Diesel-Bashing heizt Kraftstoff-Forschungen an

Händler und Kunden sind verunsichert, 5 Mrd. Euro Familienvermögen stehen auf dem Spiel. Während das Diesel-Bashing weitergeht wird im Hintergrund fieberhaft an Kraftstoff-Alternativen gearbeitet. Auch Tirol kann dabei eine große Rolle spielen.

Die Dynamik ist atemberaubend. Und das nicht nur, weil die manipulierten Werte der Stickstoffdioxid-Belastung durch Dieselfahrzeuge in aller Munde sind. „Wenn politische und wissenschaftliche Diskussionen parallel geführt werden, wird es brenzlig“, sagt Dieter Unterberger, Sprecher der Tiroler Autohändler.

Wenn diese Debatte das Sommerloch füllt, wird es fast schon gefährlich und Bemühungen, der allgemeinen Panikmache durch sachliche Differenzierung Grenzen zu setzen, sind vielfach zum Scheitern verurteilt. „Verschiedene Gruppierungen nutzen dieses Spielfeld jetzt für ihre Interessen“, sagt Unterberger und weist auf eine andere Dimension der Panikmache hin: „Es geht um 5 Milliarden Euro Familienbzw. Volksvermögen. Damit sollte man keinesfalls leichtfertig umgehen!“

Jüngst machte auch die österreichische Leasing-Branche auf ihr Diesel-Dilemma aufmerksam. Die mögliche Entwertung der dieselbetriebenen Leasing-Fahrzeuge setzt das System unter Druck, weil die Leasing-Rechnung am Ende nicht mehr aufgeht, sollte das Diesel-Bashing so weiter gehen und den Wiederverkaufswert der Fahrzeuge drücken.

Mehr als die Hälfte der Tiroler sind betroffen

Die allgemeine Verunsicherung trifft die Autobranche ins Herz – und mit ihr die Kunden, deren Zündschlüssel einen Selbstzünder starten. 59 Prozent der in Tirol zugelassenen Pkw (2016) sind Dieselfahrzeuge, was im leichten Umkehrschluss bedeutet, dass sich weit über die Hälfte der autofahrenden Tiroler derzeit Gedanken machen. Gedanken über die Zukunft ihrer persönlichen Mobilität und über den Wert ihres Fahrzeuges.

Im Zuge der großen Panikmache wird abseits der veröffentlichten Meinung weiter an alternativen Innovationen gearbeitet. Wobei „alternativ“ nicht „Elektro“ bedeuten muss. Hans Schweiger, Seniorchef des Autohaus Schweiger in Reutte, sagt etwa: „Wir sehen das optimistisch. Wir können den Diesel nicht wegdenken. Er wird sicher um vieles sauberer werden.“

Audi arbeitet an E-Fuel

Als Österreichs größter VW- und Audi-Händler beobachtet Schweiger die Entwicklungen logischerweise höchst aufmerksam und Juniorchef Simon Schweiger zeigt sich angesichts der Erfolge in der Entwicklung synthetischer Kraftstoffe wenig alarmiert vom Abgesang für die Verbrennungsmotoren. „Es gibt da beispielsweise ein Forschungsprojekt von Audi. Da wird Erdgas künstlich erzeugt“, lenkt Simon Schweiger den Blick in den Norden, wo Audi im niedersächsischen Werlte eine so genannte Power-To-Gas-Anlage betreibt. Bei der Herstellung dieser E-Fuels wird so viel CO2 aus der Atmosphäre entnommen, wie später bei der Verbrennung freigesetzt wird, was sie zu CO2-neutralen Kraftstoffen macht.

Mit der Methode kann Gas oder flüssiger Kraftstoff hergestellt werden und die Tatsache, dass das norwegische Unternehmen Nordic Blue Crude zehn riesige Fabriken plant, die den „Wunder-Diesel“ in großer Menge produzieren sollen, zeigt, dass die Alternative keine Utopie ist.

Saubere Verbrennung

Dass es Möglichkeiten gibt, Diesel-Autos fahren zu können, ohne die Luft zu verpesten, darf als Hoffnungsschimmer gesehen werden, selbst wenn die Kosten für die synthetischen Kraftstoffe noch nicht mit den ölbasierten Schritt halten können. Die Wirtschaftlichkeit der Anlagen ist aufgrund politischer Randbedingungen noch problematisch. „Man muss das politisch fördern, damit die synthetischen Kraftstoffe sich lohnen“, wurde Jakob Burger, Verfahrenstechniker an der Technischen Universität Kaiserslautern in dem Zusammenhang auf spiegel.de zitiert.

Die politischen Randbedingungen sind wohl der Knackpunkt und wie schon bei der Förderung der E-Mobilität ist China auch in dem Bereich einen „staatlich motivierten“ Schritt voraus. Dort werden beispielsweise synthetische Kraftstoffe, wie die so genannten OME (Oxygenmethylenether), bereits großindustriell hergestellt. OME, die auch Kraftgeber für elektronisch noch nicht zu betreibende Nutzfahrzeuge, Flugzeuge oder Schiffe werden könnten, sind flüssig, um sie zu nutzen, muss ein Dieselmotor nur geringfügig umgebaut werden und Ford baut bereits an einem Mittelklassewagen mit Dieselmotor, der mit OME fährt.

Klimaschonede Herstellung

Von Nachhaltigkeit kann bei der chinesischen Produktion allerdings nicht gesprochen werden, passiert der dort forcierte Prozess doch auf Kohlebasis, während in Europa die klimaschonende Herstellung der alternativen Kraftstoffe aus CO2 und Wasserstoff Priorität hat. Das ist die „Art“, bei der sauberer Strom eine essenzielle Rolle spielt. Darum werkelt Audi im Windstromland Niedersachsen und darum schlummern in dieser Alternative wohl auch Chancen für Wasserkraft-Länder wie Tirol.

„Da ist sehr viel im Gange“, erklärt Simon Schweiger seinen Optimismus im Zusammenhang mit den Verbrennungsmotoren. Auch Vater Hans Schweiger, der in einer Verschrottungs- bzw. Abwrackprämie für alte Diesel-Autos einen ersten positiven Schritt für die Umwelt sieht, sagt: „Es ist etwas in Bewegung gekommen. Es wird nach allen Seiten hin geforscht – das ist sicher gut.“ Stimmt.

Industrie ist gefordert

Dieter Unterberger bestätigt die Ambitionen der Hersteller. „Die Autoindustrie ist jetzt gezwungen noch innovativer zu sein.“ Die Hersteller haben bisher immer auf die Vorgaben bzw. Grenzwerte der Politik reagiert. „Bis vor kurzem war CO2 das große Thema, jetzt sind es die Stickoxide. Und auch diese Grenzwerte werden die Hersteller in den Griff bekommen“, ist Unterberger überzeugt.

 

» Mehr Informationen:
Audi e-gas Projekt
Nordic Blue Crude

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