationen für Elektroautos an und jüngst eröffnete das „e-mobile“ Pionierunternehmen Tesla im Alphotel die ersten Supercharger in Innsbruck. „Man merkt schon, dass da viel mehr drive hinein kommt“, stellt Dieter Unterberger, Sprecher des Tiroler Fahrzeughandels, fest.

Drive in Sachen Elektromobilität, die für Gerald Windisch so etwas wie eine Herzensangelegenheit ist. Darum hat der Gründer von Pizzacall Innsbruck beim flotten Liefern heißer Speisen von Anfang an auf Elektro-Scooter gesetzt. Und darum ist Windisch eines von acht Mitgliedern der Task Force „Elektromobilität“ der Sparte Information & Consulting der WK Tirol. „Unser Ziel ist die Konstruktion einer Plattform, die versuchen soll, die Elektromobilität in Tirol ein großes Stück weiter zu bringen. Dafür ist wichtig, dass alle zusammenspielen – Wirtschaft, Politik, öffentliche Hand und Energieversorgungsunternehmen. Die E-Mobilität wird kommen. Man muss jetzt dabei sein“, regt Windisch zu schnellem Denken wie Handeln an und hält fest: „Vieles ist noch offen, vieles ist noch nicht reif. Aber die Zeit ist reif, dass man sich massiv damit beschäftigt.“

Grundlegende Veränderung am Automobilmarkt

Der schnelle Takt, den Windisch da anschlägt, ist nur schwer mit der Zurückhaltung der Konsumenten in Einklang zu bringen. 2015 waren gerade mal 5.032 Elektroautos in Österreich angemeldet. Der Umstieg vom gewohnten Verbrennungsmotor zur elektrischen Antriebstechnologie bedeutet mehr als der Wechsel vom Zapfhahn zum Stromstecker. „Der Markt ist generell ein bisschen unbeweglich, wenn es um so einschneidende Neuerungen geht. Auf der anderen Seite sind unabhängig vom Umweltgedanken Vorteile da, die für die Elektromobilität sprechen. Langsam beginnen sie in den Markt durchzusickern. Das merkt man derzeit deutlich“, weiß Unterberger.

Die Vorteile, von denen er spricht, gibt es teils seit 1. Jänner 2016. Seither können elektrisch betriebene Firmenautos voll von der Vorsteuer abgesetzt werden und sie sind von Sachbezugsregeln befreit. Da die motorbezogene Versicherungssteuer nur für Verbrennungsmotoren gilt, fällt auch diese weg und in der Tiroler Landeshauptstadt kommt hinzu, dass Elektroautos respektive deren Besitzer seit kurzem wieder gratis parken dürfen.

Auch wegen der IG-Luft-Einschränkungen scheint Tirol prädestiniert für Fahrzeuge ohne CO2-Ausstoß zu sein und Dieter Unterberger meint: „Wir haben ein paar Ballungsräume, die dicht besiedelt sind und das spricht immer für Elektromobilität. Ich glaube auch, dass Tirol ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein hat und es ein ehrliches Anliegen ist, dass man in diese Richtung etwas macht.“

Innovative Entwicklungen bei Elektroautos

Für die Alltagstauglichkeit sind in dem Zusammenhang noch einige Hürden zu nehmen. Sowohl im Bezug auf die Infrastruktur bzw. die Ladestationen, wo der Gesetzgeber Vollgas geben muss, als auch im Bezug auf Produktsubstanz und Innovationen, wo es an den Herstellern liegt, die Entwicklungen voran zu treiben. Die Akku-Kapazitäten und damit die Reichweiten wurden zwar laufend verbessert, das Fahrverhalten der Elektroautos wird längst gelobt und der teils herausragende Wirkungsgrad der Motoren ist physikalisch erwiesen, doch in absehbarer Zeit darf ein echter Quantensprung erwartet werden.

elektroauto

Auch wenn vieles noch offen und nicht reif ist: Es ist an der Zeit, dass man sich massiv mit dem Thema Elektromobilität beschäftigt. Foto: Panthermedia

Die EU-Kommission hat den Automobil-Herstellern bis 2020 einen Flottenverbrauch von 95 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer vorgeschrieben. Der Flottenverbrauch ist der durchschnittliche Kraftstoffverbrauch der verkauften Autos eines Herstellers und die Vorgaben sind auch vor dem Hintergrund der neuen Testzyklen für die CO2-Emissionen enorm.

„Diese Werte können nur erreicht werden, wenn man auf Fahrzeuge mit null Emissionen setzt. Mit reinen Verbrennungsmotoren wird das nicht möglich sein. 2020 steht vor der Haustür und das zwingt die Hersteller, mit voller Energie darauf hin zu arbeiten, dass sie das schaffen. Für sie ist es keine Frage des Wollens, auch keine Strategiefrage – nein – sie müssen es machen“, erklärt Unterberger. Vor dem Hintergrund dieses Zwangs, der innovativen Entwicklungen, der steuerlichen Vorteile und des steigenden Bewusstseins der Konsumenten gegenüber der Elektromobilität sagt er: „Alle Pfeile zeigen in diese Richtung.“

 

Vorreiter Norwegen
Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!