Wirtschaft fordert mehr Flexibilität bei Arbeitszeiten

Erhöhung der Normalarbeitszeit von acht auf zehn Stunden, eine Höchstarbeitszeit in Sonderfällen von zwölf Stunden, mehr Flexibilität bei Durchrechnungszeiträumen und Wochenenden. Das sind die Vorschläge der Wirtschaftskammer zur Arbeitszeitflexibilisierung. Präsident Bodenseer: „Diese Maßnahmen bringen nicht nur mehr Beschäftigung, sondern auch Vorteile für die Mitarbeiter.“

„Die Arbeit muss dann erledigt werden, wenn sie anfällt. Das ist auch im Sinne der Mitarbeiter, wenn dadurch mehr Freizeit, Urlaub und Familienleben geschaffen wird“, erklärt Jürgen Bodenseer den dringenden Wunsch nach mehr Flexibilität. „Sowohl bei der Erhöhung der Normalarbeitszeit als auch der Anhebung der Höchstarbeitszeitgrenze muss der Ausgleich über die Wochen- oder Monatsarbeitszeit erfolgen. Denn eines ist klar: Wir sind nicht für die generelle Erhöhung der Gesamtarbeitszeit.“

Ebenso fordert Bodenseer eine Abschaffung des Kumulationsprinzips, welches derzeit bei Arbeitszeitüberschreitungen unverhältnismäßig hohe Strafen für den Unternehmer mit sich bringt.

Kollektivverträge verhindern Flexibilität auf betrieblicher Ebene

Problematisch sieht der WK-Präsident die Überregulierung in den Kollektivverträgen. „So ist z.B. ein Fleischermeister ein Angestellter, hier gilt der Durchrechnungszeitraum. Sein Geselle ist jedoch ein Arbeiter. Daraus ergeben sich unterschiedliche Kostenstrukturen und viele andere Probleme“, erklärt Bernhard Achatz, Leiter der Abteilung Arbeits- und Sozialrecht in der WK Tirol.

Nicht nur deshalb fordert Bodenseer die Möglichkeit, Arbeitszeit flexibel auf betrieblicher Ebene, im Einvernehmen mit den Mitarbeitern und dem Betriebsrat, zu regeln. „Die Arbeitswelt verändert sich. Durch flexiblere Arbeitszeiten soll auch der Mitarbeiter davon profitieren.“

Positiver Beschäftigungseffekt erwartet

Für Peter Pretzsch, Geschäftsführer der Firma Viking aus Langkampfen, sind flexiblere Arbeitszeiten eine Anpassung an realwirtschaftliche Gegebenheiten: „Die Nachfrage nach unseren Produkten schwankt je nach Jahreszeit stark. Wir müssen mit unseren Mitarbeitern die Nachfrage dann abdecken, wenn sie anfällt. In unserer Branche bräuchten wir eine Erhöhung der Durchrechnungszeiträume von einem auf z.B. zwei Jahre. Das bringt mehr Flexibilität, der Mitarbeiter kann dann arbeiten, wenn er am meisten Arbeit hat und in unserem Fall im Sommer mehr Freizeit genießen.“

Und WK-Präsident Bodenseer sieht darin auch einen positiven Effekt auf die Wirtschaft: „Wenn ich als Unternehmer die Arbeitszeit je nach Nachfrage besser verteilen kann, kann ich gleichzeitig auch mehr Mitarbeiter einstellen. Nämlich dann, wenn sie wirklich gebraucht werden.“

WK-Präsident Jürgen Bodenseer, Unternehmer Peter Pretzsch (Viking) und Arbeitsrechtsexperte Bernhard Achatz.

Für flexible Arbeitszeiten (v.l.): WK-Präsident Jürgen Bodenseer, Unternehmer Peter Pretzsch (Viking) und Arbeitsrechtsexperte Bernhard Achatz. Foto: WKT

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!