Die Tyroler Glückspilze

Marc und Manuel Stüttler machen die bunte Welt der Pilze für den Konsumenten erlebbar. Über die Jahre haben die Pioniere an die 470 Kulturen gezüchtet. Für künftige Projekte setzen sie auf Crowdfunding.

 

Mark Stüttler rückt die Kapuze des weißen Schutzanzuges zurecht und stülpt den Mundschutz über. Dann betritt er den sterilen Bereich der 800 Quadratmeter großen Produktionshalle in Innsbruck. Auf den Arbeitsbänken stehen Petrischalen, in denen die Sporen und Myzele vermehrt werden, ehe aus dem Bio-Substrat die Tyroler Glückspilze sprießen. Vitalpilze wie Reishi, Raupen-, Shiitake oder Mandelpilz – in Bio-Qualität gezüchtet und geboren im Herzen der Alpen.

Lange Tradition

„Der Pilz ist ein 900 Millionen Jahre altes Individuum mit rund eineinhalb Millionen Gattungen, von denen gerade einmal zehn Prozent deklariert sind”, erklärt der Experte und ergänzt: „Unser Ziel ist es, dieses wunderbare Produkt aus dem Wald, aus dem Labor heraus und auf den Markt zu bringen. Denn die Einsatzfelder sind schier grenzenlos.” In der Medizin, zum Reinigen von Böden, für den Lebensmittelbereich, für Kunst und Dekoration, aber auch als Dämmmaterial in der Bau- und als Styroporersatz in der Verpackungsindustrie können Pilze verwendet werden.

„Über die Jahre haben wir an die 470 Pilz-Kulturen gezüchtet. Es gibt 1,5 Mio. Gattungen und wir kennen erst einen Bruchteil.”

Marc Stüttler

Schon seit 17 Jahren beschäftigen sich die Brüder Mark und Manuel Stüttler mit der faszinierenden Welt dieser Lebewesen. Nach vielen Jahren der Forschung machen die Pilzpioniere die Ergebnisse nun für den Konsumenten nutzbar.

„Wir mussten uns das Wissen selbst aneignen, auf keiner Uni wurden höhere Pilze gelehrt”, sagt Stüttler, steigt aus seinem Anzug und streift die Handschuhe ab. Doch mit bahnbrechenden Forschungs- und Zuchtergebnissen wurden die Tyroler Glückspilze zum anerkannten Partner für Universitäten auf der ganzen Welt. Vor neun Jahren haben die Brüder die Forschungsabteilung MRCA (Mushroom Research Center Austria) gegründet. „Hier gehen wir in Zusammenarbeit mit den Unis der Frage nach, wie sich welche Pilze vermehren lassen, was dem Schwammerl schmeckt, unter welchen Bedingungen es ein glückliches ist.” Diese Ergebnisse werden vom 2012 gegründeten Produktionscenter aufgegriffen und umgesetzt. „Über die Jahre haben wir an die 470 Pilz-Kulturen gezüchtet.”

Hilfe der Crowd

2014 wurde mit Hilfe eines Crowdfunding-Projektes die Produktlinie für Bio-Vitalpilze als Nahrungsergänzungsmittel erfolgreich auf den österreichischen Markt gebracht. Für den nächsten Schritt, so Stüttler, braucht es nochmals die Unterstützung aus der Crowd.

„Um die Produktionskapazitäten ausweiten zu können, brauchen wir nochmals die Hilfe der Crowd.”

Marc Stüttler

Investiert wird dieses Mal nämlich in die Ausweitung der Produktionskapazitäten, um die geplanten Mengen auch zu decken. „Wir haben ein neues Produktionsverfahren entwickelt. Damit sind wir als einziger europäischer Anbieter in der Lage, den Großhandel und die Industrie mit Vitalpilz Nahrungsergänzungen zu beliefern – in Tiroler Bio-Qualität. Bisher wurde der Markt fast ausschließlich durch Vitalpilz-Produkte aus China bedient. Durch intensive Forschungen ist es uns gelungen, optimierte Anbautechniken für diverse Sorten zu entwickeln. So kann mit niedrigeren Herstellungskosten eine größere Menge qualitativ hochwertiger Produkte erzeugt werden”, sagt der Experte und fügt mit einem Lächeln hinzu: „Wie die Tyroler Glückspilze das machen, ist allerdings ein gut gehütetes Firmengeheimnis.”

Auch wenn der Fokus erstmal auf diesem Produkt liegt, forscht, tüftelt und entwickelt das dynamische Duo auch in anderen Bereichen. So stellen sie etwa den Bodenhilfsstoff Mykorrhiza her (Pilze zur Förderung des Pflanzenwachstums) und beliefern Bauern in ganz Österreich mit Pilzbrut („Saatgut für Pilze”) und Substraten für den Bio-Anbau. Die Welt der Pilze ist so bunt, „wir kratzen gerade einmal an der Oberfläche”, weiß Stüttler. Ein künftiger Plan ist der Bau eines Pilzkompetenzzentrums mit Farm und Schulungsräumen.

„Wir verkaufen ja nicht nur einen Turnschuh, sondern die gesamte Sportabteilung. Du musst die Leute ausbilden und schulen”, umschreibt es der Experte. Das braucht nicht nur einen langen Atem, sondern auch starke Partner.

 

» Weitere Informationen: Wenn Sie das innovative Unternehmen unterstützen wollen finden Sie alle Details zum Crowdfunding bei Green Rocket. Alle Infos zum Unternehmen finden Sie bei Tyroler Glückspilze.

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