Maut: Viel Fiktion und wenig Wahrheit

Aktuell wird viel über die Maut auf unseren Straßen – insbesondere am Brenner – diskutiert. Mit viel Emotion und wenig Sachverständnis. WK-Verkehrsexperte Josef Ölhafen klärt auf.

1 . Die Mauthöhe ist kein Wunschkonzert

Die Grundsätze für die Berechnung der Maut für Schwerfahrzeuge ist in der EU-Wegekostenrichtlinie von 1999 klar geregelt. Die Höhe der Maut hat sich ganz klar an den Bau- und Finan-zierungs- sowie den Erhaltungs- und Sanierungskosten der Straße zu orientieren. Für besonders aufwändige Gebirgsautobahnen und -Schnellstraßen kann zusätzlich eine Sondermaut eingehoben werden. Dies ist in Tirol für die Brennerautobahn und für den Arlbergstraßentun-nel der Fall. Darüber hinaus kann zur Querfinanzierung von grenzüberschreitenden Hochleistungsbahnen eine zusätzliche Sondermaut von max. 25 Prozent eingehoben werden. In Tirol wird sowohl für den Streckenanteil zwischen Kufstein und Innsbruck auf der Inntal-autobahn, als auch für die Brennerautobahn zur Mitfinanzierung des Brennerbasistunnels eine solche Sondermaut für Lkw und Busse verrechnet.

2. Mautsenkung am Brenner ist logische Konsequenz

Die Senkung der Mauttarife auf der Brennerachse und die Anhebung der Tarife auf der Pyhrn- und Tauern-Achse ist notwendig geworden, weil die Grundsätze der Wegekostenrichtlinie offensichtlich nicht eingehalten worden sind. Die momentan verrechneten Tarife überdecken die Kosten für Infrastruktur und Sanierung auf der Brennerautobahn bei weitem. Um ein Vertragsverletzungsverfahren mit empfindlichen Strafen und Rückzahlung der zu hoch verrechneten Mauten zu vermeiden, ist daher eine Absenkung der Brennermaut unumgänglich.

3. Maut in Tirol um das 6-fache teurer als Deutschland

Zuletzt wurde – ohne die Fakten zu nennen – behauptet die Tiroler Maut sein eine “Billigmaut”. Die Wahrheit ist eine andere: für die 110 Kilometer Autobahn zwischen Kufstein und Brenner beträgt die Maut für einen Lkw (Euro-6, Tagfahrt, 5-Achsen) nicht weniger als 82,05 Euro. Die selbst Strecke kostet in Italien 19,22 Euro und in Deutschland gar nur 12,29 Euro.

4. Asfinag kennt EU-Überwachung nur zu gut

Die zuständigen Stellen in der EU wachen sehr sorg-sam über die Einhaltung dieser Regelungen, weil mit der Höhe der Maut natürlich auch EU-widrige Wirtschaftsbarrieren errichtet werden können. Die Asfinag kann davon bereits ein Lied singen, weil sie über 150 Mio. Euro an zu viel verrechneter Brenner-Maut zurückzahlen musste.

5. Neu: Externe Kosten werden mitgerechnet

Mit der Überarbeitung der Wegekosten-RL im Jahr 2006 wurde festgelegt, dass zusätzlich noch externe Kosten des Straßenverkehrs – wie Luftschadstoffe und Lärm – miteingerechnet werden können (in Österreich allerdings noch nicht in nationales Recht umgesetzt).

Autor: Mag. Josef Ölhafen

Josef Ölhafen ist der Geschäftsführer der Sparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Tirol und anerkannter Experte in Verkehrsfragen in ganz Österreich.

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