Konjunktur: Zahlen sind besser als die Stimmung!

Tirol ist und bleibt besser. Die guten Tiroler Konjunkturdaten gehen aber primär auf Industrie und Verkehr zurück, KMU bleiben verunsichert. WK-Präsident Bodenseer fordert Investitionsanreize. Eine Branche bekommt die Steuerreform schon besonders zu spüren.

Der TOP Tirol Geschäftsklimaindex erreicht im Dezember 2015 mit 34 Prozent-Punkten den höchsten Wert seit Beginn der Krise 2008.„Bei Tirols Unternehmern zeichnet sich langsam eine Verbesserung ab. Die Umsatzerwartungen hellen sich auf, weil aus den einzelnen Branchen, vor allem der Industrie, positive Stimmen kommen“, bringt WK-Präsident Jürgen Bodenseer die aktuelle wirtschaftliche Situation in Tirol auf den Punkt. Der Geschäftsklimawert liegt mit 34 Prozent-Punkten im langjährigen Vergleich der Dezember-Werte deutlich über dem Durchschnitt. Aktuell bewerten 46 Prozent der befragten Leitbetriebe die wirtschaftliche Situation als gut, nur sieben Prozent sind unzufrieden. „Vor allem die Exportwirtschaft ist guter Hoffnung, 50 Prozent der exportierenden Betriebe erwarten sich für 2016 steigende Umsätze. Der Optimismus kommt also eher von den Großbetrieben, die KMU hingegen zeigen sich verhaltener“, erklärt Bodenseer.

29 Prozent der Unternehmen wollen weniger investieren, im Tourismus sogar 58 Prozent.Die Achilles-Ferse der wirtschaftlichen Entwicklung bleibt die mangelnde Investitionsbereitschaft der Tiroler Unternehmer. „29 Prozent der befragten Betriebe werden in den nächsten sechs Monaten ihre Investitionen zurückfahren, nur 19 Prozent planen mehr zu investieren als zuletzt“, nennt WK-Direktorin Evelyn Geiger-Anker die Zahlen. Die Gründe für die fehlenden Investitionsanreize sieht Präsident Bodenseer bei der Politik: „Für Investitionen braucht es Vertrauen, Stabilität und Planbarkeit. Die Bundesregierung hat diese Werte 2015 aber mit Füßen getreten! Wir sandeln weiter ab. Österreich liegt in Sachen Abgabenquote mit 43,6 Prozent europaweit an viertletzter Stelle. Nur Finnland, Belgien und Frankreich kommen noch hinter uns. Zum Vergleich: In Deutschland liegt die Abgabenquote bei 39,2 Prozent. Kein Wunder, dass wir in den Rankings immer mehr an Boden verlieren. Koalitionäre Machtspiele hin und ewig gestrige Gewerkschaftsthesen her. Die Axt ist am Baum, es muss dringend etwas getan werden!“ Das Rezept, so Bodenseer, sei klar. Es muss gespart, bei der Bürokratie gestrichen und den Unternehmern mehr Spielraum eingeräumt werden. „Es wird von Verwaltungs-, Pensionsreform und Bürokratieabbau nur geredet, aber es passiert nichts.“ Von der Landespolitik wünscht sich Bodenseer eine frühzeitige und wirkungsvolle Zusammenarbeit bei wirtschaftsrelevanten Themen, vor allem was den Ausbau der Wasserkraft und die Erschließung von Skigebieten betrifft, und grundlegende Änderungen bei allen Bewilligungsverfahren, um den steigenden finanziellen und zeitlichen Aufwand für die Bewilligung von Investitionsprojekten wieder umzukehren.

Tirol ist und bleibt besser. Während 2015 österreichweit ein reales Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent erzielt wurde, waren es in Tirol 1,3 Prozent. Für 2016 geht man in Österreich von 1,8 und in Tirol von 2,1 Prozent aus. Auch in Sachen Beschäftigung schneidet Tirol besser ab als der Durchschnitt. „Die Lage ist besser als die Stimmung“, erklärt Geiger-Anker und führt weiter aus: „Getragen wird das gute Ergebnis vor allem von Industrie und Verkehrswirtschaft. Die Stimmung im Handel sowie im Gewerbe ist etwas verhaltener und bei den Tourismusbetrieben, von der jüngsten Steuerreform besonders belastet, ist eine Unsicherheit deutlich spürbar.

„Die Politik braucht Mut zur Lücke. Wir sind schon abgesandelt genug. Der Mut, die Zuversicht und die Energie der Unternehmer sind da. Tirol ist zwar gut, aber wir könnten noch besser sein, wenn man uns lässt“, so Bodenseer.

 

 

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