Ferialarbeit – darauf müssen Betriebe achten!

Bei den verschiedenen Formen der Ferialarbeit gibt es unterschiedliche rechtliche Bestimmungen zu beachten

Gerade im Sommer beschäftigen viele Unternehmen Schüler oder Studenten im Rahmen eines Ferialpraktikums, eines Ferialarbeitsverhältnisses oder eine Volontariats. Foto: Panthermedia.

Viele Betriebe beabsichtigen, im Sommer Schüler und Studenten einzustellen. Was bei der Ferialarbeit insbesondere im Bereich des Arbeits- und Sozialrechts zu beachten ist, erklärt WK-Rechtsexpertin Ursula Gidl.

Grundsätzlich ist Ferialbeschäftigung in drei verschiedenen Varianten möglich, nämlich im Rahmen eines Ferialpraktikums, eines Ferialarbeitsverhältnisses oder in Form eines Volontariats.

1.   Ferialpraktikant: Ferialpraktikanten sind Schüler oder Studenten, die als Ergänzung zu ihrer schulischen Ausbildung ein vorgeschriebenes Pflichtpraktikum in einem Betrieb absolvieren. Der Ausbildungszweck steht dabei im Vordergrund.

Dem Ferialpraktikanten ist es in erster Linie gestattet, sich zum Zweck seiner Aus- und Weiterbildung im Betrieb zu betätigen. Eine Bindung an die betriebliche Arbeitszeit sowie eine Weisungsgebundenheit darf nicht gegeben sein. Der Ferialpraktikant hat sich aber in die allgemeine betriebliche Ordnung einzufügen und unter anderem auch die für den Betrieb geltenden Sicherheitsvorschriften zu befolgen.

Der Ferialpraktikant ist kein Arbeitnehmer im arbeitsrechtlichen Sinn. Es gelten für ihn nicht die arbeitsrechtlichen Bestimmungen, wie etwa Urlaubsgesetz, Entgeltfortzahlungsgesetz, Angestelltengesetz oder Kollektivvertrag. Ein reguläres Arbeitsentgelt gebührt nicht.

Vorsicht: Manche Kollektivverträge sehen eigene Bestimmungen für Ferialpraktikanten vor; z. B. eigene Entlohnungsbestimmungen oder dass sie wie Arbeitnehmer zu behandeln sind und den arbeitsrechtlichen Bestimmungen unterliegen. So sieht zum Beispiel der Kollektivvertrag für das Hotel- und Gastgewerbe für Ferialpraktika, die aufgrund schulrechtlicher Vorschriften zu leisten sind, einen Anspruch auf Entgelt in Höhe der jeweiligen Lehrlingsentschädigung vor. Ferialpraktikanten im Hotel- und Gastgewerbe können nur ihm Rahmen von Arbeitsverhältnissen beschäftigt werden.

Existiert allerdings keine kollektivvertragliche Regelung, gelten Ferialpraktikanten dann als Arbeitnehmer, wenn sie in Form von Weisungen und einer Bindung an die betriebliche Arbeitszeit in den Betrieb eingegliedert sind.

2.   Ferialarbeitnehmer: Der Ferialarbeitnehmer ist ein „normaler“ Arbeitnehmer mit Anspruch auf anteiligen Urlaub und Sonderzahlungen. Mit ihm ist ein Dienstvertrag abzuschließen, wobei eine Befristung zu empfehlen ist. Er absolviert kein Pflichtpraktikum von der Schule bzw. Hochschule. Diese Arbeitnehmer sind selbstverständlich immer zur Pflichtversicherung bei der Gebietskrankenkasse anzumelden.

Vorsicht: Sollte ein unbefristetes Dienstverhältnis abgeschlossen werden, kann nur nach den jeweiligen kollektivvertraglichen oder gesetzlichen Bestimmungen gekündigt werden. Verrichten Ferialarbeitnehmer Angestelltentätigkeiten, ist der Abschluss eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses unzweckmäßig, da bei Angestellten die Kündigungsfristen lange sind und nur wenige Kündigungstermine zur Verfügung stehen. Es empfiehlt sich daher, schon bei Eintritt ein befristetes Arbeitsverhältnis abzuschließen. Arbeitsverträge mit Ferialarbeitnehmern sind jedenfalls schriftlich abzuschließen, wobei nach Möglichkeit auch eine Probezeit vereinbart werden sollte.

Sieht der anzuwendende Kollektivvertrag Sonderzahlungen vor, sollte überprüft werden, ob eine Wartezeit für den Anspruch auf Sonderzahlungen vorgesehen ist. Ferialarbeitnehmer haben jedenfalls Anspruch auf Auszahlung einer Urlaubsersatzleistung.

3.   Volontäre: Neben der Ferialpraxis und der Ferialarbeit gibt es noch das Volontariat. Volontäre sind Personen, die kurzfristig in einem Betrieb arbeiten, um ihre erworbenen Kenntnisse zu erweitern oder zu vertiefen, ohne dass dies von einer Schulvorschrift gefordert wird. Volontäre sind ebenfalls keine Arbeitnehmer, sie sind nicht weisungsgebunden, brauchen keine Arbeitszeit einhalten und dürfen keine Arbeitskraft ersetzen. Auch Volontäre beziehen kein Entgelt.

Für Volontäre besteht keine Sozialversicherungspflicht. Volontäre sind lediglich unfallversicherungspflichtig und direkt bei der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt anzumelden

Autor: Ursula Gidl

Dr. Usula Gidl ist Referentin in der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht der Wirtschaftskammer Tirol

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