Gannerhof: Der Weg zur Tiroler Haubenküche

Rebellischer Geist und unternehmerisches Herz. Alois Mühlmann war seiner Zeit weit voraus, als er schon in den 1970er-Jahren auf Regionalität setzte. Sohn und Haubenkoch Josef führt den Gannerhof nun in die Zukunft.

„Innervillgraten war immer schon ein Tal von Bauern, nicht von Unternehmern. Gegen den Strom zu schwimmen und etwas Neues zu wagen, ist da nicht ganz einfach”, sagt Hotelier Alois Mühlmann. In der gemütlichen Stube des Gannerhofs in Innervillgraten knistert in einem alten Holzherd ein Feuer. Auf der Herdplatte stehen Kupferpfannen, wie man sie aus Omas Küche kennt. Und im Hintergrund sind leise Jazz-Klänge zu hören. Urige Tiroler Tradition – gepaart mit modernen Elementen. Das ist es, was den Gannerhof auszeichnet. Ein Hotel, das mit Mut und Unternehmergeist in einem landwirtschaftlich geprägten Umfeld zu einem – vor allem kulinarisch – erfolgreichen Betrieb wurde.

„Meine Mutter hat mich in eine Elektrikerlehre gedrängt, obwohl ich wohl ein besserer Koch geworden wäre”, sagt Mühlmann Sen. und lacht. Zu Ende gebracht hat er seine Lehre nicht. „Mein Opa hatte eine kleine Bauernschaft, nichts Großartiges. Ein renovierungsbedürftiges Gebäude. Ein paar Kühe und etwas Land. Und diesen Hof, den Gannerhof, durfte ich 1971 übernehmen.” Als er in Lech seine Frau Monika kennen lernte, wagte Mühlmann den Schritt und fing an, den Hof zu einer Gästeunterkunft umzufunktionieren.

Inspirieren ließ er sich dabei vom Lecher Qualitätsdenken. „Besser anstatt mehr.” Ohne Berufserfahrung sprang er ins kalte Wasser – mit dem Vorteil, alles nach seinen Vorstellungen gestalten zu können. Und so machte er aus der Not eine Tugend und setzte auf Bio, Regionalität und Nachhaltigkeit – Grundsätze, die bis heute im Gannerhof gelebt werden. Und so stehen hinter der Anlage Bienenstöcke, es werden Schweine, Hühner und Hasen gehalten und Produkte von heimischen Produzenten verwendet.

Das Konzept von simpel und sexy

„Einiges war Zufall. Ich habe die Trends wohl erraten”, sagt Alois Mühlmann, öffnet die Herdklappe und legt ein paar Holzscheite nach. „Du musst mutig sein. Damals, nach dem Weinskandal etwa, habe ich mich auf österreichische Weine spezialisiert. Obwohl mir Verachtung und Unverständnis entgegen gebracht wurden. Mit italienischen und französischen Weinen kannte ich mich nicht aus. Also blieb ich in der Region.”

2003 übernimmt Sohn Josef, mit 21 Jahren damals der jüngste Haubenkoch Österreichs, von Mutter Monika die kulinarischen Geschicke des Gannerhofs. „Auf meine Frage, was ich werden soll, wurde ich kurzerhand in die Küche gesteckt”, erzählt der Filius und grinst. Nach der Lehre im elterlichen Betrieb holte er sich den Feinschliff in renommierten Häusern von St. Anton bis Bahrein. „Vom simpel-und-sexy-Konzept meiner Mutter blieb irgendwann nur mehr simpel übrig und da sagte ich, wenn ich den Betrieb in eine Zukunft führen soll, muss etwas geschehen.”

„Der Gastwirt ist wie ein Schauspieler. Er braucht Applaus – sprich Wertschätzung vom Gast. Das motiviert.”

Alois Mühlmann

Und so trat Familie Mühlmann die Flucht nach vorne an. Es wurde erweitert, renoviert und die Bettenanzahl auf 48 erhöht. Auch die Baukultur war geprägt vom Regionalitätsgedanken. So ist der bäuerliche Charakter erhalten geblieben. Außergewöhnliches Ambiente. Stilvolle Zimmer. Verwinkelte Räume. Umgesetzt von heimischen Handwerkern. Die Kleinstrukturiertheit und Einzigartigkeit des Tales sollten erhalten bleiben. „Wir haben uns neu erfunden. Und auch den Weg vom Dorfgasthaus – in dem es oft zuging wie im Wilden Westen – hin zu einer Gästeschicht, die Essen und Ambiente zu schätzen weiß, sind wir konsequent weitergegangen. Gut Essen. Gut Trinken. Gut Schlafen”, sagen die beiden.

Und so ist der Gannerhof in Innervillgraten seit 1991 mit ein bzw. zwei Hauben bei Gault-Millau gelistet. In ein paar Monaten soll die Betriebsübergabe abgeschlossen sein. „Aber glaub’ nicht, dass die Arbeit für dich dann weniger wird”, meint der Sohn lachend in Richtung Vater. Denn um so einen Familienbetrieb erhalten zu können, müssen alle an einem Strang ziehen. Reibereien?

„Um das zu verhindern”, erklären Sen. und Jun., „haben wir uns zwei Pfarreien geschaffen, zwei Domplätze. Jeder hat seinen Bereich.” Und dennoch: Manchmal sei nicht ganz klar, „wer der Pfarrer und wer der Ministrant ist”, scherzen sie – während die Holzscheite im Herd knistern.

Save the Date

Am 2. und 3. Juli feiert der Gannerhof 35-jähriges Jubiläum. Mit gutem Essen und guter Musik. Alle Infos zum Betrieb in Innervillgraten gibt es auf der Homepage des Gannerhofs.

 

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