Arbeitszeit im Tourismus: Flexible Spielräume dringend benötigt

Verändertes Gästeverhalten und der Ruf nach mehr Flexibilität seitens der Mitarbeiter: der Tourismus will raus aus der Grauzone. Die Abkehr von starren Arbeitszeiten ist ein Muss.

Pünktlich um 18 Uhr Abendessen? Schluss um 20 Uhr? Das war einmal. „Das Verhalten unserer Gäste hat sich massiv verändert“, erklärt Josef Hackl, Wirt vom Goldenen Adler in Innsbruck und Sprecher der Tiroler Gastronomen. „Heute genießt man nach dem Tag auf der Skipiste oder nach einer Wanderung noch den Wellness-Bereich und kommt entsprechend später zum Abendesssen.“

Des einen Freud, des Touristikers Leid. „Wenn unsere Mitarbeiter bis 23 Uhr im Restaurant sind, dann bekommen wir ein riesiges Problem mit der Nachtruhe“, so Hackl. Die Unternehmen müssen raus aus der juristischen Grauzone, flexible Lösungen sind damit auch im Tourismus dringend gefragt.
Zwischen Unternehmern und Mitarbeitern besteht in dieser Forderung Einigkeit. „Es geht nicht darum fürs gleiche Geld mehr zu arbeiten“, sagt Hackl, „es geht um eine bessere Verteilung der Normalarbeitszeit – mit Vorteilen für alle Beteiligten.“

Wie überhaupt die Mitarbeiter Notwendigkeit und Vorteil von flexiblen Arbeitszeitmodellen längst erkannt haben und unterstützen. 90 Prozent schätzen sich laut aktueller market-Umfrage selbst als flexibel ein und sind bereit, phasenweise länger zu arbeiten. Noch ist Flexibilität aber die Ausnahme.

Mehr Flexibilität an den Randzeiten

Prof. Michael Bartz von der IMC FH Krems hat den Status quo und mögliche Alternativen zum starren Einheitsbrei im Detail untersucht: „Was wir derzeit sehen, ist eine Art sozialer Handschlag zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmeren. Der Hintergrund: Ihre Interessen gehen konform, weil beide Seiten eine neue Art von Flexibilität in der Arbeit brauchen.“ Einer der Kernbereiche ist für Bartz die Forderung nach mehr Randzeitenflexibilität: „Die starren Rahmen des Arbeitstages, der immer zur selben Zeit am selben Arbeitsort absolviert wird, gilt es aufzubrechen.“

Alternativen sieht Bartz in langfristigen Arbeitszeit- oder Zeitwertkonten – mit der Möglichkeit der Koppelung an das Pensionskonto: „Wichtig sind längere Durchrechnungszeiten und die Einrichtung von Zeitkonten, da Arbeitnehmer immer öfter größere Zeiträume für Familie oder Weiterbildung, Auszeiten oder längere Freizeitblöcke haben wollen.“

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