Neues Energiezeitalter: Prickelnde Antworten aus Tirol

Die Tiroler Antworten auf den Abschied vom Fossilen sind so breit gefächert wie die Herausforderungen. Ob Wasserkraft, Wasserstoff-Brennstoffzelle oder sicherer Stromspeicher – Bundesinnungsmeister Gerald Prinz weiß: „Es kommt eine tolle Zeit auf uns zu.“

Das Tiroler Ziel, bis 2050 den gesamten Energiehunger des Landes zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern zu stillen und gleichzeitig den Energiebedarf um 50 Prozent zu senken, ist echt hoch gesteckt. Richtig hoch und genau genommen degradieren die Klimaziele von Paris und die Energiestrategie des Landes mit ihren positiven Frontalangriffen auf die Abhängigkeit von den fossilen Brennstoffen die Auswirkungen des Dieselskandals zu einem kleinen, wenn auch wirkungsvollen Muntermacher.

„Die Dieselgeschichte ist nachhaltig evident, sie ist Wasser auf die Mühle, damit das Thema E-Mobilität soziologisch wachsen kann“, ist Ernst Fleischhacker überzeugt. Die „Dieselgeschichte“ hat jedenfalls die Dynamik in den Unternehmen und bei den Käufern bzw. Kunden angeregt, sodass die Breitenwirksamkeit der Diskussion und die Aufmerksamkeit gegenüber den Alternativen gestiegen ist. Fleischhacker ist Strategieberater, Vordenker in Sachen Ressourcenbewirtschaftungs-System und Gründer des Green Energy Center Europe, das vergangenes Jahr in Innsbruck mit einer außergewöhnlichen Flotte eröffnet wurde.

Green Corridor

15 wasserstoffbetriebene Fahrzeuge hatten auf ihrer 2500 Kilometer langen Fahrt durch Europa Zwischenstopp in Innsbruck eingelegt und damit gezeigt, wie der so genannte H2-Korridor vom norwegischen Bergen bis nach Bozen funktioniert – oder eben vielmehr, dass er funktioniert. Eine Wasserstoff-Brennstoffzelle versorgt den Elektroantrieb dieser Autos mit Strom und eine Besonderheit ist, dass es nur bis zu vier Minuten dauert, um 5,6 Kilogramm Wasserstoff in den Tank zu pressen und derart sauber bis zu 500 Kilometer zurück zu legen.

 

 

Die energieeffiziente und CO2-freie Zukunft ist Thema Fleischhackers und des Green Energy Centers, das sich unter anderem als offenes Informationszentrum definiert, das Mitarbeiter von Firmen und Kunden von Morgen auf den Umgang mit Elektromobilitäts- und Wasserstofftechnologien vorbereitet. Der Systemwechsel, der durch die Entwicklung der neuen Mobilitätsformen möglich wurde, bedarf dieser Vorbereitung. „Es wird oft davon ausgegangen, dass irgendeiner einen Schalter umlegt und alle E-Autos fahren. Aus systemischer Sicht ist das ein Kapitalfehler“, sagt Fleischhacker, der Wasserstoff- und E-Mobilität als Ergänzungstechnologien sieht und „die Wende“ als einen Prozess, der schrittweise vonstatten geht.

Für Fleischhacker besteht aufgrund der rasch in weiteren Anwendungsgebieten zur Serienreife heran wachsenden H2-Technologien jedenfalls eine reale Chance, den Prozess des Wertschöpfungsabflusses aus Tirol durch Energieimporte Schritt für Schritt zugunsten der heimischen Wirtschafts- und Arbeitsplatzprozesse umzulenken. Mit zwei Milliarden Euro beziffert er die Summe, die in Tirol jährlich für den Zukauf von Öl, Kohle und Gas aufgebracht werden muss. Satt. Dass sich die Energieautonomie rechnet, hat Stefan Garbislander, Chef-Volkswirt der WK Tirol, bereits letztes Jahr modellhaft dargestellt.

Der Mensch ist schlau

Dass die Wasserkraft die ideale Voraussetzung ist, damit Tirol im Rahmen der Energiewende weltweit punkten kann – davon ist Gerald Prinz überzeugt. „Keine Frage – das ist die Energieerzeugung Nummer eins. Tirol ist führend in der Speicherkraft, wir haben dieses Thema erfunden“, sagt er. Prinz ist Landes- und Bundesinnungsmeister für Elektro-, Gebäude-, Alarm- wie Kommunikationstechnik und als solcher an vorderster Front bei den so spannenden wie diffizilen EU-Verhandlungen in Sachen Energiezukunft vertreten. Seine Begeisterung kann anstecken. „Es kommt eine tolle Zeit auf uns zu. Ich bin auch davon überzeugt, dass in Zukunft wieder neue Erfindungen dazu kommen werden. Der Mensch ist ja sehr schlau“, erkennt er die positive Dynamik, die stets zu Neuem führt. Vor allem in seinem Metier, das elektrifiziert ist und sich rund um Strom dreht – jenem Energielieferanten, mit dem die Fossilen zunehmend ersetzt werden.

Auch Prinz ist davon überzeugt, dass diese Entwicklung Schritt für Schritt laufen muss, wobei er nicht müde wird, ein Problem anzusprechen, das bei allem Enthusiasmus gerne ignoriert wird: „Man darf nicht vergessen, dass – beispielsweise beim Laden von E-Autos oder neuen Möglichkeiten der Heiztechnik – der Strom dorthin gebracht werden muss. Wir müssen die Netze benützen und die halten den Herausforderungen nicht stand.“

Im Frühjahr des Jahres hatte Prinz‘ Vorgänger als Bundesinnungsmeister, Joe Witke, das Problem folgendermaßen auf den Punkt gebracht: „Mit unserem Netz können keine drei Elektroautos gleichzeitig in einer Gasse laden. Wenn zu viele Elektroautos zum gleichen Zeitpunkt getankt werden, fällt die Spannung im Netz ab und die Ladestationen regeln ab, was zur Folge hat, dass manche Fahrzeugbesitzer in der Früh in ihre Autos einsteigen und feststellen werden, dass sie gar nicht aufgeladen sind.“

Bester Stromspeicher aus Tirol

Ein von Gerald Prinz initiiertes Pilotprojekt in Hall, das auch aufgrund der Fürsprache Franz Fischlers gute Chancen auf EU-Förderungen hat, soll unter anderem diese Belastung der Netze beweisen und die Notwendigkeit, dass zu einem E-Auto auch eine entsprechende Ladestation gehört, unterstreichen. „Elektrotechniker sagen schon seit Jahren, dass etwas mit denn Netzen getan werden muss“, weiß Prinz, der auf einer anderen entscheidenden Wegstrecke zur Energiewende bzw. zur Energieautonomie einen Tiroler Meilenstein sieht. „Stromspeicher spielen – etwa zur Zwischenspeicherung von selbst erzeugtem Solarstrom – eine entscheidende Rolle. Momentan gibt es nur zwei Speicher, die in Österreich zugelassen sind. Ein Salzwasserspeicher und der Stromspeicher des Tiroler Unternehmens Garamanta.“

Der GARABAT-Speicher ist eine Hochstrombatterie, die im Vergleich zu herkömmlichen Batterien eine wesentlich höhere Dauer-Leistungsabgabe ermöglicht. Dadurch sind GARABAT-Speicher vielseitig einsetzbar.

Der GARABAT-Speicher ist eine Hochstrombatterie, die im Vergleich zu herkömmlichen Batterien eine wesentlich höhere Dauer-Leistungsabgabe ermöglicht. Dadurch sind GARABAT-Speicher vielseitig einsetzbar.

Ende 2016 erst hatte die Speicherlösung aus dem Startup-Unternehmen der Gernot Langes Swarovski-Gruppe einen Härtetest mit Bravour bestanden. Im Auftrag des Wirtschafts-Magazins Trend war der erste Vergleich von Stromspeichern in Österreich durchgeführt worden. 225 internationale Speicher – darunter Mercedes Benz Energy und Tesla – wurden unter die Lupe genommen. Als Sieger ging der Garabat-Speicher aus dem Haus Garamanta hervor. „Durch seine Leistungsstärke kann der Garabat-Speicher die Sonnenenergie in nur kurzer Zeit aufnehmen und ebenso leistungsstarke Verbraucher wie einen Elektroherd versorgen“, heißt es. In dem Speicher, der eine Tiroler Antwort auf eine der größten Fragen im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien ist, steckt viel Forschung und Entwicklung sowie eine Bestätigung dessen, wovon Gerald Prinz überzeugt ist: „In Zukunft werden wieder neue Erfindungen dazu kommen. Der Mensch ist ja sehr schlau.“ Und einfallsreich.

 

» Mehr Informationen:
Green Energy Center
Garamanta – der leistungsstarke Batteriespeicher aus Tirol

 

 

 

 

 

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