“Handwerk ausüben ist wie das Spielen eines Instruments”

Matthias Pfötscher Goldschmiede Innsbruck

Zum Handwerk hat Matthias Pfötscher erst nach seinem Studium gefunden. In seinem Atelier in Innsbruck entwirft der junge Gold- und Silberschmied via 3D-Drucker Produkte direkt mit seinen Kunden. Bild: Juwelier und Goldschmiede Pfötscher

Nach dem Studium kam die Lehre:  Matthias Pfötscher (30) ist Gold- und Silberschmied und seit kurzem stolzer Besitzer des Meisterbriefes. In seinem Beruf, zu dem er über Umwege gefunden hat, kombiniert er handwerkliches Geschick mit modernster digitaler Technologie. Wir trafen den jungen Innsbrucker zum Interview.

wirtschaft.tirol: Vom Master zum Meister – ein ungewöhnlicher Weg. Wie kam es dazu?

Matthias Pfötscher: Ich hatte das Privileg meinen Ausbildungsweg nach meinen Interessen wählen zu können, und das Studium im Informatikbereich hat mich damals sehr angesprochen. Zudem wurde in der AHS eine handwerkliche Ausbildung kaum als attraktive Option für einen Maturanten vorgestellt. Es war ganz klar, dass nach der Matura ein Studium folgen sollte.

Wie sind Sie dann doch noch zum Handwerk gekommen?

Mein Zugang zum Handwerk war die digitale Aufrüstung meines Vaters in unserem Goldschmiede-Atelier. Die Anschaffung eines 3D-Druckers erweckte mein Interesse und gab mir die Möglichkeit das Handwerk zu erlernen und mich gleichzeitig produktiv in den Betrieb einzubringen.

Was war Ihre Ambition, den Meisterbrief zu erlangen?

Zum einen ist der Zugang zum Gewerbe natürlich über die Meisterprüfung geregelt. Zum anderen gibt es den ideellen Wert, Meister sein zu wollen. Man möchte beweisen, dass man etwas kann. Der harte Weg durch die Meisterprüfung ist geprägt von intensiver, persönlicher Weiterentwicklung.

Welche Herausforderungen sehen Sie in den nächsten Jahren auf Ihren Beruf zukommen? 

Eine große Herausforderung ist die unternehmerische Entwicklung, auf ein besonderes Angebot aufmerksam zu machen und sich voll und ganz an den Bedürfnissen der Kunden zu orientieren. Mein Geschäftsmodell fordert mich ständig –  sowohl geistig als auch unternehmerisch und gestalterisch. Ohne Schaufenster und Lager verkaufe ich immer ein Produkt, das noch nicht physisch existiert. Es entsteht erst in Zusammenarbeit mit den Menschen und wird eben nicht “ausgesucht”. Meine Ambition ist es, diese Art des Schmuckkaufs jedem zugänglich zu machen. Mit Hilfe von 3D-Drucker und fotorealistischen Entwürfen gelingt mir das schon sehr gut, aber die ständige Weiterentwicklung ist Pflicht.

Was raten Sie jungen Leuten, die in Ausbildung sind oder sich für eine Ausbildung entscheiden müssen?

Sich nicht von vorne herein einem Feld zu verschließen. Im Alter, wo diese Entscheidungen getroffen werden, sind den meisten Leuten ihre eigenen Fähigkeiten und Talente noch gar nicht so bewusst, da diese sich erst durch Erfahrung herausstellen. Eine spätere Umorientierung findet heute immer häufiger statt und kann wie in meinem Fall sehr positiv sein.

Was ist das Schöne am Handwerk?

Ein Handwerk auszuüben ist wie das Spielen eines Musikinstruments. Das Tun beansprucht Geist und Körper, und das Üben und Lernen hört nie auf. Die Fähigkeit zu haben, etwas Schönes und Komplexes aus unförmigen Rohstoffen entstehen zu lassen, erfüllt mich mit Stolz und großer Freude. Während die Arbeitsschritte und Schwierigkeiten der Herstellung wenigen bewusst sind, kann das Ergebnis aber jeder verstehen und anerkennen. Die Freude der Menschen zu sehen, für die man einen Entwurf gemacht und anschließend z.B. ein Paar Trauringe angefertigt hat, gehört zu den schönsten Erfahrungen meiner Arbeit.

Was sind die größten Unterschiede zur Ausbildung auf der Uni?

Vereinfacht gesagt: Nicht nur etwas zu wissen, sondern auch etwas zu können.

 

» Mehr Infos zur Goldschmiede Pfötscher finden Sie unter www.pfoetscher.at

 

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