KMU-Barometer: Erholung in Europa, Österreich hinkt nach

Das KMU-Barometer zeigt die Defizite in Österreich auf: Strukturreformen und gezielte Wachstumsimpulse sind nötig, damit die Stimmung in Österreichs Wirtschaft aufklart und der Anschluss an Europa gelingt.

Die europäischen KMU erwarten in den kommenden Monaten eine positivere Entwicklung. Die Aussichten hellen sich gegenüber der letzten Umfrage auf“, kommentiert Ulrike Rabmer-Koller, Präsidentin des europäischen KMU- und Handwerksverbandes und WKÖ-Vizepräsidentin, die aktuellen Ergebnisse des Europäischen KMU-Barometers.

In Summe liegen alle Indikatoren für die kommenden sechs Monate im positiven Bereich, wobei sich laut KMU-Barometer vor allem im Dienstleistungsbereich eine Verbesserung abzeichnet. „Die KMU meistern das weiterhin schwierige Umfeld. Erstmals äußern sich die KMU per Saldo positiv in Hinblick auf die Investitionen. Erfreulich ist auch, dass die Erwartungen zur Beschäftigung nach fünf Jahren negativer Ergebnisse erstmals wieder positiv ausfallen. Das ist ein wichtiges Signal für eine mögliche Trendwende“, so Rabmer-Koller.

Geschäftsklimaindex steigt, Herausforderungen aber bleiben

Der Geschäftsklimaindex steigt für KMU in Europa gegenüber der letzten Befragung vor einem halben Jahr auf 75,6 Punkte und liegt somit klar über der 70 Punkte-Marke, der Schwelle für ein neutrales Geschäftsklima. Die Tendenz in den südlichen Peripherieländern zeigt nach den erfolgreichen Reformen ebenfalls weiter nach oben. Auch bei den Kernländern steigt der Geschäftsklimaindex und festigt sich auf dem Niveau von 77,1 Punkten.

Die Ergebnisse fallen jedoch von Land zu Land sehr unterschiedlich aus. Die Erholung ist „getragen vom Konsum und hat noch nicht zu einer Wiederbelebung des Bausektors geführt“, so Rabmer-Koller weiter. Nach wie vor sind die wirtschaftlichen Aussichten mit Unsicherheit behaftet. Auf europäischer Ebene stehen Herausforderungen wie der Flüchtlingsstrom und die Frage eines Brexit an.

Österreich hat bei Investitionen großen Handlungsbedarf

Dringender Handlungsbedarf herrscht vor allem bei den Investitionen. Dies zeigt sich insbesondere bei den Ergebnissen für Österreich, wo die Erwartungen der Unternehmen deutlich unter dem europäischen Durchschnitt liegen. Die Stimmung in Österreich liegt an vorletzter Stelle, nur in Griechenland ist sie noch schlechter.

In Österreich wurden 2015 erste Schritte in die richtige Richtung gesetzt. Dieser Weg müsse 2016 konsequent fortgesetzt werden, fordert Rabmer-Koller: „Es braucht vertrauensbildende Maßnahmen und eine spürbare Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Unternehmen, insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen. Die wichtigsten Handlungsfelder für das Jahr 2016 sind mehr Entlastung und weniger Bürokratie, Impulse für Investitionen und die Verbesserung der Standortbedingungen.“

Wer reformiert, profitiert

Vor dem Hintergrund der im Vergleich dazu deutlich besseren Aussichten in Europa betont die Rabmer-Koller die Bedeutung von Strukturreformen. Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass sich die KMU in Ländern, die Reformen umsetzen, besser entwickeln als jene in Ländern mit einem geringen Reformtempo.
Positiv wertet Rabmer-Koller die EU-Investitionsoffensive (Juncker-Paket) der Kommission.

„Gerade KMU brauchen Möglichkeiten, um geplante Investitionen zu finanzieren. Ein leichterer Zugang zu Finanzierung ist gemeinsam mit gut ausgebildeten Fachkräften und einem Abbau der Bürokratie das Hauptanliegen von KMU. So kann es gelingen, von einem Anziehen der Konjunktur zu profitieren“, so Rabmer-Koller abschließend.

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