“Mut haben, etwas zu machen”

Im Rahmen der Reihe „Goldrichtig” von Frau in der Wirtschaft freuten sich die Unternehmerinnen diesmal, die Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM) in Wien, Sabine Haag, zu begrüßen.

Frisch, offen, sympathisch und vor allem mit viel Charisma erzählte Haag von ihrem Leben, ihrer Karriere und ihrer großen Leidenschaft: der Kunst. 1990 begann die gebürtige Vorarlbergerin ihre Tätigkeit als Kuratorin der Schatzkammer des KHM. 2007 wurde sie Direktorin der Kunstkammer und der Kaiserlichen Schatzkammer Wien und seit 2009 lenkt sie als Generaldirektorin des KHM mit dem Weltmuseum und dem Theatermuseum die Geschicke des Hauses, verwaltet ein Budget von 42 Mio. Euro und bietet 720 Personen einen Arbeitsplatz.

Welt der Faszination

Mit seinen 1,4 Millionen Besuchern (Zahl aus dem Jahre 2015) spielt das KHM in einer Liga mit dem Louvre und dem British Museum. Im KHM-Museumsverband werden beachtliche 20 Ausstellungen pro Jahr organisiert. Denn: die Ausstellungsobjekte erzählen Geschichten – und diese will Haag jedem Besucher näher bringen. wirtschaft.tirol traf Sabine Haag zu einem Interview über Frauen in Führungspositionen, dem Spagat zwischen Beruf und Familie sowie Wettbewerbsfähigkeit.

Frau Haag, Sie sind seit 2009 Generaldirektorin des KHM. Als erste Frau. Ist mit Ihnen eine andere Unternehmenskultur eingezogen?

Natürlich hat es einiges verändert und Neues dazu gebracht. Was ganz sicher eingetreten ist, ist ein verbindlicherer Ton, eine andere Gesprächskultur und Repräsentation nach außen. Durch mich, ich bin selber Mutter von drei Söhnen, ist auch das Thema Beruf und Familie mehr und mehr ins Zentrum gerückt. Berufliches und privates Engagement müssen sich die Balance halten.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen Beruf und Familie?

Für mich und meinen Mann war klar: Karriere ist für uns beide partnerschaftlich. Hätte ich die Unterstützung meines Ehemannes nicht gehabt, hätte ich nicht den Mut aufgebracht, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Sich der Unterstützung seines Partners sicher zu sein, ist am Anfang wichtiger als später, wenn alles eingespielt ist. Eine ordentliche Portion Disziplin gehört natürlich auch dazu, denn es fällt einem nix in den Schoß. Und als Frau, gerade in einer Spitzenfunktion, habe ich ja auch die Vorbildfunktion andere Frauen zu ermutigen, dass es möglich ist, Beruf und Familie zu vereinbaren.

Sie sind von der Kollegin zur Vorgesetzten geworden. Wie sind Sie mit dieser Situation umgegangen?

Von der befreundeten Kollegin zur Vorgesetzen zu werden war nicht leicht. Es war ein sehr schwerer und langwieriger Prozess für alle, das habe ich vorher etwas unterschätzt. Ich bin viel beobachtet worden: rede ich mit jemandem länger, verbringe ich mit gewissen Kollegen mehr Zeit, darf ich überhaupt noch was erzählen? Das war auch für mich eine Erfahrung anzuerkennen, dass das Auswirkungen sind, die nichts mit mir persönlich zu tun haben, sondern mit dem System. Und an der „einsamen Spitze” zu sein, solche Situationen verstehe ich jetzt wirklich buchstäblich.

Sie sind seit Jahren in einer Spitzenfunktion. Was brauchen Frauen, um sich in einer führenden Position zu halten?

Ganz wichtig ist die Grundkompetenz. Sich selbst den Job zuzutrauen, auch wenn man ihn noch nicht ganz beherrscht. Und den Mut zu haben, es einfach zu probieren. Jeder Mann würde das auch tun. Wichtig sind auch unterstützende Personen, beruflich wie privat. An der Spitze muss man wirklich seine Frau stehen.

Das KHM ist in einer Liga mit dem Louvre oder British Museum. Wie bleiben Sie wettbewerbsfähig?

Die Grundvoraussetzung dafür haben wir durch unsere Sammlungen. Wichtig ist, nie auf der Stelle zu treten, Marktforschung zu betreiben und die Kunstszene zu beobachten. Digitalisierung und Social-Media tragen hier sehr zur Wettbewerbsfähigkeit bei.

Nähere Informationen unter: http://www.khm.at

 

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