Tischlerei Gorger: Erfolgreich am Steilhang

Die Fraktion Raut besteht aus einer Handvoll Gebäuden, die wie Schwalbennester in 1500 m Höhe am steilen Berghang kleben. Vor knapp sieben Jahren hat Tischlermeister Friedrich Goller hier den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – zunächst als Montagetischler für Betriebe der Umgebung.

Ermutigt durch viele Kundenanfragen setzte er aber schon 2012 den ersten betrieblichen Entwicklungsschritt und errichtete im Untergeschoß des 300 Jahre alten Wohn- und Wirtschaftsgebäudes eine Werkstätte. Welche enormen Herausforderungen zu bewältigen waren, davon zeugen Fotos im Aufenthaltsraum der Tischlerei. „Fünf Jahre habe ich allein gearbeitet, vor allem als Subunternehmer für einen auf Akustikelemente für Tonstudios spezialisierten Betrieb. Als dieser in wirtschaftliche Schieflage geriet und ausfiel, musste ich binnen weniger Tage entscheiden, ob ich einen Großauftrag übernehme. Drei hervorragende Fachkräfte meines bisherigen Auftraggebers waren bereit, mit mir dieses Wagnis einzugehen. Jetzt ist auch mein Sohn Simon, der nach der landwirtschaftlichen Facharbeiterausbildung die Tischlerlehre absolviert hat, fixer Bestandteil unseres Teams“, erzählt der Firmenchef.

Der Aktionsradius der Tischlerei Gorger – die Namensgebung erinnert an einen Vorfahren, der schon im 19. Jahrhundert Bauernstuben anfertigte – reicht inzwischen über Südtirol bis Mittelitalien und im Norden bis Hannover. Dorthin ging dieser Tage die letzte Lieferung für ein spektakuläres Projekt: Für das modernste Tonstudio Norddeutschlands wurden die Akustikelemente für den großen Orchester-Aufnahmeraum produziert. „Es waren 40 unterschiedliche Typen von rautenförmigen Wandelementen zu fertigen; außerdem auch noch Dutzende gebogene ‚Deckensegel‘. Ich bin stolz auf meine Mitarbeiter, die eine besondere Talentprobe abgeliefert haben“.

Gorger steht für Ordnung, Genauigkeit und Verlässlichkeit

Friedrich Goller ist zwischenzeitlich Experte im „Arbeiten über die Grenze“: „Wir achten sorgfältigst darauf, dass bei eventuellen Kontrollen alle notwendigen Dokumente und Bewilligungen – sie füllen schon einen dicken Ordner – vorliegen“. Ordnung, Genauigkeit, Verlässlichkeit und die Fähigkeit, mit exzellenten Mitarbeitern und einem zeitgemäßen Maschinenpark die ausgefallensten Wünsche von Kunden bzw. Planern umzusetzen – das sind wohl die entscheidenden Erfolgsfaktoren für die Tischlerei Gorger in Extremlage.

„Manches ist schon schwieriger hier heroben. Da braucht man beispielsweise einen geländegängigen Hubstapler, ein Allrad-Lieferfahrzeug mit speziellen Einbauten, die wir selbst vorgenommen haben und mit einem Ladegutsicherungszertifikat ,abgesegnet’ erhielten, und für den Datenaustausch zwischen Betrieb und dem Homeoffice unseres für die Planung zuständigen Mitarbeiters benötigen wir sogar eine Richtfunk-Internet-Station. Wir müssen uns ganz genau überlegen, wie wir das benötigte Material auf den Berg heraufbekommen, den Materialfluss an die beengten Raum- und Platzverhältnisse optimal anpassen und schließlich die fertigen, sehr oft hochempfindlichen Objekte heil zu den Kunden bringen“, räumt Friedrich Goller ein.

Der Rundgang durch Werkstätte, Büro und landwirtschaftliche Gebäude zeigt: Selbst langjährig genutzte Gerätschaften sehen aus wie neu, alles hat seinen fixen Platz, überall ist vorausschauende Planung erkennbar, aber auch Aufgeschlossenheit für Neues: Gerade erst wurde die EDV auf den neuesten Stand gebracht; in der Werkstätte hat man begonnen, mit „Brandschutz-Vollholz“ der Feuerwiderstandsklasse B1 zu arbeiten. Schließlich gilt es, handwerkliche Vielseitigkeit und Spezialkompetenzen harmonisch miteinander zu verbinden, um trotz schwieriger Rahmenbedingungen erfolgreich zu bleiben.

»Weitere Informationen: www.gorger.bplaced.net

Bei dieser Detailaufnahme sieht man einige der insgesamt 277, einzeln gefertigten Akustikelemente des großen Tessmar-Aufnahmesaales. An der Decke die ebenfalls aus der Tischlerei Gorger stammenden, gebogenen „Deckensegel“.

Bei dieser Detailaufnahme sieht man einige der insgesamt 277, einzeln gefertigten Akustikelemente des großen Tessmar-Aufnahmesaales. An der Decke, die ebenfalls aus der Tischlerei Gorger stammenden, gebogenen „Deckensegel“. Foto: Ole Bunke/Tonstudio Tessmar

 

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