Wie Economy 4.0 die Welt verändert

Die Weltökonomie ändert sich so rasant und massiv wie noch nie. Zukunftsprognosen liegen infolge dessen immer öfter „daneben“, denn viele Entwicklungen verlaufen inzwischen exponentiell an Dimension und Geschwindigkeit. Economy 4.0 – alles nur zum Schlechten? Nein, im Gegenteil, meint der Tiroler IT-Pionier Reinhold Karner.

Verglichen zur 1. Industriellen Revolution im 18. Jahrhundert, die in Großbritannien durch die Erfindung der Dampfmaschine begann, entwickelt sich die heutige zehn Mal schneller, 300 Mal umfangreicher mit 3.000-facher Auswirkung. Das Vereinigte Königreich brauchte damals 154 Jahre, um die Wirtschaftsleistung pro Kopf zu verdoppeln. Indien und China schafften dies jüngst in nur 16 bzw. zwölf Jahren. Alleine in den letzten 30 Jahren hat sich der Welthandel verzehnfacht! War in den 1990er Jahren noch die USA der weltführende Produzent, so hat inzwischen längst China diese Rolle übernommen.
Auch verschiebt sich der geographische Schwerpunkt der Weltwirtschaft (WECG) um die halbe Welt! Lag dieser im Jahre eins für „ewig“ noch zwischen China und Indien, verlagerte er sich ab 1820 sukzessive in den Westen, lag 1950 in den USA und bewegte sich seit 1960 zuerst langsam, nun rasant, wieder in Richtung Osten. 2025 ist zu erwarten, dass dieser in China liegt. Das sind immense Verschiebungen! Wir sollten uns längst mehr nach Osten umorientieren!

Die treibenden fünf Mega-Umbruchskräfte dahinter sind:

  1. Die rasende Urbanisierung: Lebten 1900 nur zwei von zehn Leuten in Städten, werden es 2050 sieben von zehn Menschen sein. Mega-Städte schießen seit 20 Jahren in China, Indien und Südamerika aus dem Boden, von denen man in Europa großteils noch selten gehört hat. Diese Urbanisierungswelle spielte die Schlüsselrolle, um seit 1990 rund 700 Millionen Menschen aus der Armut zu bringen. Bis 2035 werden es voraussichtlich drei Milliarden sein! Diese „neue Armee“ an städtischen Konsumenten wird rund die Hälfte des Weltkonsums tätigen, ein enormes Zusatzpotenzial!
  2. Digitale Transformation und digitale Economy:
    Ein noch nie erlebter Schub im Technologie-Fortschritt, insbesondere der Digitalisierung, als Turbo-Beschleuniger für fast alle Sektoren. Computer, Kommunikationsvernetzung, Automatisierung, das künftige Internet der Dinge, Industrie 4.0, den additiven Fertigungstechnologien des 3D-Drucks, die neue Welt der „Smart-Machines“ (inkl. Robotern), künstlicher Intelligenz, usw. haben auf unsere intellektuellen Möglichkeiten ähnliche Auswirkungen wie die Dampfmaschine und ihre Ableger auf unsere Muskelkraft. Dies eröffnet ein völlig neues Spielfeld für eine schier explodierende Zahl an Innovationen und bietet eine „Globalisierung für den kleinen Mann“, da nun Start-Ups „global geboren“ und KMUs im Handumdrehen zu mikro-multinationalen Anbietern werden können.
  3. Material-, Bio-, Gen- und Nano-Technologien:
    Völlig neue Materialien und Werkstoffe mit überlegenen Eigenschaften in z. B. Festigkeit, Gewicht, Leitfähigkeit, Selbstreinigung oder Selbstheilung werden entwickelt. Das Verfahren der Manipulation von Materialien auf molekularer Ebene hat Nanomaterialien ermöglicht.
  4. Überdimensionale demographische Veränderungen: Die Weltbevölkerung ergraut dramatisch durch den Rückgang der Geburtenraten und der Erhöhung unserer Lebenserwartung. In den nächsten zehn Jahren wird rund ein Drittel der Welterwerbsbevölkerung in den Ruhestand gehen. Dies sind enorme Herausforderungen für die Gesellschaft, Wirtschaft und Staatskassen. Es braucht attraktive Konzepte, um Arbeitskräfte länger im Arbeitsprozess zu halten. Anstatt ältere Mitarbeiter als Belastung zu sehen, sollte man sie als wertvolle „Vermögenswerte“, Know-how-Träger und Ressourcen betrachten!
  5. Globalisierung (globale Waren-, Leistungs- u. Werteflüsse):
    Der Anstieg, die Diversifikation und Kraft dieser globalen Ströme sind von signifikanter Bedeutung. Je besser man vernetzt ist, desto besser ist dies für jede Wirtschaftsregion, außerdem verändert dies die Spielregeln des Wettbewerbs grundlegend.

Alles in allem ein riesiges Bündel an Chancen! Aber nicht alles, was technisch machbar ist, ist ungezügelt zu begrüßen. So ist sorgfältig abzuwägen, wo man künftig Roboter und künstliche Intelligenz begrenzt nutzt. Auf den zweiten Blick sind die neuen Nano-Materialien riskant, da es bislang kaum Entsorgungsmöglichkeiten gibt, was für Umwelt und Organismen verheerend sein könnte. Dennoch, die positive Bilanz überwiegt bei weitem!
Aber: Verlassen Sie sich nicht mehr auf bisherige Denk- & Entscheidungs-Schemas, denn fünf Jahre sind nun eine Ewigkeit! Dramatische Veränderungen kommen über Nacht aus dem „Nichts“. In dieser neuen Welt sollte jedermann seine Denkansätze stets neu hinterfragen, gegebenenfalls mutig und frech über den Haufen werfen!

Autor: Reinhold Karner

Reinhold Karner gründete 1986 das Tiroler IT-Pionier-Unternehmen KTW und ging in der Folge durch alle Höhen und Tiefen des Unternehmerseins.
2010 startete er in eine neue, inzwischen weltweit erneut sehr erfolgreiche Karriere, ist multinational tätiger Entrepreneur, Advisor für Unternehmer und Führungskräfte sowie Fellow von HighTech- und Zukunfts-Denkfabriken in USA, Europa und Asien.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!