Impulse für mehr Investitionslust gefragt

WK-Präsident Jürgen Bodenseer und WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker bei der Präsentation des aktuellen TOP Tirol-Konjunkturbarometers.

WK-Präsident Jürgen Bodenseer und WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker bei der Präsentation des aktuellen TOP Tirol-Konjunkturbarometers.

Die Stimmung unter Tirols Leitbetrieben hat sich erfreulicherweise gebessert, die Investitionsbereitschaft steigt. Dieses zarte Pflänzchen braucht nun Maßnahmen, die die wirtschaftliche Dynamik ankurbeln.

„Die Ergebnisse des aktuellen TOP-Tirol Kojnukturbarometers zeigen: Erstmals seit über sechs Jahren sind die Erwartungen besser als die aktuelle Lage. 44 Prozent der Leitbetriebe erwarten eine positive wirtschaftliche Entwicklung ihres Unternehmens“, bringt Jürgen Bodenseer, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, die aktuelle wirtschaftliche Situation des Landes auf den Punkt. Auch der Tourismus, durch die Steuerbelastungsreform besonders getroffen, zeigt sich mit Buchungslage und Auslastung zufrieden. „Und diese Zahlen“, so Bodenseer, „stammen noch aus der Zeit, bevor Bundeskanzler Christian Kern und sein Vize Reinhold Mitterlehner Förderungen, Erleichterungen und Verbesserungen für die österreichische Wirtschaft angekündigt haben.“

Nun sind Maßnahmen gefragt, „die die wirtschaftliche Dynamik ankurbeln und Investitionslust machen“, betont der Präsident und nennt Details: Es braucht etwa eine Investitionszuwachsprämie, eine dynamische Abschreibung, weil gerade Technologieprodukte schnell altern und durch neue , modernere ersetzt werden müssen, und die Abschreibungsgrenze für die so genannten geringwertigen Wirtschaftsgüter ist von völlig unzureichenden 400 Euro auf 1.500 Euro zu erhöhen.

Sorge bereitet dem WK-Chefstatistiker Stefan Garbislander die im internationalen Vergleich enorm hohe Steuerquote in Österreich. „In der EU liegt sie bei durchschnittlich 39,3 Prozent, bei uns bei 43,8 Prozent. Das ist ein immenser Unterschied, den es zu beseitigen gilt“, meint Bodenseer in Richtung Bundesregierung. Auch der Faktor Arbeit, der in Österreich mit 26 Prozent vom BIP besteuert wird – in der EU sind es im Durchschnitt nur 20 Prozent – müsse entlastet werden, um weiterhin wettbewerbsfähig zu sein.

Doch auch die Landesregierung kann zur Investitionsfreude beitragen, kommt Bodenseer auf das Naturschutzgesetz zu sprechen, das derzeit evaluiert wird. „Lebensraum bedeutet in hohem Maße Wirtschaftsraum und damit Arbeitsraum. Das Tiroler Naturschutzgesetz ist bereits sehr restriktiv, eine weitere Verschärfung darf es nicht geben“, stellt Bodenseer klar. Er plädiert vielmehr für eine Reduktion der Bewilligungsverfahren und fordert, dass es in gewidmeten und ausgewiesenen Gewerbe- und Industriegebieten keine naturschutzrechtlichen Verfahren mehr geben darf. Ein Gewerbegebiet ist ein Gewerbegebiet, hier hat der Naturschutz nichts zu suchen.“

“Ein Gewerbegebiet ist ein Gewerbegebiet, hier hat der Naturschutz nichts zu suchen!”
Jürgen Bodenseer

Ein großes Anliegen ist der Wirtschaftskammer auch die Förderung der Kleinst- und Kleinbetriebe. „Die im Zuge des Konjunkturpaketes beschlossene Wachstumsoffensive für Kleinstunternehmen, die Ende September 2017 auslaufen soll, muss in die Regelförderung übernommen werden“, erklärt WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker. „Die Stimmung hat sich gebessert, die Investitionsbereitschaft ist da, jetzt muss die Politik die richtigen Schritte setzen. Ganz nach dem Tiroler Motto: Mander – ‘s isch Zeit!“, sind sich Direktorin und Präsident einig.

 „Top Tirol“-Ergebnisse im Detail

43 Prozent der befragten Unternehmer bezeichnen die aktuelle Geschäftslage als gut; nur fünf Prozent als schlecht. „Besonders positiv wird die derzeitige Lage in der Sparte Information und Consulting und in der Verkehrswirtschaft gesehen. Dort bewerten 66 Prozent beziehungsweise 54 Prozent der Betriebe die Geschäftslage als gut“, berichtet WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker.  Die Erwartungen bis zum Herbst sind ebenfalls positiver als zuletzt – 44 Prozent der befragten Unternehmen erwarten gute Geschäfte. Damit sind die Erwartungen erstmals seit sechs Jahren sogar besser als die aktuelle Situation.

Stabil präsentiert sich die Entwicklung bei den Umsätzen. „Hier berichten 32 Prozent der Leitbetriebe von einer guten Entwicklung, 63 Prozent von einer zufriedenstellenden und nur fünf Prozent von einer schlechten“, zitiert Direktorin Geiger-Anker aus dem aktuellen Konjunkturbarometer. Im Baubereich bleibt die Entwicklung aber nach wie vor negativ.

Was die Personalentwicklung anbelangt, hat sich die Einschätzung der Tiroler Leitbetriebe zum Teil deutlich verbessert. 25 Prozent der Leitbetriebe werden im kommenden Quartal ihren Personalstand erhöhen, dagegen nur zehn Prozent reduzieren. „Wie auch schon die aktuellen Zahlen des AMS gezeigt haben, hat sich die Lage am Tiroler Arbeitsmarkt in den ersten fünf Monaten des Jahres
etwas entspannt. In Anbetracht der Einschätzungen der Tiroler Leitbetriebe wird diese Entwicklung auch in den kommenden Monaten anhalten“, stellt Geiger-Anker fest.

In den vergangenen Jahren waren die Investitionen zumeist die Achilles-Ferse der wirtschaftlichen Entwicklung. Das Ergebnis des aktuellen Konjunkturbarometers deutet nun auf eine leichte
Belebung der Investitionstätigkeit der Tiroler Wirtschaft hin: 21 Prozent der befragten Leitbetriebe wollen in den kommenden sechs Monaten ihr Investitionsniveau erhöhen, 18 Prozent reduzieren und 61 Prozent konstant halten.

Was die rechtlichen Rahmenbedingungen anbelangt befürchten immerhin 47 Prozent der Leitbetriebe eine Verschlechterung. Das ist ein Alarmsignal, denn die rechtlichen Rahmenbedingungen sind ausschlaggebend für das Investitionsverhalten der Wirtschaft.
„In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass aufwändige, teure, bürokratische Bewilligungsverfahren die größte Investitionsbremse sind. Der Gesetzgeber hat es in der Hand, diese Bremse zu lösen und so der Konjunktur weiteren Schwung zu verleihen“, sagt WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker.

 

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