Was bedeutet der Brexit für Tirols Wirtschaft?

Für Jürgen Bodenseer, den Präsidenten der Wirtschaftskammer Tirol,  steht fest: Vom Ausstieg Großbritanniens aus der EU wird auch die Tiroler Wirtschaft betroffen sein. Speziell auf die Exportwirtschaft und den Tourismus wird der Brexit wohl Auswirkungen haben.

Es ist entschieden: Die Briten haben mit knapper Mehrheit für den Ausstieg aus der Europäischen Union votiert. „Eine Entscheidung, die nicht nur die weitere Entwicklung der EU beeinflusst und dazu beiträgt, dass aus Fehlern gelernt wird und die Dinge künftig besser, schneller und europäischer angegangen und umgesetzt werden. Auch die Tiroler Wirtschaft ist unmittelbar betroffen“,  betont der Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, Jürgen Bodenseer.  Fest steht, dass der so genannte Brexit negative Auswirkungen auf die Tiroler Exportwirtschaft haben wird. Aktuell ist Großbritannien mit einem Volumen von rund 300 Millionen Euro der siebtgrößte Exportmarkt für die Tiroler Wirtschaft. „Diese starke Position ist in Gefahr. Kurz- und mittelfristig ist zu erwarten, dass eine deutliche Abwertung des Britischen Pfunds im Bereich von bis zu 20 Prozent die Exporte nach UK zurückgehen lässt – ähnlich, wie es durch die Abwertung des Rubels bei den Exporten nach Russland der Fall war. Und auf längere Sicht wird die Einführung von Grenzkontrollen Tiroler Exporte nach Großbritannien verteuern. Geschäfte mit der Insel werden dadurch nachhaltig erschwert werden“, wirft Bodenseer einen Blick in die Zukunft.

Auch für den Tourismus wird der Brexit nicht ohne Folgen bleiben. Mit rund 1,7 Millionen Nächtigungen pro Jahr ist Großbritannien außerhalb Österreichs der viertwichtigste Quellmarkt für Tirol. Auch hier steht – analog zu Russland – zu befürchten, dass Gästezahlen aufgrund der wahrscheinlichen Abwertung des Pfunds massiv zurückgehen werden.

Brüsseler Regulierungswut wohl mitentscheidend

„Das volle Ausmaß der Konsequenzen des Brexit wird sich letztlich erst dann zeigen, wenn alle nun notwendig gewordenen Verhandlungen abgeschlossen sind und gleichzeitig die EU entsprechend schnell und richtig gegensteuert. Auch negative, weil global bedingte Spätfolgen sind heute schon absehbar. Die ersten unangenehmen Folgen werden wir aber schon bald zu spüren bekommen – darauf müssen wir vorbereitet sein“, so der WK-Präsident, der ergänzt: Unabhängig davon ist aber auch klar, dass sich innerhalb der EU nun Vieles zum Besseren bewegen muss. Denn sicherlich hat die Brüsseler Regulierungswut ganz maßgeblich zur Entscheidung der Briten beigetragen. Widersinnige Vorschriften wie etwa die Pauschalreiserichtlinie oder die Allergenverordnung darf es künftig nicht mehr geben, damit das Beispiel UK nicht Schule macht.“

EU sind wir alle

„Trotz allem: Das Versagen der EU zum Beispiel in der Flüchtlingsproblematik oder auch die Überregulierungswut wie auch bei Normen und Allergenen ect. können wir nicht einfach “denen da oben in Brüssel” anlasten. Die EU sind wir alle und alle Mitgliedsstaaten sind aufgerufen, von der EU nicht in der dritten Person zu reden, sondern selbst nicht immer nur nationalstaatlich zu denken und zu handeln. Ein zu hochprozentiger Nationalgeist geht beim Fußball ok, aber für ein gemeinsames Friedens- und Wirtschaftsprojekt Europa geht diese Denke gar nicht. Also strengen wir uns alle an! Der Brexit soll als Warnung verstanden werden und Hinweis, es künftig besser zu machen. Wir schaffen das, davon bin ich überzeugt!“, meint Präsident Bodenseer abschließend.

 

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