Die Sache mit dem Mangel

KOMMENTAR

Es gibt keinen Facharbeitermangel, heißt es. Die Betriebe können ein anderes Lied davon singen.

 

Es gibt keinen Facharbeitermangel, sagen manche. Die Praxis sagt was anderes.

Von Zeit zu Zeit packt mich die Lust zu einem richtigen Ausflug. In Tirol gibt es ja so viel zu sehen. Und weil ich die meisten Kirchen, Museen und Berggipfel schon kenne, bin ich mal bei einigen Tiroler Betrieben vorbei geflattert.

Als erstes kam ich zu einem Gastronomen – der stand selbst hinter dem Herd und hatte keine zehn Sekunden Zeit zum Plaudern. „Viele Köche verderben eh den Brei“, meinte ich. „Viele ja“, rief er, „aber einen, einen einzigen hätte ich gerne. Aber keiner zu finden!“ Dann platze ich bei einem Händler rein. In seinem Laden sah er irgendwie ganz verloren aus. Als ich ihn fragte, wo seine Mitarbeiter seien, meinte er achselzuckend: „Woher soll ich das wissen?“

Danach schaute ich mir einen Installateurbetrieb an. Der Chef lötete gerade einige Rohre zusammen. Ich setzte mich zu ihm. Warum er die ganze Arbeit alleine mache, wollte ich wissen. Na, mehr hab ich nicht gebraucht! „Weil keine Leute zu kriegen sind“, schimpfte er. „Aber – am Arbeitsamt gibt es doch lange Schlangen?“ „Ja, dort vielleicht, aber nicht in meinem Betrieb“, murrte er. „Aber es gibt ja gar keinen Fachkräftemangel“, stammelte ich. „Sagt wer?“ sagte er. „Na, die Arbeiterkammer.“ „Die kennen vielleicht die Statistik – aber nicht die tägliche Realität in den Betrieben!“, brummte er. Ganz leise fragte ich noch aus der Ecke, ob er nicht vielleicht mehr zahlen könnte. Da musste ich mich wegducken, er warf ein Kupferrohr nach mir. „Wie soll ich mehr zahlen, wenn Steuern und Abgaben mehr als die Hälfte wegfressen?“, wollte er von mir erklärt haben.

Das konnte ich ihm nicht erklären. Und das mit dem Facharbeitermangel, den es angeblich nicht gab, auch nicht.

 

Euer Rabe


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