Konjunktur im Tiroler Gewerbe und Handwerk kommt nicht in Schwung

Die Tiroler Gewerbe- und Handwerksbetriebe haben ein durchwachsenes Jahr 2015 hinter sich. Die Umsätze entwickelten sich mit einem Prozent Wachstum weit unterhalb des BIPs. Für das kommende Quartal dominiert zaghafter Optimismus. Georg Steixner aber warnt: „Zahlreiche Herausforderungen, wie Preiskonkurrenz sowie der Lehrlings- und Fachkräftemangel, bereiten jedoch vielen Betrieben ernsthafte Probleme.

Die konjunkturelle Lage bleibt weiterhin angespannt, berichtet Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria: „Es war ein schwacher Jahresbeginn, eher trist, mit etwas grün. Dieses Grün muss zum Blühen gebracht werden. Die Betriebe in Tirol zeigen sich optimistisch, gleichzeitig lasten fehlende Reformen schwer auf ihren Schultern.“

Für Spartenobmann Georg Steixner ist die aktuelle Geschäftslage vor allem ein Ergebnis des Reformstaus auf politischer Ebene. „Es gibt überall Baustellen, egal wohin man blickt. Die Betriebe brauchen einen Stimmungsmacher, wie etwa den Handwerkerbonus, der den vielen kleinen und mittleren Betrieben unserer Branche wichtige Aufträge bringen würde,“ appelliert Steixner an die Politik. „Dass der Staat hier nicht aktiv wird, ist unverständlich und kurzsichtig. Der Handwerkerbonus wäre eine gute Saat, die Ernte würde dann in einigen Jahren eingefahren werden.“

Vor der geplanten Mega-Maut für alle Fahrzeuge über 3,5 Tonnen auf allen Landes- und Gemeindestraßen warnen sowohl Steixner als auch Bornett. „Die Maut würde unsere Regionen und damit auch die Betriebe besonders hart treffen und ist eine reine Geldbeschaffungsaktion vom Staat,“ so Steixner. KMU-Chef Walter Bornett beziffert die Zusatzbelastung für Tiroler Betriebe mit 60 bis 70 Millionen Euro. „Man würde damit vieles, was man mit der Regionalförderung erreichen wollte, wieder kaputt machen. Wem also soll diese Maut helfen?“

Walter Bornett betont zwar, dass der Optimismus für die kommenden Monate unter den Betrieben zugenommen hat, von einem Aufschwung könne aber keine Rede sein. „Die Betriebe hoffen einfach, das 2016 zumindest besser wird, also die Jahre davor.“ Doch dafür müssten auch die geeigneten Maßnahmen getroffen werden. Denn das Investitionsvolumen ging 2015 bereist zurück. 65 Prozent der Betriebe haben vergangenes Jahr investiert, dieses Jahr haben dies nur 48 Prozent vor.

Die sinkende Investitionsquote wird zum ernsthaften Problem für Betriebsübergaben, ist sich Steixner sicher. „Die Hindernisse liegen oft in der Modernisierung des Betriebs. Die unzähligen Auflagen sind aber für viele nicht erfüllbar. Da denken sich viele Junge, warum soll ich mir das überhaupt noch antun?“ Einig sind sich deshalb Bornett und Steixner, dass die Einführung eines Investitionsfreibetrages ein absolut richtiger Schritt wäre, um die Investitionen wieder anzukurbeln.

Konjunkturbericht Gewerbe und Handwerk Tirol
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