V&F Analyse- und Messtechnik: Aus dem Rauch heraus!

Bei V&F Analyse- und Messtechnik in Absam gehen Unternehmertum und Wissenschaft Hand in Hand: Zwei Atomphysiker produzieren Geräte, die Verunreinigungen in Gasen erkennbar machen – gefragtes Know-how für viele Branchen.

Mitte der 1980er Jahre in einem Graphit-Werk irgendwo in Schweden. Werner Federer und Johannes Villinger stehen auf einem verrosteten Eisengestell in 25 Meter Höhe, ausgerüstet mit ihren Messinstrumenten, unter ihnen die 2.500 Grad heißen Graphit-Matten. Ein Fehltritt bedeutet den sicheren Tod. Die Umweltbehörde hatte die findigen Atomphysiker beauftragt, die Verunreinigungen im Werk zu messen, um den gehäuften Krebsfällen in der Gegend auf den Grund zu gehen.

2015. 30 Jahre nach diesem Auftrag in Schweden, sitzen die beiden im Besprechungsraum ihres Unternehmens V&F Anlayse- und Messtechnik GmbH in Absam und blicken auf eine turbulente Zeit zurück. Damals fuhren sie ihre Instrumente für die online Gasanalyse tausende Kilometer in einem alten VW-Bus durch Europa, heute stehen ihre Geräte, mit denen Verunreinigungen in Gasen erkennbar werden, auf jedem Kontinent der Erde und finden in vielen Branchen (siehe Infobox) Anwendung – vor allem in der Industrie. Die Basis für den Erfolg legte das Duo an diversen Universitäten, mit ihrer Forschung zum Ionen-Molekül-Reaktion Massenspektrometer. Und nachdem beide gerne an Motoren herumschrauben, haben sie damit begonnen, ein Mofa zu vermessen.

Anfänge in der Garage

„Angefangen haben wir in einer Garage und das erste Jahr von unseren Frauen gelebt“, können sie aus heutiger Sicht über die schwere Anfangszeit lachen. „Die Banken hätten uns Geld für einen Zahnarztstuhl gegeben, aber dass zwei Atomphysiker ein Unternehmen aufziehen, daran hat zunächst keiner geglaubt.“ Doch nach dem Besuch der Erfindermesse in Wien kamen die ersten Aufträge und „dann ging alles sehr schnell. Es ist wie eine Lawine über uns hereingebrochen“, sagt Villinger und Federer ergänzt: „Die Zeit war günstig. In den 1980er Jahren wurden erste Gesetze im Umweltbereich erlassen, es mussten Grenzwerte eingehalten werden und die Betriebe waren gezwungen, Messungen durchzuführen.“ Die größte Herausforderung, so die Physiker, war es, das Gerät aus dem Labor so industrietauglich zu machen, dass die Messungen auch von Nicht-Physikern durchzuführen waren.

„Wir studieren dynamische, nicht statische Prozesse. In dieser Online-Messung liegt unser Vorteil.“
Johannes Villinger

Die Geräte von V&F sind hochkomplex und teuer, aber vielseitig und unglaublich schnell. „Darin liegt unser Vorteil: Wir studieren das Leben, also dynamische und keine statischen Prozesse. Wir messen online, sozusagen aus dem Rauch heraus.“ Federer und Villinger sind gewissermaßen die Männer für die Entwicklung. „Unsere Geräte sind Kopfschmerztabletten für Ingenieure, wenn sie etwa an einem neuen Katalysator arbeiten.“

Entwickelt und produziert wird in Absam. Das Kernteam wird mit rund 20 Mann bewusst klein gehalten, Vertriebspartner hat das Unternehmen auf der ganzen Welt – die Exportquote liegt bei 99 Prozent.

„Wir stehen mit unserer Technologie an vorderster Front der Entwicklung“, sagt Villinger. Dass das Duo genau weiß, was es tut, zeigt der Erfolg. „Das Schöne an unserer Arbeit ist die Tatsache, dass unser Wissen einen Nutzen für die Menschen hat und wir einen Beitrag leisten können.“

„Unsere Geräte sind die Kopfschmerztabletten für die Ingenieure, wenn sie etwa einen Katalysator entwickeln.“
Werner Federer

Geschichte: Das erste von V&F entwickelte Gasmessgerät ist das CI-MS 500 Modell. Es wurde 1986 vorgestellt. Mit diesem Instrument startet die Serienproduktion von Massenspektrometern bei V&F. Heute hat das Tiroler Unternehmen Vertriebspartner auf der ganzen Welt, entwickelt und produziert Geräte für verschiedene Branchen.

Anwendungsfelder: Neben der Automobilindustrie werden die Instrumente von V&F auch in der Lebensmittel-, Getränke- und Tabakindustrie eingesetzt. Ein Beispiel hierfür ist die Qualitätskontrolle von Mehrwegplastikflaschen. Darüber hinaus ist das Team um Johannes Villinger und Werner Federer auch in der Forschung und der Umweltindustrie tätig, so verwenden etwa Stahlwerke und Raffinerien Geräte aus Absam in Tirol. Ein spannendes Feld ist die Medizin. So werden die Instrumente des Tiroler Unternehmens auf Intensivstationen verwendet, um die Moleküle in der Atemluft der Patienten zu messen. So können, etwa nach Transplantationen, Blutvergiftungen und andere Komplikationen schneller erkannt werden. Darüber hinaus kann auch etwa das Narkosemittel Propofol in der Atemluft gemessen und so für Operationen genau dosiert und verabreicht werden.

Johannes Villinger, Werner Federer

Johannes Villinger (l.) und Werner Federer (r.) sind Atomphysiker und erfolreiche Unternehmer. Foto: vandf.com

Diesen Post teilen
X

Ihre Anmeldung für aktuelle Tiroler Wirtschaftsnews – Fast geschafft!

Bitte überprüfen Sie Ihren E-Mail-Eingang. Sie erhalten in Kürze unter der angegebenen E-Mail-Adresse eine Nachricht mit einem Bestätigungslink.
Ein Klick auf den Bestätigungslink schließt die Anmeldung ab.

Sehen Sie gegebenenfalls unter „Werbung“ oder „Spamverdacht“ nach, sollten Sie die E-Mail nicht in Ihrem normalen Posteingang finden.

Jetzt Newsletter abonnieren und regelmäßig personalisierte Tiroler Wirtschaftsnews erhalten!
(Ihre Daten werden vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben)

Bitte warten, Sie werden angemeldet!
Bitte füllen Sie alle Felder aus!