„Was wir von Obama, Hillary & Co lernen können“

„Veränderung ist die Grundlage für jeden Fortschritt. Die Kraft dafür liegt in jedem von uns. Die Macht der Kommunikation und der Person sind die am meisten unterschätzten Führungsinstrumente in der heutigen Zeit“, verriet Kerstin Plehwe in einem Vortrag der Jungen Wirtschaft. wirtschaft.tirol hat die Wahlkampfexpertin zu einem Interview getroffen.

INTERVIEW

wirtschaft.tirol: Frau Plehwe, was haben Unternehmer und Politiker gemeinsam?

Kerstin Plehwe: Alle wollen überzeugen, egal ob es der Gang zur Urne ist oder der Produktverkauf. Aber das Vertrauen in die Wirtschaft ist teilweise verloren gegangen, deshalb haben es Unternehmer wie Politiker nicht leicht.

Auffallen, gesehen werden, glaubhaft sein: Was sind die wesentlichen Schritte, die zum Erfolg führen?

Das Wort „Inszenierung“ ist immer etwas negativ behaftet. „Sich selber darstellen“ wirkt gleich viel besser. Aber ganz wertfrei: Sich selbst darzustellen ist wichtiger denn je, denn der Mensch ist immer noch das Glaubwürdigste in unserer Gesellschaft. Und das muss in einer glaubwürdigen Art und Weise dargestellt werden. Es braucht eine andere Art zu kommunizieren: eine andere Wortwahl, eine andere Dichte an Informationen, mehr Überzeugungskraft und auch mehr Mut unangenehme Dinge und Wahrheiten zu formulieren.

Yes, we can: Ist dieses Level der Begeisterung wie in Amerika bei uns überhaupt möglich?

Die Grundlage liegt im unerschütterlichen Glauben an das eigene Produkt. Storytelling ist das Um und Auf, denn Geschichten begeistern die Herzen der Menschen. Und demnach handeln sie auch. Kombiniert mit kommunikativem Gespür und Karisma wäre dies dann eine überzeugende Mischung.

In Amerika zählt das Scheitern eines Unternehmens als Erfahrungswert. Sollen Jungunternehmer einfach mehr probieren?

Egal was wir machen: die Chancen, dass es funktioniert oder nicht sind gleich. Und hinter jedem Erfolg stehen hunderte Misserfolge. Der Unterschied zu Amerika ist, dass die Amerikaner über ihre Misserfolge reden. Wir Europäer empfinden das Scheitern als Schwäche. Denn Fehler macht jede Nation. Nur der produktive Umgang damit heißt auch aus Fehlern zu lernen. Fehler sind die ideale Chance besser zu werden. Ich kann nur jedem Jungunternehmer raten, installiert eine Fehlerkultur in eurem Unternehmen, wo ihr auch als Chefs gefordert werdet. Denn Veränderungsbereitschaft zu zeigen, heißt auch kritikfähig zu sein.

In Zeiten von Social Media & Co.: Wie sollen Jungunternehmer mit Krisen umgehen?

Krisenkommunikation ist heute eines der schwierigsten Themen für Unternehmen. Professionelles Krisenmanagement beginnt schon in Nicht-Krisenzeiten. In ruhigen Zeiten sollte man sich schon auf Krisen vorbereiten und überlegen, was ich im Fall des Falles tue. Wie sieht die Unternehmenskommunikation aus und wer betreut den Social Media Bereich. Nestlé hat nach dem Palmölskandal drei Tage gebraucht um eine Pressemeldung rauszukriegen – ein riesen Schaden an Geld, Image und Vertrauen. Krise ist fast jeden Tag irgendwo irgendwie. Meistens kriegen wir es halt nicht mit. Da können wir viel von der Politik lernen, denn bei Wahlkämpfen haben wir jeden Tag eine Krise.

Welche Tipps geben Sie Jungunternehmern?

Mut zu haben und sich nicht zu sehr von Ratschlägen leiten lassen. Obama war unter anderem so erfolgreich, weil er nicht auf seine Berater gehört hat. Oft keine Krawatte, kein Jackett, auf Augenhöhe mit den Menschen und aktiv dabei. Insofern kann ich nur raten, im Zweifel auch stärker auf die eigene Intuition zu hören und hier sauber abzuwägen. Denn Fakt ist: Kein Experte der Welt hat vermutet, dass Barack Obama Präsident der USA wird. Wir leben in einer Welt, die nicht vorhersehbar ist. Deswegen ist die Emotionalisierung von einem Produkt und der Glaube an die Sinnhaftigkeit daran viel stärker. Jungunternehmer sind hier viel näher am Puls der Zeit. Ich nenne es das „David-Zeitalter“. Die Davids können heute locker gegen die Goliaths kämpfen. Einfacher wird das natürlich gerade wegen Socialmedia, neuen Innovationen, frischen Mitarbeiterstrukturen und Unternehmenskulturen. Deshalb ist jetzt die beste Zeit für Jungunternehmer!


Kerstin Plehwe ist Top-Beraterin in Poltik und Wirtschaft, Rangerin und Keynote-Speakerin. Sie steht für neues unternehmerisches Denken, Mut zur Differenzierung und dem kommunikativem Einerlei.

 

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