Standort Österreich verlangt nach Veränderungen

Hermann Lindner

Tirols Industrieobmann Hermann Lindner: „Im Bereich Forschung und Entwicklung müssen wir in Tirol odentlich Gas geben.“ Foto: WKT

Starker Standort – sichere Arbeitsplätze. Tirols Industrieobmann Hermann Lindner spricht mit wirtschaft.tirol über die größten Herausforderungen in der Industrie und mit welchen Problemen der Produktionsstandort Österreich zu kämpfen hat.

Der Produktionsstandort Österreich zählte in der Vergangenheit zu einem der besten in Europa. Er konnte durch Qualität und Innovation seiner Betriebe im internationalen Wettbewerb seine Position halten. Nur die Zeiten haben sich geändert. Vier Jahre in Folge ein Wirtschaftswachstum unter einem Prozent, ein Investitionsniveau, das unter jenem von 2008 liegt, und ein verlangsamtes Exportwachstum – das Bild als Qualitätsstandort ist ins Wanken geraten.

wirtschaft.tirol: Die Wirtschaft ist mit der derzeitigen Situation mehr als unzufrieden. Was sind die größten Herausforderungen für die Industrie?
Hermann Lindner: Die Liste ist lang. Unsere Unternehmen klagen u. a. über zu hohe Steuerbelastungen auf den Faktor Arbeit, überbordende Bürokratie und zu starre Arbeitszeitregelungen. Auch der nach wie vor anhaltende Technikermangel, der sich laut Prognosen in den nächsten Jahren nicht verbessern, sondern eher verschlimmern wird, muss bewältigt werden. Im Bereich Forschung und Entwicklung müssen wir ordentlich Gas geben, um mit der internationalen Konkurrenz mithalten zu können.

Im Arbeitsmarktgipfel wurde eine Senkung der Lohnnebenkosten beschlossen. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?

Mit diesem Beschluss dürfen wir nicht undankbar sein. Aber die insgesamt 0,7 Prozent bzw. fast eine Milliarde Euro bis 2018 sind langfristig gesehen viel zu wenig. Die Lohnnebenkosten liegen um 1,8 Prozent höher als der EU-Durchschnitt. Noch schlimmer ist die Situation bei der Abgabenquote. Wir verzeichnen mit 44,1 Prozent des Bruttoinlandproduktes eine der höchsten in Europa.

Nun zum Thema Forschung und Entwicklung. Tirol steht mit einer F&E-Quote von 3,14 Prozent doch eigentlich ganz gut da?

Wir liegen im Ländervergleich auf Platz vier, hinter der Steiermark, Wien und Oberösterreich. Das ist auf den ersten Blick eine Blechmedaille. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben für Forschung & Entwicklung liegt Tirol mit 1.265 Euro auf Platz drei hinter Wien (1.804 Euro) und der Steiermark (1.542 Euro).Bei den Ausgaben des Unternehmenssektors liegen wir in Tirol an fünfter Stelle – hier gibt es noch Aufholbedarf.

Ende Jänner wurde von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner eine Initiative zum Bürokratieabbau und zur Vereinfachung des Kumulationsprinzips bei Strafen gestartet. Wie sehen Sie diese Entwicklung?

Diese Initiative von Leitl und Mitterlehner ist absolut zu begrüßen. Wir unterstützen sie zu einhundert Prozent. Denn gerade in diesen beiden Bereichen benötigen wir dringend Lösungen, die uns das Wirtschaften nachhaltig erleichtern.

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!