Stimmungstief schadet Zukunft der Hotellerie

Die Regelung der Betriebsnachfolge und notwendige Investitionen werden für Hotelliers immer mehr zu Spießrutenläufen. Die Hotellerie in Tirol fordert eine Trendwende: „Wir wollen klare Signale, sonst könnte sich in Zukunft die Hotel-Landschaft komplett verändern“, so Siegfried Egger.

Die Zahlen wirken, als würde ein kleiner Teufel an die Wand gemalt. Anfang Juni 2016 machte das österreichische Beratungsunternehmen Prodinger darauf aufmerksam, dass von den knapp 5100 Tiroler Tourismusunternehmen, die in den nächsten zehn Jahren zur Übergabe anstehen, nur die Hälfte von einem familieninternen Nachfolger weitergeführt wird.

Die andere Hälfte, so Prodinger, werde extern vergeben – durch Firmenverkauf (45 Prozent), Management-Buyout (17 Prozent) sowie durch Vermietung oder Verpachtung. Der Teufel nun, der damit an die Wand gemalt wird, trifft die Struktur der heimischen Gastgeber ins Herz. Ins Familienherz, um genau zu sein – jenes also, das die Branche vom Entstehen zum Bestehen gebracht und die Landschaft nachhaltig geprägt hat.

Tiroler Hotellerie attraktiv für Konzerne

„Wenn es sich so weiter entwickelt mit dem Investitionsstau und den Übernahmen, dann wird sich die Hotellerielandschaft in Zukunft komplett verändern“, stellt Hotellerie-Obmann Siegfried Egger fest. Konzerne und ausländische Investoren erkennen immer öfter, dass Tirol ein Rendite versprechender Tourismus-Standort ist.

Warum das für die „traditionelle“ heimische Hotellerie ein Damoklesschwert darstellen kann, erklärt Egger wie folgt: „Konzernhotellerie ist meistens ganz anders finanziert und hat einen anderen Hintergrund. Sie können sich, sollte das Haus keine guten Zahlen schreiben, rasch zurückziehen.“ Zwischen Querfinanzierung und Refinanzierung mit Rückzahlungszeiträumen von zehn bis 30 Jahren liegt eine Kluft, in der Gefahren lauern: „Die denken nicht so weit in die Zukunft, wie wir das müssen.“ Und sie gehen möglicherweise auch anders mit den Standort- bzw. Saison-Tücken um, die sich vor allem in den Tälern dadurch auszeichnen, dass in nur sechs bis acht Monaten jene Einnahmen erzielt werden müssen, um zwölf Monate zu finanzieren.

Hürden fordern gute Nerven und viel Leidenschaft

Die Branche ist heikel und spezifisch. Der Unternehmer muss neben Gastgeber auch bürokratiegewappneter Manager und gewiefter Werbefachmann sein. Abschreibungszeiträume für Immobilieninvestitionen von 40 Jahren hemmen die Dynamik, der Bürokratieaufwand frisst Zeit, Geld wie Nerven, die Betriebsanlagenüberprüfungen im Zuge von Übergaben sind so aufwändig wie teuer und die Entscheidung, das familiäre Unternehmen weiterzuführen, erfordert teils ein gerüttelt Maß an Leidenschaft.

„Natürlich könnten die Standortbedingungen besser sein, keine Frage. Natürlich gibt es Familienbetriebe, wo es mit den Jungen zu Problemen kommt, doch ich erfahre in meinem Umfeld, dass die Betriebe schon noch großteils in der Lage sind, weitergegeben zu werden“, sieht Spartenobmann Franz Hörl die aktuelle Nachfolgesituation nicht ganz so dramatisch.

Masterplan Tourismus gefordert

Hörl beobachtet auch, dass die Probleme größer werden, je dörflicher ein Gasthaus ist, und macht auf die schlechte Stimmung aufmerksam, die seit der Steuerreform wenig Aufhellung und durch die jüngste Reform der Registrierkassenregelung ein weiteres Tief erfahren hat.

Ebendiese angespannte Stimmung ist es, die auch Egger für problematisch hält. „Es braucht Anreize und einen Masterplan Tourismus“, sagt er und fordert, nach Tiroler Vorbild, einen Koordinierungsausschuss Tourismus auf Bundesebene: „Regelmäßige Koordinierungssitzungen mit Politikern und Beamten auf Bundesebene wären die erste und einfachste Grundlage, um die Entscheidungsträger zu informieren und vieles schon im Vorhinein zu verhindern.“

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