Flüchtlingsbetreuung bringt Tirol 125 Mio. Euro Wertschöpfung

Qualifikation ist Schlüssel zur Integration

Die Aufwendungen für die Flüchtlingsbetreuung haben viele positive Effekte auf die Tiroler Wirtschaft. Foto: iStockphoto.

Welche Auswirkungen die Flüchtlingsbetreuung in Tirol auf Einkommen, Arbeitsplätze und die Wertschöpfung hat, zeigt eine Berechnung der WK. Die unmittelbaren Kosten für die Zuwanderung fließen fast 1:1 in die Wirtschaft zurück, auf lange Sicht bleibt die Arbeitsmarktintegration der entscheidende Faktor.

Quelle: Volkswirtschaftliches Simulationsmodell TiRemo, Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und WK Tirol.

Quelle: Volkswirtschaftliches Simulationsmodell TiRemo, Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung und WK Tirol.

Die kurzfristigen Effekte durch die Betreuung der aktuell rund 6.600 Flüchtlinge sind lt. aktueller Berechnung der WK Tirol (Abteilung Wirtschaftspolitik & Strategie) absolut positiv. Die Kosten von 11.000 Euro pro Person (45.000 Euro bei unbegleiteten Minderjährigen) für Verpflegung, Unterbringung, Krankenversorgung, Bekleidung oder Sprachausbildung fließen fast 1:1 wieder in die Wirtschaft zurück. Denn diese Ausgaben produzieren sogenannte Nachfrageeffekte – und dies spülen rund 85,8 Mio. Euro in die Tiroler Wirtschaft.

Nachfrageimpulse bringen 77 Mio. an Mehreinkommen

Die Betreuung der 6.600 Asylwerber löst auf Basis des Volkswirtschaftlichen Simulationsmodells TiRemo eine zusätzliche Bruttowertschöpfung in Höhe von 125 Mio. Euro aus. Besonders profitieren werden dabei insbesondere der Immobilienbereich (26 Mio.), der Handel (22 Mio.), der Bau (19 Mio.) und der Bereich Erziehung und Unterricht (15 Mio.). Das verfügbare Einkommen der Tirolerinnen und Tiroler steigt durch die zusätzliche Nachfrage um 77 Mio. Euro.

Verdeutlicht wird die Tragweite der Flüchtlingsbetreuung bei der Betrachtung des Beschäftigungseffektes – dieser beläuft sich auf rund 1.776 Vollzeitäquivalente. Im Detail werden auch hier Branchen wie der Handel (417 Vollzeitäquivalente) oder die Bauwirtschaft (287 Vollzeitäquivalente) am stärksten die positiven Auswirkungen spüren.

Langfristige Integration in den Arbeitsmarkt muss gelingen

Durch den verstärkten Zuzug wird das auf dem Arbeitsmarkt verfügbare Arbeitskräfteangebot im Jahr 2015 um über 29.000 Personen steigen. Wenn entsprechende Qualifizierungsinitiativen gesetzt werden, kann dem Fachkräftemangel  – z.B im Tourismus, aber auch in techischen Berufen – entgegengewirkt werden. Denn die Hälfte der Flüchtlinge ist jünger als 25 Jahre, viele von ihnen können entsprechende Qualifikationen nachholen.

WK-Vizepräsident Martin Felder sieht bei den langfristigen Effekten jedoch noch einiges im Argen: „Größtes Problem sind die fehlenden Deutschkenntnisse und außerdem haben wir keine Informationen über das Qualifikationsniveau der Flüchtlinge”, hält Felder fest.

Gelingt bei einem großen Teil die Integration in den Arbeitsmarkt nicht, droht eine weitere Verschärftung des Verdrängungswettbewerbs im Niedriglohnsektor. “Die Frage der Qualifizierung muss schnellstens angegangen werden, sonst wird die Integration nicht gelingen,“ macht Felder auf die Dringlichkeit entsprechnender Maßnahmen aufmerksam.

Belastung der Sozialsysteme vermeiden

“Die positiven Effekte werden umso größer sein, desto rascher Qualifikationsmaßnahmen ergriffen werden”, ist sich auch Stefan Garbislander von der WK-Abteilung Wirtschaftspolitik und Strategie sicher. Denn die Arbeitsmarktintegration sei essenziell, um eine längerfristige Belastung der Sozialsysteme zu verhindern.  “Bis 2035 werden die geburtenstarken Jahrgänge der 1960er-Jahre in Pension gehen. Es bleibt die Frage, ob es gelingt, diese Lücke zu füllen.”

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