“Erfolgreiche Familienbetriebe ticken radikal anders”

Beratungsexperte Markus Weishaupt spricht im Interview mit Wirtschaft.tirol darüber, was den Erfolg von Familienunternehmen ausmacht.

75 Prozent aller Unternehmen der Welt sind Familienunternehmen, so auch in Europa. Sie erwirtschaften etwa die Hälfte des europäischen Bruttoinlandsproduktes und rund 50 Prozent aller Arbeitnehmer sind bei Familienunternehmen beschäftigt. In Österreich ist die Gewichtung von Familienunternehmen noch viel höher. Markus Weishaupt weist darauf hin, dass bis 2008 Familienunternehmen noch als rückständig belächelt wurden und erst seit Kurzem als Form eines besseren Kapitalismus gelten. Und erfolgreiche Familienunternehmen hätten eine ganz eigene DNA.

Markus Weishaupt

Markus Weishaupt weiß, was den Erfolg von Familienbetrieben ausmacht. Foto: WKT

Wirtschaft.tirol: Sie haben mehr als 200 Gespräche mit Unternehmern geführt. Ihr Buch wird als Standardwerk für Familienbetriebe bezeichnet. Was war das Ziel der Studie?

Weishaupt: Die Intention hinter dieser Untersuchung war es, die Erfolgsfaktoren der besten Unternehmen auszumachen, zu verstehen, was die wirklich erfolgreichen von den guten unterscheidet, wie sie ticken. Dass sich daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, dass sich aus den Mustern Handlungsanleitungen ableiten lassen, habe ich erst später erkannt.

Und, wie ticken die erfolgreichen Familienunternemen?

Radikal anders. Erfolgreiche Familienunternehmen zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht im, sondern am Unternehmen arbeiten. Die große Herausforderung liegt darin, in Aktion zu kommen, zu sehen, wo liegt mein Handlungsbedarf und sich daran anzupassen.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Die Miba AG zum Beispiel ging damals an die Börse. Aber nicht, um Geld zu sammeln, sondern um die Transparenz des Unternehmens innerhalb der Familie zu steigern. Hier wurde das Management frühzeitig an die Herausforderungen des Betriebes angepasst. Mit Weitblick jene Schritte unternehmen, um sich anzupassen. Gründlich, total, kompromisslos, das ist es, was die Erfolgreichen auszeichnet.

Also weniger eine Frage der DNA, sondern vielmehr, was man aus den Erbanlagen macht?

Alle Familienunternehmen haben die intrinsische Fähigkeit, so gut zu werden. Denn die Konvergenz von Eigentum und Führung ist eine Struktur, die nicht nachgebaut werden kann. Doch es gilt, an dieser Fähigkeit zu arbeiten. Die Erbanlage ist mir zwar gegeben, aber ich muss was daraus machen. Das beste Unternehmen ist nämlich das kapitalmarktfähige Familienunternehmen, das stets verkaufbar ist, aber nie verkauft werden will.

Wie kann ein Familienunternehmen das Beste aus seiner DNA machen?

Indem es die richtigen Ziele definiert und die richtigen Maßnahmen setzt, um dieses Ziel zu erreichen. Solche Ziele sind zum Beispiel Langfristigkeit, Innovation, Internationalität, Loyalität, Wertschätzung, Handschlagqualität, finanzielle Unabhängigkeit.

Und Ihr Buch ist ein Leitfaden dafür?

Ja. Es gibt nicht für jedes Thema eine Lösung. Aber es ist ein Geschäftsmodell, aus dem die Betriebe Initiativen ableiten und sich Tipps holen können. Es sind Erkenntnisse, die von Praktikern aus der Praxis heraus stammen.

 

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