EU-Kommission warnt vor dramatischen Folgen von Grenzkontrollen

Die EU-Kommission befürchtet bei langfristigen Grenzkontrollen in Europa dramatische Folgen und Belastungen in Höhe von bis zu 18 Milliarden Euro im Jahr. Neben dem Transportgewerbe ist auch eine der wichtigsten Branchen Tirols betroffen.

“Die Wiedereinführung von Grenzkontrollen würde gewaltige ökonomische, politische und soziale Kosten nach sich ziehen”, zitiert die “Süddeutsche Zeitung” am Donnerstag aus einem Kommissions-Entwurf zur Rettung von Schengen.

Die zusätzliche wirtschaftliche Belastung entspräche bis zu 0,13 Prozent der Wirtschaftsleistung im Schengen-Gebiet. Am stärksten würden die Grenzkontrollen den Güterverkehr auf der Straße betreffen. Allerdings stehen dort nicht nur Lkw im Stau, sondern auch 1,7 Millionen Arbeitnehmer, die täglich innerhalb der EU über Grenzen zur Arbeit fahren. Nach Berechnungen der Brüsseler Behörde kämen auf die Unternehmen, die diese Menschen beschäftigen, Kosten zwischen 2,5 und 4,5 Milliarden Euro zu, schreibt die “Süddeutsche Zeitung” – wegen verlorener Wartezeit an den Grenzen.

Auch der Tourismus würde leiden. Der EU-Kommission zufolge würden weitaus weniger Besucher nach Europa kommen. 13 Millionen Übernachtungen gingen dadurch verloren, ein Milliardenverlust für die europäische Tourismusindustrie. Außerdem gebe es noch administrative Kosten von mindestens einer Milliarde Euro. Denn wer Grenzkontrollen einführt, braucht mehr Polizei und Zollbeamte. Zudem müssten auch Grenzposten errichtet werden. Das würde “weitere mehrere Milliarden” kosten, wie die EU-Kommission demnach schreibt.

Der Zeitung zufolge hat die Brüsseler Behörde einen Fahrplan (Roadmap) skizziert, um Schengen in der Flüchtlingskrise wieder voll funktionstüchtig zu machen. Als erstes solle Griechenland mit der Grenzschutzagentur Frontex geholfen werden, die EU-Außengrenzen zu sichern. Spätestens Mitte Mai solle Athen über die Fortschritte berichten. Im Herbst solle dann die neue europäische Grenz- und Küstenwache einsatzbereit sein. Bis Ende des Jahres sollten dann alle Grenzkontrollen im Schengen-Raum wieder aufgehoben sein.
(APA)

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