Standort Tirol: Es geht nicht um Jammerei, es geht um die Wurst!

Der Standort Tirol wackelt. Die Wirtschaftskammer hat zu Arbeitsrecht neu, Fachkräftemangel und Sicherung des Sozialsystems konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt. Doch AK, ÖGB und SPÖ mauern.

Die WK Tirol hat diese Woche, sorgsam überlegt und juristisch geprüft, Vorschläge zu Verbesserungen im Arbeitsrecht gemacht. Es ging um die Teilarbeitsfähigkeit, um unerwünschte Verlängerungseffekte bei der Arbeitslosigkeit, um mehr Effektivität bei Kuren. Es ist eigentlich traurig – aber es war zu erwarten: Die Reaktionen von AK, ÖGB und SPÖ haben nicht lange auf sich warten lassen. Aber nicht im Sinne einer inhaltlichen Debatte. Leider war auch das zu erwarten. Die vereinigte Arbeitnehmer-Front wischt jeden konstruktiven Vorschlag vom Tisch und gefällt sich in Klassenkampf-Parolen. Es handle sich um einen “Angriff auf die Rechte der Arbeitnehmer, um Jammerei und Schlechtreden”. Und SPÖ-Vorsitzender Mayr meint lässig, die Vorschläge “kosten ihn gerade einmal einen Huster”. WK-Präsident Jürgen Bodenseer ärgert sich: “Dieses Macho-Gehabe bringt den Standort Tirol und seine Mitarbeiter inhaltlich keinen Millimeter weiter.”

“Für Heilige Kühe ist kein Platz im Stall ”

Jürgen Bodenseer

Es gibt gute Gründe für den WK-Vorstoß und konkrete Ansätze zur Umsetzung. Dass im Land mit diesen überfälligen Korrekturen die soziale Kälte ausbricht, ist nicht zu erwarten: Soeben hat eine Studie der OECD belegt, dass Österreich bei den Sozialausgaben im absoluten Spitzenfeld liegt. “Die Herausforderung für die Zukunft wird es sein, die Finanzierung des Systems sicher zu stellen”, erklärt WK-Präsident Jürgen Bodenseer, “für Heilige Kühe ist in Zeiten enger Budgets kein Platz mehr im Stall.”

“Bei den Fachkräften brennt der Hut”

Hermann Lindner

“Auch die Tatsache, dass uns die Fachkräfte ausgehen, wird gerne als Jammerei seitens der Unternehmer abgetan. Doch der Arbeitsmarkt bei Fachkräften ist völlig ausgetrocknet”, erklärt WK-Vizepräsident Martin Felder: “Die Anforderungen der Wirtschaft und die Qualifikation der Bewerber passen nicht zusammen. Das ist das Problem!”, hält Felder fest. Die Arbeitslosigkeit liegt zu 85 Prozent darin begründet, dass die Qualifikation der Bewerber nicht gegeben ist (“Mismatch”). Wie berichtet, bleiben in Folge Facharbeiterstellen einfach unbesetzt. Dazu kommt noch die Abwanderung von qualifizierten Fachkräften: “Tatsache ist – es brennt der Hut. Wir müssen aufpassen, dass uns das Know-how nicht verloren geht. Viele Absolventen gehen scharenweise ins Ausland”, erklärt Industrie-Spartenobmann Hermann Lindner. Tirol muss in den nächsten Jahren Rezepte in der bedarfsorientierten Berufsbildung entwickeln, da sonst Schlüsselkräfte in wichtigen Bereichen fehlen. “Die Arbeitnehmervertreter müssen sich der Ernsthaftigkeit dieses Themas endlich bewusst werden und mit uns Unternehmern an einem Strang ziehen”, fordert Felder.

“Standortpolitik ist Arbeitsmarktpolitik”

Martin Felder

Sowohl beim Thema Sozialsystem als auch beim Thema Fachkräfte kann man vom Sozialpartner mehr verlangen als plumpe Abwehrreaktionen. Es geht um den Standort – und damit auch um die Sicherung der Arbeitsplätze. “Standortpolitik ist Arbeitsmarktpolitik. Diese Binsenweisheit scheinen Zangerl und Co immer noch nicht begriffen zu haben”, fordert Martin Felder zu einem Schulterschluss auf.

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