“Die Menschen müssen barrierefrei sein!”

Der Osttiroler Andy Holzer ist erfolgreicher Extrembergsteiger, weltweit gefragter Top-Referent und von Geburt an blind. Im TW-Interview spricht er darüber, was Barrierefreiheit für ihn persönlich heißt.

Als Extrembergsteiger sind Sie ein Meister darin, große Hindernisse zu überwinden. Gibt es im normalen Alltag Barrieren für Sie?
Andy Holzer:
Bei mir ist es so, dass ich die Herausforderungen des Alltags nicht als Barrieren wahrnehme. Das Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, war nicht barrierefrei und ich habe beispielsweise nie gelernt, wie ein Blindenstock funktioniert. Dadurch, dass ich die Welt nie anders kennengelernt habe, habe ich Barrierefreiheit eigentlich nie vermisst.

Halten Sie es trotzdem für sinnvoll und wichtig, dass dem Thema Barrierefreiheit immer mehr Bedeutung zukommt?
Ja, unbedingt. Allerdings ist es notwendig, mit Hausverstand und logischem Denken an dieses Thema heranzugehen. Wenn nichtbehinderte Menschen versuchen, Barrierefreiheit für behinderte Menschen herzustellen, wird das nicht funktionieren. Der Spezialist der Barrieren ist der behinderte Mensch. Deshalb ist es wichtig, dass die betroffenen Menschen eingebunden werden – und zwar möglichst alle Gruppen gleichzeitig. Weil, was zum Beispiel für einen Rollstuhlfahrer eine Erleichterung bringt, kann für einen Blinden die Situation verschlechtern.

Ist eine umfassende Barrierefreiheit überhaupt möglich?
Nein, das ist nicht machbar, weil Barrieren und damit auch Barrierefreiheit, immer sehr individuell sind. Deshalb ist es umso wichtiger, dass zwischenmenschliche Barrieren abgebaut werden. In Wahrheit geht es nämlich nicht darum, Gebäude barrierefrei zumachen, sondern darum, dass die Menschen barrierefrei sind.

 

“Der Mangel an Empathie kann nicht einfach durch technische Normen und rechtliche Vorschriften kompensiert werden!”

Andy Holzer

Was meinen Sie damit?
Leider ist es heutzutage oft so, dass nichtbehinderte Menschen jegliche Empathie vermissen lassen. Dieser Mangel kann nicht einfach durch technische Normen oder rechtliche Vorschriften kompensiert werden. Sinnvolle, individuelle Lösungen können nur gefunden werden, wenn die Menschen aufeinander eingehen – wenn der Nichtbehinderte den Behinderten fragt, ob er ihm behilflich sein kann und wenn der Behinderte dem Nichtbehinderten genau sagt, was er braucht.

Haben Sie diesbezüglich einen Tipp für Unternehmerinnen und Unternehmer, wie sie mit dem Thema Barrierefreiheit umgehen sollten?
Die erfolgreichen Unternehmerinnen und Unternehmer sind immer die, die bestmöglich auf die Bedürfnisse ihrer Kunden eingehen – egal ob es sich dabei um einen Rollstuhlfahrer, einen Ferrari-Fahrer, einen Unternehmer aus Dubai oder einen blinden Menschen handelt. Wichtig ist es, keine Scheu zu haben. Der größte Fehler, den man machen kann, ist nämlich nicht, dass man einen Menschen mit Behinderung falsch anredet, sondern, dass man ihn überhaupt nicht anredet. Wenn die Menschen aufeinander zukommen und aufeinander eingehen, dann ist die größte Barriere schon beseitigt.

 

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BU: Der von Geburt an blinde Extrembergsteiger Andy Holzer aus Lienz ist als Vortragender auf der ganzen Welt unterwegs. Foto: andyholzer.com

 

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