Bevölkerungszahl steigt, aber wo bleiben die Fachkräfte?

Eine neue Bevölkerungsprognose macht deutlich: Das Fachkräfteproblem ist nicht quantitativ bedingt, sondern hauptsächlich auf fehlende Qualifikation zurückzuführen. Die Arbeitslosenzahlen steigen, gleichzeitig war es bei vielen Stellen noch nie so schwierig, sie zu besetzen.

Im Rahmen der Bevölkerungsprognose aus dem Jahr 2011 wurde davon ausgegangen, dass das Alterssegment der 15- bis 59-Jährigen in Tirol bis zum Jahr 2035 um rund 36.000 Personen von 451.000 auf 416.000 zurückgeht.

Jetzt holt die Realität aber die Statistik ein. Laut neuester Prognosen wird die Entwicklung genau gegenteilig verlaufen: Das für die Wirtschaft so wichtige Alterssegment der 15- bis 59-Jährigen wird steigen. Bis zum Jahr 2020 sogar auf über 467.000 Personen. Im Jahr 2020 werden somit um über 20.600 Personen mehr am Arbeitsmarkt verfügbar sein, als man noch in der Prognose aus dem Jahr 2011 berechnet (damals ging man von rund 447.000 Personen aus).

Auch in dem für die Fachkräfteausbildung relevanten Alterssegment der 14- bis 18-Jährigen kann im Wesentlichen in den kommenden Jahren von einer stabilen Entwicklung ausgegangen werden. Aktuell (2016) umfasst dieses Segment 37.870 Jugendliche. Im Jahre 2020 werden es 37.258 Jugendliche sein. Allerdings: Bis zum Jahr 2035 steigt (!) das Segment der 14- bis 18-Jährigen auf über 40.000 Personen an!

Qualifikation wird zum entscheidenden Faktor

Aufgrund der neuen Bevölkerungsprognose der Statistik Austria ist der Rückgang in dem für den Arbeitsmarkt besonders relevanten Segment der 15- bis 59-Jährigen weitaus geringer als noch vor einigen Jahren berechnet! Bei dem für die Fachkräfteausbildung relevanten Segment der 14- bis 18-Jährigen ist sogar beginnend ab dem Jahr 2023 bis zum Jahr 2035 ein Anstieg von über 5.000 Personen zu erwarten.

Unter Berücksichtigung eines jährlichen Anstiegs der Arbeitsproduktivität im Ausmaß von ca. 1 bis 2 Prozent bedeutet dies, dass in Zukunft nicht die Anzahl der verfügbaren Personen das Hauptproblem am Arbeitsmarkt darstellen wird, sondern, ob diese Personen auch die passende Qualifikation haben. Der sogenannte Mismatch, das Auseinanderklaffen zwischen Qualifikation und Anforderungen, ist bereits jetzt für viele Unternehmen ein reales Problem. (Mehr dazu unter Arbeitslosigkeit: Nicht Wachstum, Qualifikation ist das Problem).

In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Schüler-Prognose nach Schultypen zu beachten: Bis zum Schuljahr 2020/21 wird laut Prognose die Anzahl der Schüler und Schülerinnen, welche eine gewerbliche und kaufmännische Berufsschule besuchen, in Tirol von 12.647 auf 11.943, also um 704 Schüler, zurückgehen. Insgesamt ist zu erwarten, dass die Anzahl der Jugendlichen weiter steigen wird, welche nicht über eine für den Arbeitsmarkt adäquate Ausbildung verfügen.

Qualifikation als Schlüssel

Ein Ausweg aus dem Facharbeitermangel lautet bedarfsorientierte Qualifizierung. Diese fängt bereits bei der Auswahl der Lehrstellen an. “Die Jugendlichen müssen ihrem Talent entsprechend den richtigen Ausbildungsplatz bekommen. Das ist die Kunst. Es ist ein harter Kampf”, erklärte unlängst WK-Vizepräsident Martin Felder (Mehr dazu unter: Facharbeitermangel in Tirol: Es ist total verrückt!).

Entsprechende Qualifikationen sind heutzutage der Schüssel zum Arbeitsmarkt. Die Forderung ist daher klar: Das Missverhältnis zwischen Anforderungen und Qualifikation muss verringert werden. Die Arbeitsmarktpolitik sollte sich besonders mit jenen Wirtschaftsbereichen beschäftigen, die in den letzten Jahren erheblich vom strukturellen Wandel betroffen sind.

Autor: Mag. Stefan Garbislander

Stefan Garbislander ist Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik und Strategie in der Wirtschaftskammer Tirol.

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