Neue Tech-Trends: Chancen wahrnehmen, Partner suchen!

wirtschaft.tirol REPORTAGE

Die Digitalisierung in all ihren Formen verändert die Wirtschaftswelt auf vielen Ebenen – und sie kann auch überfordern. „Man muss nicht alles selber machen“, regt Hannes Offenbacher dazu an, sich für technologische Entwicklungen externe Partner zu suchen und Tauschgeschäfte zu forcieren.

„Sich persönlich mit all den Themen auseinander zu setzen ist unerlässlich. Egal ob oder wie man die Möglichkeiten dann für sein Unternehmen nutzt“, stellt Barbara M. Thaler, Vizepräsidentin der WK Tirol, den Digital-Muffeln des Landes eine Rute ins Fenster. Die IT-Unternehmerin weiß, dass es zahlreiche Unternehmer gibt, die sich aus (Berührungs-)Angst, Zeitmangel oder sonstigen Gründen standhaft zieren, sich eingehend mit den neuen Technologien auseinander zu setzen oder etwa Social Media-Plattformen zu betreten. „Facebook ist keine Eier legende Wollmilchsau  die Zahlen über spürbare Rückläufe oder Neukundengewinnung halten sich in Grenzen. Aber, man muss sich damit beschäftigen, um zu begreifen, was andere damit tun oder warum es funktioniert“, regt sie digitalen Wissensdurst an.

Facebook-Verweigerer werden irgendwann unerreichbar

Facebook ist ein gutes Beispiel für die Rasanz der Entwicklungen. „Vor fünf Jahren war es noch ganz anders als heute. Facebook verändert sich immer weiter. Es ist längst ein Medium, es ist schon wie das neue Google und bald wird es ganz normal sein, über Facebook Messenger Menschen anzurufen. Man braucht keine Telefonnummern mehr“, zeigt Hannes Offenbacher, Gründer und Inhaber von Mehrblick, der Agentur für schöpferische Erneuerung, eine Dimension auf, die als massiv bezeichnet werden muss beziehungsweise darf.

In dieser greifbaren Zukunft wird keine Nummer mehr eingetippt, sondern lediglich der Name der gesuchten Person bei Facebook eingegeben. Dass dieser Kommunikations-Umbruch keine angenehmen Auswirkungen auf klassische Mobilfunkbetreiber haben wird, liegt ebenso auf der Hand, wie die potenzielle Unerreichbarkeit jener, die sich der Plattform verweigern.

Über den Facebook-Messenger werden wir immer häufiger telefonieren.

Bald wird es ganz normal sein, über Facebook Messenger Menschen anzurufen. Foto: iStock.

Bei kleinen Budgets Tauschhandel forcieren

Bei aller gebotenen Neugier – nicht jeder Handwerksmeister ist gezwungen, zum IT-Experten zu avancieren. Warum auch? Große Unternehmen haben einen CEO (Chief Executive Officer), der strategisch an der Zukunft arbeitet, und einen COO (Chief Operating Officer), der sich um das operative Geschäft kümmert. Ein Tischlermeister aber, der zehn Angestellte führt und mit dem Alltagsgeschäft genug um die Ohren hat, kann nicht jemanden anstellen, der sich um den Social-Media-Auftritt oder eine Website kümmert. Auch sprengen derartige Dienstleistungen oft das Budget der KMUs.

„Was der Tischler aber tun kann, ist, sich einen externen Partner zu suchen. Wir haben in den letzten Jahren erfolgreich begonnen, den Tauschhandel zu forcieren. Der wird unterschätzt“, sagt Hannes Offenbacher und erklärt: „Der Tischler sagt, ich mache dir die Büromöbel oder die Küche und du machst mir das Marketing oder die Website. Einfach tauschen. Da haben alle etwas davon und das könnte der regionalen Wirtschaft einen Qualitätsschub geben.“

Klingt einfach und allein die Möglichkeit einer derartigen Partnerschaft vermag eventuelle Hemmungen zu schrumpfen und letztlich Chancen zu sehen. Der Vorteil liegt womöglich auch darin, dass die komplexe Informationsflut des längst großen und stetig wachsenden Bergs an digitalen Neuerungen und Möglichkeiten für den betreffenden Unternehmer gefiltert wird und ihn somit nicht erschlägt.

Technologische Neuerungen sind nicht automatisch eine echte Innovation

Wie etwa Berichte über Tech-Trends und deren Einfluss auf die Wirtschaftswelt. Das Marktforschungsinstitut GfK etwa hat in einer Studie die „Tech-Trends 2016“ präsentiert. Drohnen, Smart home, Mobile payments, Wearables oder Artificial intelligence zählen neben anderen zu diesen Trends, die laut den Studienautoren für die Zukunft besonders wichtig sind.

Hannes Offenbacher entlocken sie jedoch nur ein verstecktes Gähnen: „Bei Trendgeschichten ist es immer so, dass alles, was die Agenturen dabei benennen können, schon durch ist. Wenn es beispielsweise um Drohnen geht und sie fragen, ob sich die Unternehmen zwingend damit auseinandersetzen müssen, würde ich sagen jein.“ Auch Barbara M. Thaler ist von den als Trend bezeichneten Technologie-Beispielen nicht restlos überzeugt. „Video wird auch genannt. Das ist für mich kein Tech-Trend. Da muss man nicht mehr darüber reden, sondern sagen: Na, macht’s es doch endlich“, sagt sie.

Technologische Neuerungen sind per se noch lange keine echten Innovationen. In dem Zusammenhang lenkt Hannes Offenbacher den Blick auf den Ökonomen Josef Schumpeter, der gleichsam Pate ist für den Agenturzusatz „für schöpferische Erneuerung“. Offenbacher hält fest: „Schumpeter sagte ganz klar, dass Innovation erst dann gegeben sei, wenn sich etwas Neues am breiten Markt durchgesetzt hat. Wenn es kein Mensch kaufe, sei es keine Innovation.“ Und dann ist es auch weit entfernt von der schöpferischen Zerstörung bzw. Erneuerung, die Schumpeter dem Entrepreneur als speziellem Typus eines Unternehmers zuschrieb. „Erneuerung ist das schönere Wort, weil ja etwas Neues, Besseres nachkommt“, so Offenbacher, „Apple hat Nokia gekillt, die Digitalfotografie Kodak und Tesla könnte mit seinen E-Autos dazu beitragen, dass der eine oder andere Autohersteller stirbt.“

Auseinandersetzung mit Tech-Trends bleibt niemandem erspart

Die martialische Wortwahl ist angebracht. Wirtschaftsgeschichten werden nicht von Rosamunde Pilcher geschrieben und so geht es im Zusammenhang mit der Offenheit und Klarheit, die im Umgang mit den neuen Tech-Welten von Unternehmern jeder Größe und Branche gefordert wird, durchaus ans Eingemachte.

Einer, der sich früh und letztlich höchst erfolgreich mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt und sie für das Überleben seines Betriebes genutzt hat, ist der Innsbrucker Goldschmied Peter Pfötscher. „Das ist ein geniales Beispiel“, so Thaler, „er hat vor sieben Jahren einen 3D-Drucker gekauft, sich die Software selber beigebracht und begonnen, die Schmuckstücke erst am Computer zu kreieren, dann auszudrucken und mit dem Kunden zu finalisieren, bevor das Schmuckstück gegossen wurde.“

Mittlerweile druckt der Meister, der es auf eindrucksvolle Weise verstanden hat, ein uraltes Traditionshandwerk mit den neuen Technologien zu verfeinern, auch für andere Goldschmiede. „Damit hat er ein zusätzliches Geschäftsmodell entwickelt. Hätte er den Drucker damals nicht gekauft, würde es seine Firma heute nicht mehr geben und der Sohn hätte auch nicht die Meisterprüfung gemacht“, beschreibt Thaler ein Happy End, das vielmehr ein schöner Anfang ist. Und unterstreicht zudem, dass in der Auseinandersetzung mit den neuen Tech-Welten das Bewusstsein entscheidend sein kann.

Goldschmid Peter Pfötscher setzt seit Jahren auf die Digitalisierung

Der Innsbrucker Goldschmied Peter Pfötscher nutzt die Möglichkeiten neuer Technologien seit Jahren. Schmuckstücke werden zuerst am Computer kreiert, mit dem 3D-Drucker ausgedruckt und erst danach gegossen. Foto: Die Fotografen

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