Natura 2000: Sonderprogramm für Osttirol weiter auf Schiene

Die Wirtschaft in Osttirol braucht endlich Klarheit über die weitere Natura-2000-Entwicklung. Eines steht aber schon heute fest, versichert LH Günther Platter: Unabhängig vom Ausgang der neuerlichen Streitigkeiten um die Ausweisung der Schutzgebiete startet mit 1. Juli das Sonderförderprogramm für die Natura 2000-Region Isel.

Es war eine rundum mit Ängsten und Polarisierungen behaftete Diskussion, die der Ausweisung der Natura 2000-Gebiete in Osttirol vorangegangen war. Die Deutsche Tamariske, die es dabei zu schützen gilt, spaltete gleichsam die Region und seit Mitte 2015 die Meldung an Brüssel erfolgte, ist eines klar: Der Bezirk Lienz verträgt weder ein neuerliches Aufflammen des lähmenden Grundkonfliktes, noch eine Verschärfung der Grenzziehungen. „Die Wirtschaft in Osttirol braucht Klarheit“, stellt Jürgen Bodenseer, Präsident der WK Tirol klar.

Seine Warnung davor, eine ganze Region unter die Käseglocke zu stellen und gleichsam der wirtschaftlichen Nutzung zu entziehen, bleibt aufrecht und Bodenseer regt zudem einen lebensnahen Umgang mit Naturschutzgebieten im Allgemeinen an: „Es muss auch Tauschhandel geben. Nix ist für die Ewigkeit. Gerade im Blickwinkel sich ändernder Regionalaspekte wäre es sehr sinnvoll, manche Schutzflächen zurück zu geben und dafür sinnvoll neue dazu zu nehmen. Auch die Menschen, die in unserer Natur leben und arbeiten wollen, müssen geschützt werden.“

Nachhaltige Projekte statt Ausweitung des Schutzgebiets

Notwendig ist das neuerliche Aufzeigen der Grenzen und die Betonung der für Leben und Arbeiten notwendigen Freiräume geworden, weil Brüssel nicht zufrieden ist mit den von Österreich gemeldeten Natura 2000-Gebieten. Nachjustierungen stehen im Raum, weitere Auseinandersetzungen bahnen sich an und wieder grassiert die Unsicherheit.

„Derzeit sagen wir – okay, mit dem Kompromiss können wir leben. Mit einer Ausweitung der Natura-2000 Gebiete sicher nicht“, stellt Reinhard Lobenwein, Leiter der WK- Bezirksstelle Lienz, klar und hält zudem fest: „Unser Ziel ist ein Rahmen, in dem wir auch arbeiten und wirtschaften können. Wir brauchen in Osttirol rasch einen wirtschaftlichen Aufschwung, Investitionskraft für nachhaltige Projekte, qualifizierte Ausbildungs- und Arbeitsplätze und Leuchtturmprojekte, die den Glauben an die Zukunft der Region stärken und uns Energie geben, die Herausforderungen selber anzunehmen.“ Die Projekte, von denen Lobenwein spricht, sollen unter anderem durch das „Sonderförderprogramm für die Natura 2000-Region Isel“ in die Wege geleitet werden.

Sonderförderprogramm für für Natura 2000 Region Isel

Geplant ist, dass in zehn Jahren zehn Millionen Euro für Maßnahmen ausgeschüttet werden, die zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung in der Natura 2000-Region beitragen. „Das Programm startet mit 1. Juli 2016. Es ist alles dafür auf Schiene“, heißt es dazu aus dem Büro Landeshauptmann Günther Platters. Der kurze Satz lässt aufatmen, wird damit doch die aktuelle Diskussion von jenen Maßnahmen entkoppelt, die der zuletzt so gefesselten Region einen positiven wirtschaftlichen Kick geben sollen.

Der kann nun schnell passieren. Im Mai 2016 wurden die Förderrichtlinien für das Programm vom Osttiroler Förderungsgremium unter Vorsitz von Bezirkshauptfrau Olga Reisner abgesegnet. Ende Juni 2016 werden die Richtlinien im Landtag beschlossen und am 1. Juli 2016 geht’s los.

Familienbetriebe und Kleinunternehmer stärken

In den Richtlinien wurden jene Punkte, welche der Wirtschaftskammer besonders wichtig sind, berücksichtigt. So etwa die Forderung nach einer Erhöhung der Kleinunternehmerförderung auf 20 Prozent. „Unser Ansatz war, bestehende Programme weiter zu entwickeln, sodass die Betriebe der Region eine höhere Förderung bekommen“, erklärt Lobenwein. Eventuelle Eigenkapitalschwächen können damit kompensiert werden.

Niederschlag fand auch die Forderung, dass im Tourismus nicht nur Projekte gefördert werden, bei denen „am Ende“ ein Drei-Sterne-Standard herauskommt. Viele Familienbetriebe in Osttirol hatten aufgrund dieser Regelung keine Chance, zu Förderungen zu kommen.

„Nun geht es um eine qualitative Weiterentwicklung des touristischen Angebotes“, erklärt Lobenwein, der sich zudem von der Möglichkeit, dass kooperative Ansätze und innovative Ideen die Chance auf eine 50-prozentige Förderung bekommen können, einiges verspricht. Einiges und vor allem das eine: Wirtschaftliche Lebendigkeit.

Wanderer auf der Hochgrabe in Osttirol

Blick in die Zukunft: Es geht um die Weiterentwicklung des touristischen Angebots in Osttirol. Foto: Tirol Werbung/Sandbichler

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